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Banken:Die Zahl, die den Niedergang der deutschen Großbanken verdeutlicht

European Central Bank Headquarters And Frankfurt's Financial District Ahead Of Comprehensive Bank Assessment

Bankentürme in Frankfurt am Main.

(Foto: Bloomberg)
  • Die Deutsche Bank muss heftige Kursverluste hinnehmen, die Commerzbank will fast 10 000 Jobs abbauen. Deutschlands Großbanken geht es miserabel.
  • Es gibt eine Zahl, die die dramatische Situation dokumentiert: das sogenannte Kurs-Buchwert-Verhältnis.
  • Normalerweise sollte ein Unternehmen an der Börse so viel wert sein wie sein Vermögen. Doch diese Marke unterschreiten die Banken deutlich.

Die beiden größten deutschen Kreditinstitute durchleben gerade schwere Zeiten: Die Commerzbank hat ein Sparprogramm verkündet, das den Abbau von fast 10 000 Stellen vorsieht; bei der Deutschen Bank droht wegen hoher Strafen in den USA das Kapital knapp zu werden. Die Folge sind immense Kursverluste an der Börse. Dabei wird immer wieder eine Kennziffer genannt, die den ganzen Jammer dokumentiert: das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV).

Der Ausdruck klingt technisch, doch die Details haben es in sich: Sowohl Deutsche Bank als auch Commerzbank kommen beim KBV gerade noch auf einen Wert von rund 0,25. Das heißt, dass sie an der Börse nur mit einem Viertel dessen gehandelt werden, was an Vermögen in ihrer Bilanz steht. Man könnte auch sagen: Wer alle Aktien beider Institute aufkauft und danach ihre Vermögenswerte verkauft, würde theoretisch seinen Einsatz vervierfachen.

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Der Buchwert entspricht der Summe der Vermögenswerte, die ein Unternehmen zum Bilanzstichtag ausweist. Bei einem Industrieunternehmen zählen dazu Fabrikanlagen, Vorräte wie Stahl und Öl oder auch die Flugzeuge einer Airline. Das Vermögen einer Bank besteht vor allem aus den Krediten, die sie verliehen hat, und aus den Wertpapieren, in die sie mit eigenem Geld investiert hat. Davon abgezogen werden die Forderungen Dritter, also die Schulden der Bank. Hinzu kommen materielle Vermögenswerte wie Häuser oder Grundstücke. Alles zusammen ergibt den Buchwert des Unternehmens. Es entspricht zugleich dem Eigenkapital, also dem Geld, das die Eigentümer dem Unternehmen gegeben haben.

Das KBV setzt die Bewertung des Unternehmens an der Börse ins Verhältnis zu ihrem bilanziellen Buchwert. Mathematisch gesprochen: Aktienkurs mal Anzahl der Aktien (die Börsenbewertung), geteilt durch den Buchwert (das Vermögen). Normalerweise sollte ein Unternehmen an der Börse so viel wert sein wie sein Vermögen. Das entspräche einem KBV von 1,0. Rutscht die Kennziffer unter diese magische Marke, liegt mit dem Unternehmen etwas im Argen. Die Anleger gehen dann davon aus, dass es weniger wert ist, als in seiner Bilanz ausgewiesen. Bei einem KBV von 0,25 gehen sie davon aus, dass es nur noch ein Viertel dessen wert ist - ein Wert, der höchste Alarmstufe signalisiert.

Konkret am Beispiel der Deutschen Bank: Sie hat im letzten Geschäftsbericht ein Eigenkapital von 62,7 Milliarden Euro ausgewiesen, was dem Buchwert entspricht. Der Börsenwert beträgt beim gegenwärtigen Aktienkurs von rund 11,80 Euro etwa 17 Milliarden Euro. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis liegt damit bei 0,27.