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Plagiat:Chinesische Bank kopiert Goldman Sachs

Workers clean windows of a building at a commercial district in Beijing

Gespiegelt: Arbeiter reinigen die Fenster eines Hochhauses im Finanzdistrikt in Peking.

(Foto: REUTERS)
  • Ein chinesisches Geldinstitut nennt sich Goldman Sachs und verwendet den gleichen Schriftzug wie die bekannte amerikanische Investmentbank.
  • Die chinesischen Gesetze zu Markenrechten, wie zum Kopieren von Namen und Produkten, sind eher lax. Das führt zu seltsamen Dopplungen.

Von Pauline Schinkels

Nein, jegliche Assoziation mit der amerikanischen US-Investmentbank Goldman Sachs sei nicht gewollt, wehrt sich ein chinesisches Geldinstitut. Aber denselben Namen nutzt die Firma Goldman Sachs Financial Leasing Co. aus Shenzhen, einer Stadt nahe der Grenze zu Hongkong, schon. Nach einem Ikea-Plagiat und einem nachgeahmten Apple-Geschäft wird jetzt also eine Investmentbank kopiert.

Die Piraterie-Vorwürfe weist Goldman Sachs Shenzhen zurück. Eine Mitarbeiterin erklärte der französischen Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP), es bestehe kein Zusammenhang mit der US-Bank. Der Name sei zwar ähnlich, das sei aber keine Absicht. Trotzdem nutzt die Bank auf Mandarin dieselben Schriftzeichen, wie sie auch die in New York ansässige Goldman Sachs Group Inc. in der Volksrepublik verwendet.

Connie Ling, Sprecherin von Goldman Sachs Hongkong, bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg, dass man den Fall prüfen werde. Laut Bloomberg ist der nur bekannt geworden, weil sich eine US-Gewerkschaft für Kasino-Mitarbeiter mit einem Brief an die chinesischen Anti-Korruptionsbehörden gewandt hatte und so auf Goldman Sachs Shenzhen aufmerksam machte, die es bereits seit 2013 gibt.

22 falsche Apple-Geschäfte

Die chinesischen Gesetze zu Markenrechten, wie zum Kopieren von Namen und Produkten, sind eher lax. Zuletzt verlor der ehemalige US-amerikanische Basketballspieler und Unternehmer Michael Jordan einen Prozess gegen einen chinesischen Sportartikelhersteller, der die chinesische Version seines Namen nutzt.

Anfang des Monats wurde ein 39-jähriger Mann festgenommen. Er hatte nach Angaben der chinesischen Staatsmedien eine gesamte Bankfiliale der China Construction Bank (CCB) nachgebaut, eine der vier großen Geschäftsbanken der Volksrepublik. In der Filiale soll es Bankautomaten, Kartenlesegeräte und entsprechende Schilder gegeben haben. Das Problem: Kunden hätten dort zwar Einzahlungen machen können, aber kein Geld abheben können.

Schlagzeilen machten auch das genau nachgeahmte Ikea-Geschäft sowie 22 falsche Apple-Geschäfte in Kunming. Die Apple-Stores wurden aber nicht geschlossen, wie man annehmen könnte - sie dürfen künftig nur das Apfel-Logo nicht mehr nutzen.

Goldman Sachs hatte auch schon öfter mit Kopien zu tun, allerdings nur online. Anfang des Jahres tauchte ein gefälschtes Twitterprofil von Goldman-Chef Lloyd Blankfein auf, das innerhalb kürzester Zeit über 300 Follower hatte. In einem anderen Fake-Profil wird Blankfein als Chef von Goldmine Sachs bezeichnet. Ebenfalls betroffen war JP-Morgan-Chef Jamie Dimon. Im August 2014 tauchte ein Fake-Profil von ihm auf. Twitter löschte den Account, nachdem er 24 Stunden online war.

© SZ vom 28.08.2015/ratz

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