Süddeutsche Zeitung

Banken:Commerzbank übernimmt Comdirect

Mithilfe ihrer Online-Tochter will die Bank ihr Internetangebot ausbauen. Außerdem verspricht sie sich Einsparungen.

Die Commerzbank kann ihre Online-Tochter Comdirect komplett übernehmen. Das Frankfurter Institut erwarb das Comdirect-Aktienpaket des Hedgefonds Petrus Advisers und hält damit nun mehr als 90 Prozent an der Direktbank. Das teilte das Geldinstitut am Freitag mit. Die Commerzbank kann nun die restlichen Comdirect-Aktionäre gegen eine Barabfindung (ein sogenanntes Squeeze-out) hinausdrängen.

"Dies ist ein wichtiger Schritt, um die Integration unserer erfolgreichen Direktbank-Tochter schnell und effizient umzusetzen und erhebliche Synergien zu erzielen", sagte Commerzbank-Chef Martin Zielke. Wie viel Geld für das Aktienpaket floss, ist unklar. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Petrus lehnte eine Stellungnahme ab.

Die 1994 gegründete Comdirect hat nach eigenen Angaben mehr als 2,7 Millionen Kunden in Deutschland. Anfang Dezember war die Commerzbank mit dem ersten Versuch gescheitert, mit einem Übernahmeangebot von 11,44 Euro je Comdirect-Aktie ihren Anteil von gut 82 Prozent auf über 90 Prozent aufzustocken. Petrus hatte den gebotenen Preis als zu niedrig kritisiert und seine Beteiligung im Dezember auf 7,5 Prozent aufgestockt.

Wie viele Jobs gestrichen werden, ist noch nicht klar

Gemessen am aktuellen Aktienkurs hat dieser Anteil einen Wert von rund 140 Millionen Euro. Am Freitag notierte die Comdirect-Aktie bei 13,20 Euro. Als Alternative zu einer Übernahme der Comdirect verfolgte die Commerzbank eine Verschmelzung der beiden Institute, die jedoch wesentlich aufwendiger und langwieriger gewesen wäre.

Mit Hilfe der Comdirect will die Commerzbank stärker auf das Online- und Smartphone-Banking setzen. Zudem verspricht sie sich 150 Millionen Euro an Einsparungen, da IT-Lösungen künftig nicht mehr doppelt entwickelt werden müssen und doppelte Funktionen wegfallen. Von den 4300 Stellen, die die Commerzbank im Zuge ihres Konzernumbaus streichen will, werden auch Jobs bei der Comdirect betroffen sein. Das Ausmaß des Arbeitsplatzabbaus bei der Direktbank sowie die künftige Rolle des Comdirect-Standorts in Quickborn bei Hamburg sind jedoch offen.

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Quelle:
SZ vom 04.01.2020 / Reuters
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