Süddeutsche Zeitung

Banken:KfW-Managerin wechselt zu Barclays

Die Bankerin Ingrid Hengster verlässt überraschend die Staatsbank, dabei war sie lange die Favoritin für einen anderen Spitzenposten.

Von Jan Diesteldorf und Meike Schreiber, Frankfurt

Sie galt als Kandidatin für die Spitze der bundeseigenen Förderbank KfW - nun aber verlässt sie die einflussreiche Staatsbank überraschend nach sieben Jahren im Vorstand: Nach SZ-Informationen wechselt Ingrid Hengster, 60, bislang Inlandschefin der KfW und verantwortlich für die Corona-Hilfen, zur britischen Großbank Barclays. Wann sie dort den Posten als Deutschland-Chefin übernimmt, ist noch offen. Weder Barclays noch Hengster wollten sich dazu am Mittwoch äußern.

Barclays bietet in Deutschland unter anderem Investmentbanking-Dienstleistungen an. Vor ihrem Wechsel zur KfW 2014 leitete die promovierte Juristin das Deutschlandgeschäft der Royal Bank of Scotland. Davor war sie für Banken wie ABN Amro, Credit Suisse, UBS und die Commerzbank tätig. Zur KfW kam sie damals auf Vorschlag der FDP, sie selbst aber hat kein Parteibuch. Ziel war es, mehr privates Geld für die Förderpolitik zu gewinnen; später entdeckte sie das Thema Wagniskapital für die KfW. Vordergründig passt der Wechsel daher zu Hengsters Lebenslauf.

Ihr Weggang dürfte aber auch mit einer anderen Personalie zusammenhängen. Von Oktober an soll der Investmentbanker Stefan Wintels neuer Chef der KfW werden. Der 54-Jährige führte jahrelang die Geschäfte der US-Bank Citigroup in Deutschland. Er folgt auf Günther Bräunig, der in den Ruhestand geht. Anfang Juni hatten sich die Spitzen der großen Koalition auf Wintels als neuen Chef des Förderinstituts geeinigt, das dem Bund (80 Prozent) und den Ländern (20 Prozent) gehört. Der KfW-Verwaltungsrat, dem unter anderen Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) angehören, stimmte der Personalie formell zu.

Hengster galt lange Zeit als natürliche Nachfolgerin von Bräunig, zumal die Bundesregierung für Aktiengesellschaften gerade eine Frauenquote gesetzlich verankert hat und bei einem Staatsunternehmen womöglich mit gutem Beispiel hätte vorangehen wollen. Wintels wiederum ist seit Jahrzehnten Teil der Investmentbanking-Gemeinde in Frankfurt und als solcher gut vernetzt mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz und dessen Staatssekretär Jörg Kukies, früher Co-Deutschlandchef von Goldman Sachs. Allen voran das Bundesfinanzministerium setzte sich für Wintels ein. Die Union schloss sich an, obwohl man dort lange Zeit Hengster bevorzugt hatte. Kaum war der Name Wintels bekannt, meldeten sich die Headhunter bei Hengster.

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