Bank für Internationalen Zahlungsausgleich "Höhepunkt der Krise ist vorbei"

Normalerweise regiert in der Welt der Zentralbanken das feine Wort. Doch nun drängt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich - die Zentralbank der Zentralbanken - in ungewöhnlich deutlich Worten die Politik zu handeln. Denn die Notenbanken könnten jetzt nichts mehr tun.

Der Jahresreport der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ist etwas Besonderes: Gespickt mit Informationen liefert er Einblicke in die Welt des Geldes wie kaum ein anderer öffentlich zugänglicher Bericht. Wann immer sich an den Finanzmärkten etwas zusammenbraut - oft genug hat die BIZ die Probleme schon weit im Voraus beschrieben.

Diesmal gerät der Bericht fast zur Abrechnung - zur Abrechnung mit der Niedrigzinspolitik: Gewiss, die Zentralbanken hätten mit den niedrigen Zinsen für Zeit gesorgt. "Aber die Zeit wurde nicht gut genutzt. Niedrige Zinsen und unkonventionelle Methoden haben es dem Privatsektor leicht gemacht, seine Entschuldung zu verzögern, den Regierungen, Schulden zu finanzieren und den Behörden, die Reformen der Wirtschaft und des Finanzsystems zu verschieben", heißt es in dem Report der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), der Bank der Zentralbanken also.

Erst in der vergangenen Woche hatte die amerikanische Zentralbank Fed angekündigt, ihre Maßnahmen gegen die Krise langsam zurückzufahren - und damit für Unruhe an den Märkten gesorgt.

Unterstützung für Weidmann

Der Jahresbericht der BIZ propagiert nun einen ähnlichen Kurs. "Der Höhepunkt der Krise ist vorbei und das Ziel der Maßnahmen hat sich geändert: stagnierende Volkswirtschaften müssen zu starkem und nachhaltigem Wachstum zurückgeführt werden." Die Zentralbanken könnten weder Bilanzen und Haushalte reparieren, noch notwendige strukturelle Reformen der Wirtschaft und des Finanzmarktes einleiten.

Nun seien die Regierungen an der Reihe, fordern die Basler Banker. "Die Zentralbanken können nicht mehr machen ohne das Risiko einzugehen, dass sie die Gefahren noch vergrößern, die sie schon erzeugt haben", heißt es in dem Bericht der Bank, zu dessen Vorstand unter anderem Bundesbankpräsident Jens Weidmann, der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, und Fed-Chef Ben Bernanke gehören. "Billiges Geld macht es einfacher, Geld zu leihen, denn zu sparen; einfacher, zu investieren, denn zu haushalten; einfacher, alles gleich zu belassen, als Dinge zu ändern."

Die Bank stützt damit auch die Position von Bundesbankpräsident Jens Weidmann. Der hatte im Interview mit der Süddeutschen Zeitung gesagt: "Weder Staaten, noch der private Sektor sollten davon ausgehen, dass die derzeitige Niedrigzinsphase dauerhaft anhält. Sie müssen in der Lage sein, ihre Schulden in einem normalen Zinsumfeld zu tragen."

Aus den USA gibt es derweil Prognosen, dass die Erholung der Wirtschaft doch schneller geht, als bisher erwartet. Der Häusermarkt hat sich erholt und der boomende Energiesektor sorgt für neue Jobs. Die meisten Ökonomen erwarten gar, dass 2014 das beste Jahr seit 2005 wird. In einer Umfrage des Wall Street Journal prognostizierten sie ein Wachstum von 2.8 Prozent im nächsten Jahr.

Linktipp: Der Economist hat die BIZ-Studie zum Anlass genommen, lesenswert über das Wesen der Zentralbanken an sich nachzudenken: "The annual report is a remarkable document, one which might well come to serve as the epitaph for an era of central banking spanning the Volcker disinflation and the Great Recession—the epoch of the central banker as oracle, guru, maestro. If the end of this era is upon us, we can credit a series of revelations: that central bankers learned the lessons of economic history less well than they'd thought, that they displayed an unfortunate tendency to set aside economic rigour in favour of an obsessive focus on price stability, and (perhaps most importantly) that they are in more need of democratic accountability than is often assumed. Above all, the report captures what may be the most critical error of the modern central banker: eschewing a focus on his proper domain—demand stabilisation—in favour of an arena in which he has no business sticking his nose—the economy's supply side."