Stresstest:Europas Banken sind stabil

Die Bankenaufsicht hat untersucht, wie stabil Europas Geldinstitute in einer schweren Wirtschaftskrise wären. Das Ergebnis des Stresstests ist beruhigend - es gibt aber Ausnahmen.

Von Jan Diesteldorf, Frankfurt

Man muss sich viele Banken heutzutage als Unternehmen im Dauerstress vorstellen: Niedrigzinsen, Kostenprobleme, Umbau- und Stellenabbauprogramme - es gab schon eine Menge Schwierigkeiten, und dann kam auch noch eine Pandemie. Der stärkste Wirtschaftseinbruch seit der Finanzkrise sah anfangs nach einer akuten Bedrohung für den Bankensektor aus, man fürchtete eine Pleitewelle und steigende Kreditausfällen. Die Europäische Bankenaufsicht EBA und die Europäische Zentralbank hatten ihren für 2020 geplanten Stresstest deshalb um ein Jahr verschoben; es gab erst einmal Wichtigeres zu tun. An diesem Freitagabend nun haben die Aufseher ihre Ergebnisse veröffentlicht.

Demnach wären Europas Banken für einen heftigen wirtschaftlichen Schock gut gerüstet und ausreichend kapitalisiert. Zwar würden die Institute in einem hypothetischen Krisenszenario insgesamt fast ein Drittel ihrer Kapitalpuffer einbüßen. Dennoch bliebe der EU-Bankensektor im Schnitt über einer Marke von zehn Prozent bei der Kapitalquote als Polster für mögliche Rückschläge. Im Ländervergleich belegt Deutschland mit sieben untersuchten Instituten den drittletzten Platz vor Italien und Irland.

Mit ihrer groß angelegten Belastungsprobe wollen die Bankenkontrolleure seit der Staatsschuldenkrise alle zwei Jahre wissen, wie anfällig Europas Banken im Krisenfall wären. Diesmal fiel das Krisenszenario unter dem Eindruck der Corona-Auswirkungen deutlich heftiger aus als zuvor. Die Aufseher unterstellten eine Rezession bis 2023, mit einem Minus der Wirtschaftsleistung in der EU von insgesamt 3,6 Prozent. Die Arbeitslosigkeit würde um 4,7 Prozentpunkte steigen, die Marktzinsen würden weiter sinken, zugleich die Preise für Wohn- (minus 16,1 Prozent) und Gewerbeimmobilien (minus 31,2 Prozent) einbrechen - in der Simulation.

Deutsche Bank und Commerzbank gut genug für Krisen gerüstet

Dabei schauen die Aufsichtsbehörden zuerst auf das sogenannte harte Kernkapital. Also auf das Kapital, das den Banken auch bei Verlusten uneingeschränkt zur Verfügung steht. Seit der Finanzkrise wurden die Anforderungen dahingehend immer weiter verschärft. Damals waren, ausgehend von einer Bankenkrise in den USA, viele europäische Banken am Rande des Zusammenbruchs oder konnten nur durch staatliche Kapitalzuschüsse gerettet werden. Der Stresstest zeigt: Das ist heute viel weniger wahrscheinlich. "Europas Banken sind robust, sie sind widerstandsfähig", hat EZB-Vizepräsident Luis de Guindos gerade in einem Interview gesagt.

Diese Aussage ließe sich mit Abstrichen auch auf die deutschen Häuser übertragen. Im aktuellen Stresstest mussten neben der Deutschen Bank und der Commerzbank auch die DZ Bank, die Landesbanken LBBW, Helaba und Bayern-LB sowie die Bank des Volkswagen-Konzerns Daten liefern. Die Deutsche Bank, inzwischen mit einer üppigen Kernkapitalquote von 13,6 Prozent unterwegs, würde im Krisenszenario hart erwischt: Ihr Kapitalpolster würde auf 7,6 Prozent schrumpfen. Da bliebe wenig, aber immer noch deutlich mehr als das von der Aufsicht verlangte Minimum von 5,9 Prozent. Trotz des viel drastischeren Szenarios schneide man nur unwesentlich schlechter ab als 2018, betonte Deutschlands größtes Geldhaus. Die Kapitalquote der Commerzbank würde im ungünstigsten Szenario auf 8,2 Prozent fallen.

Insgesamt ließ die EBA 50 Geldhäuser aus 15 Ländern die Stresstest-Szenarien durchrechnen. 38 davon sind Banken aus dem Euroraum, die direkt von der EZB überwacht werden. Die Notenbank untersuchte parallel 51 der 114 direkt von ihr beaufsichtigten Institute. Schlusslicht im Test war die teilverstaatlichte italienische Bank Monte dei Paschi, deren Kapitalquote im Krisenszenario sogar ins Negative rutschte.

© SZ
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