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Bank für Internationalen Zahlungsausgleich:Die BIZ akzeptierte schmutziges Nazi-Gold

Außerdem erhielt sie den Status einer internationalen Organisation. Ihre Gebäude sind bis heute ebenso unantastbar wie ihre Einlagen und Guthaben, ihre Mitarbeiter genießen Steuerfreiheit und diplomatische Immunität. LeBor nennt die BIZ "eines der weltweit wirksamsten Instrumente von soft power". Diese weiche Macht kommt jeden zweiten Monat zum Einsatz, wenn Notenbankpräsidenten aus der ganzen Welt zum Jour fixe nach Basel kommen. Die Sitzung beginnt Sonntagabend im Konferenzraum E des BIZ-Towers. Dann ziehen sich die Chefs allein zu einem exquisiten Dinner zurück. Dieser innerste Zirkel besteht aus den 18 mächtigsten Notenbankern: Mario Draghi von der EZB gehört dazu, Ben Bernanke aus Washington, Jens Weidmann von der Bundesbank, der Chinese Zhou Xiaochuan, Mark Carney von der Bank of England.

Zum Treffen des sogenannten Economic Consultative Committee am nächsten Morgen werden auch Notenbankchefs anderer Staaten zugelassen - Indonesien, Polen oder Südafrika. Diese Männer - Frauen sind in diesem Kreis noch immer selten - repräsentieren mehr als vier Fünftel der globalen Wirtschaftskraft. Manchmal dürfen noch ein paar kleinere Länder mit an den Tisch - Israel etwa oder Ungarn. Aber sie haben kein Rederecht.

Offen reden - über Geldpolitik und Wein

Mervyn King, der frühere Chef der Bank of England, bezeichnete diese Treffen als eigentliche Raison d'être der BIZ: "Imstande zu sein, informell und offen miteinander zu reden, war immer ungeheuer wertvoll", sagte er dem Autor. "Wir können sagen, was wir wirklich denken, wir können Fragen stellen und von anderen profitieren." Bodenständiger beschrieb Péter Ákos Bod, Ex-Chef der ungarischen Nationalbank, die Treffen. "Hauptthemen waren die Qualität des Weins und die Dummheit der Finanzminister. Wenn man nichts von Wein verstand, konnte man am Gespräch gar nicht teilnehmen." An die fragwürdige Vergangenheit der Institution erinnert bei diesen Anlässen nichts. Doch in den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts war die BIZ de facto der verlängerte Arm der Reichsbank in Berlin. Die Basler verschafften dem Naziregime eine internationale Bühne und globale Wirtschaftskontakte.

Auch nach Kriegsausbruch wickelte sie Devisengeschäfte für den Nazistaat ab und akzeptierte dessen schmutziges Gold, egal ob es aus den Tresoren der Nationalbanken überfallener Staaten geraubt oder KZ-Häftlingen aus dem Mund gebrochen worden war. Im Aufsichtsrat der Bank saßen nicht nur Hitlers Kriegsfinanzier Schacht, sondern auch der Bankier Kurt von Schröder und der Industrielle Hermann Schmitz vom Weltkonzern IG Farben, die beide SS-Chef Heinrich Himmler finanzierten.

Kein Wunder, dass Washington nach Kriegsende die BIZ auflösen wollte, zumal mit IWF und Weltbank zwei neue Institutionen zur Regelung globaler Finanzfragen bereitstanden. Doch Großbritannien, die Wall Street und weite Teile der US-Industrie setzten sich durch und hielten die BIZ am Leben. Sie hatten auch während des Krieges Kontakte zu den Deutschen aufrechterhalten und waren am möglichst raschen Wiederaufbau der deutschen Industrie interessiert.

Die BIZ präsentierte sich nun als älteste und erfahrenste internationale Finanzorganisation. Ihre Jahresberichte waren mittlerweile zur Pflichtlektüre für Banker und Finanzbeamte in der ganzen Welt geworden, und als 1947 die Zentralbanken von den Regierungen ermutigt wurden, ihren Zahlungsverkehr über die BIZ abzuwickeln, war die Zukunft der Basler gesichert.

Zugleich etablierte die BIZ vier Kommissionen, welche - so LeBor - "die Finanzarchitektur der Welt umbauen" und "die Zukunft der globalen Finanzmärkte und folglich der Weltwirtschaft bestimmen". Den größten Einfluss errang die für Bankenaufsicht und Regulierung zuständige Kommission. Ins Leben gerufen nach der Pleite der deutschen Herstatt-Bank in den Siebzigerjahren erarbeitete sie die Basel-Regelwerke I bis III. Obwohl die BIZ keine gesetzgeberischen Vollmachten besitzt, halten sich Geschäftsbanken sklavisch an die Vorgaben.

Maßgeblich trieb die BIZ auch das europäische Einigungsprojekt voran. Das Europäische Währungsinstitut, der Vorgänger der Europäischen Zentralbank, wurde in den Räumlichkeiten der BIZ ausgebrütet und herangezogen, bevor es nach Frankfurt umzog. Diese Verwandtschaft, so LeBor, erklärt, weshalb die EZB gleichsam ein Spiegelbild der Basler Bank geworden ist: nicht transparent, kaum kontrolliert, nur ansatzweise rechenschaftspflichtig.

Die BIZ ist für LeBor "eine undurchsichtige, elitäre und antidemokratische Institution", ein "Überbleibsel eines gottlob untergegangen Zeitalters blinder Unterwerfung unter Autorität". Auf Dauer freilich werde sich die BIZ dem Zug der Zeit nicht entziehen können. Auch sie werde sich öffnen müssen, zumal da Notenbankchefs in der Folge der Finanzkrise politischer Einfluss zugewachsen ist.

Doch gerade deshalb ist es zweifelhaft, dass diese Herren sich über diese Kritik den Kopf zerbrechen, wenn sie sich das nächste Mal zum Dinner in ihrem Basler Turm versammeln.

© SZ vom 20.08.2013
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