Italien:Geplatzter Bankendeal setzt Italiens Regierung unter Druck

Monte dei Paschi di Siena

Die Zentrale der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena: Wie es mit dem ältesten Finanzinstitut der Welt weitergeht, ist ungewiss.

(Foto: Mattia Sedda/dpa)

Der Verkauf der Krisenbank Monte dei Paschi di Siena ist gescheitert. Das stellt ausgerechnet das Finanzexperten-Kabinett des italienischen Regierungschefs Mario Draghi vor Probleme

Von Thomas Fromm

So eine gescheiterte Übernahme hat Folgen, und bei den beteiligten Banken war der Schaden am Montagmorgen klar bezifferbar. Die Krisenbank Monte dei Paschi di Siena, jene Bank, die nun doch nicht so schnell verkauft wird wie gehofft, eröffnete am Montagmorgen an der Mailänder Börse 9,5 Prozent tiefer. Der Wert der Aktie betrug zum Börsenauftakt 0,97 Euro, das absolute Rekordtief bei dem ältesten Finanzhaus der Welt. Auch die Aktie von Unicredit, jener Bank, die die andere nun doch nicht übernehmen wird, lag gleich mal mit 3,4 Prozent im Minus.

Doch nicht nur die Aktien haben verloren, auch für die italienische Regierung unter Mario Draghi ist der geplatzte Verkauf bitter. Ausgerechnet der Regierung unter Draghi, dem Finanzfuchs, dem früheren EZB-Chef und Euro-Retter, dem Goldman-Sachs-Mann und dem früheren Governatore der Banca d'Italia, ist über Nacht das Drehbuch für einen sorgfältig eingefädelten Bankendeal im eigenen Land durcheinandergeraten. Die Folgen: schwer absehbar. In Italien wird nun gerätselt, wie es weitergeht. Mit den Banken - und mit Roms Strategie, Finanzhäuser auf dem Apennin in Eigenregie zu sanieren.

Die 1472 in der Toskana gegründete Monte dei Paschi di Siena hatte sich nach der Finanzkrise mit den falschen Übernahmen verhoben und mit faulen Kreditgeschäften verzockt. Sie wurde immer unrentabler - und für das Finanzsystem immer gefährlicher. 2017 sprang dann der italienische Staat ein und schoss an die 5,6 Milliarden Euro in das kriselnde Institut. 5,6 Milliarden für einen 64 Prozent-Anteil.

Das Problem bei dem Verkauf war nun von Anfang an, dass die Mailänder Großbank Unicredit, die auch Mutter der Münchner Hypo-Vereinsbank ist, nicht die gesamte toskanische Bank übernehmen wollte. Sie interessierte sich naturgemäß für die erfolgversprechenderen Bereiche des Instituts. Als die Mailänder gefordert haben sollen, dass Rom weitere 6,3 Milliarden Euro in die Bank investieren solle, und die für eine Übernahme infrage kommenden Anteile weit niedriger bewertete als vom römischen Finanzministerium veranschlagt, soll die Sache in Grunde erledigt gewesen sein. Jetzt noch einmal weitere Milliarden in das marode Finanzhaus zu investieren, das sei für Draghi, der gerade einen ambitionierten Haushalt verhandelt, Steuern senken und Familien finanziell unterstützen will, kaum akzeptabel gewesen.

Andererseits überrascht die Strategie der Unicredit-Bank italienische Beobachter kaum. Schließlich bestehe durchaus die Gefahr, dass die marode Krisenbank auch die nächste Großbank mit hinabziehen könnte. Ein Ansteckungseffekt unter italienischen Instituten sozusagen.

Alles zurück auf Null

Der Plan, den Problemfall an einen starken heimischen Partner zu veräußern, schien der Ausweg zu sein. Jetzt aber steckt Rom in einem Dilemma. Der Bruch, hieß es am Montag beim Unternehmerverband Unimpresa, werfe "einen Schatten auf das gesamte Land".

Die italienische Regierung hatte mit der EU vereinbart, die gerettete Bank bis Mitte kommenden Jahres zu veräußern - und bräuchte zudem das Okay aus Brüssel, sollte sie weitere Milliarden in Richtung Toskana schießen wollen. In einem nächsten Schritt könnte sie bei der EU-Kommission um Fristverlängerung bitten, um Zeit für weitere Verhandlungen zu gewinnen. Mit Unicredit, aber auch mit anderen italienischen Kandidaten. Alles zurück auf Null also - und noch einmal von vorne.

Die Alternative, der Plan B: Monte dei Paschi di Siena bekäme über eine Kapitalerhöhung neue Milliarden, bliebe danach aber eigenständig, sobald sich der italienische Staat wieder zurückzieht. Die dritte, aber eher unpopuläre Option: Der Verkauf des Instituts an einen ausländische Konkurrenten wie die französische Crédit Agricole oder BNP Paribas oder auch an eine spanische Bank. Möglich jedoch, dass Draghi und seine Finanzexperten hierbei ein Déjà-vu haben könnten: Denn warum sollten Großbanken aus Frankreich oder Spanien anders verhandeln als Unicredit?

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