Bahnverkehr:Zahl der Zugausfälle in NRW steigt auf Rekordhoch

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Bahnfahrer drängen sich am Eingang eines Regionalzuges am Deutzer Bahnhof. (Foto: Roberto Pfeil/dpa/Symbolbild)

Zugausfälle, Verspätungen: Bahnreisende in NRW müssen weiterhin oft improvisieren. Die Probleme seien erkannt, betonen die Unternehmen in einem neuen Bericht. Aber es brauche einen langen Atem.

Direkt aus dem dpa-Newskanal: Dieser Text wurde automatisch von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) übernommen und von der SZ-Redaktion nicht bearbeitet.

Düsseldorf (dpa/lnw) - Die Zuverlässigkeit der Regionalzüge und S-Bahnen in Nordrhein-Westfalen hat im vergangenen Jahr einen neuen Tiefpunkt erreicht. Rund jeder siebte Zug fiel 2023 ganz aus, wie aus dem Qualitätsbericht für den Schienenverkehr in NRW hervorgeht.

Vor allem kurzfristige Zugausfälle etwa wegen Personalmangels gab es noch einmal deutlich häufiger als vorher. Aber auch die Pünktlichkeit bleibt ein Problem: Von den Zügen, die fuhren, kamen etwa 22 Prozent deutlich verspätet an ihr Ziel.

„Falsche Prioritäten in der Vergangenheit“

„Wir zahlen jetzt die Zeche einer falschen Prioritätensetzung in der Vergangenheit“, erklärte NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer. Ein Großteil der Ausfälle und Verspätungen entstehe, weil marode Infrastruktur erneuert werden müsse, sagte der Grünen-Politiker. Das werde auch in den nächsten Jahren nicht zu verhindern sein. Fortschritte gebe es dagegen bei der Suche nach Fachpersonal: Allein in diesem Jahr würden 345 angehende Lokführerinnen und Lokführer ausgebildet.

Der Qualitätsbericht wird jährlich vom Kompetenzcenter Integraler Taktfahrplan NRW veröffentlicht, in dem die Landesregierung und die Verkehrsverbünde zusammengeschlossen sind. Zuerst hatte die „Rheinische Post“ über den Bericht geschrieben.

„Bei Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit ist deutlich Luft nach oben“, betonte Joachim Künzel, Geschäftsführer des federführenden Zweckverbands Nahverkehr Westfalen-Lippe. Zwar gebe es gute Initiativen, um zum Beispiel mehr Bewerber für die vielen unbesetzten Lokführerstellen zu finden oder die marode Infrastruktur zu sanieren. Es werde aber „einen längeren Atem benötigen, bis flächendeckend und nachhaltig Qualitätssprünge eintreten werden“, betonte Künzel.

Zahl der kurzfristigen Zugausfälle steigt stark

Größtes Sorgenkind der Branche sind die vielen Zugausfälle. Rund 14 Prozent aller geplanten Zugfahrten fielen im vergangenen Jahr ganz aus. Das war noch einmal gut ein Drittel mehr als 2022, wo der Wert ohnehin schon hoch war. Ein großer Teil dieser Zugausfälle war geplant und im Vorfeld an die Reisenden kommuniziert - etwa, weil es durch Bauarbeiten Streckensperrungen gab.

Besonders ärgerlich für Reisende sind aber die ungeplanten Zugausfälle: Sechs Prozent aller Zugfahrten fielen kurzfristig aus. Der mit Abstand häufigste Grund war Personalmangel. Vor allem bei Lokführern gebe es in der Branche weiterhin einen großen Mangel, aber auch in der Disposition oder in den Werkstätten fehlten Fachkräfte.

„Krankmeldungen sind nicht mehr aufzufangen und schadhafte Züge können oftmals erst mit zeitlichem Verzug repariert werden. Die Folge: Zugausfälle und Verspätungen auf vielen Linien, der Regelfahrplan ist zum Teil nicht mehr fahrbar, Bahnfahren wird unzuverlässig“, analysiert der Bericht.

Allerdings sei das intensive Werben der Bahnunternehmen um Personal durchaus erfolgreich: Inzwischen gelinge es wieder, alle Ausbildungsplätze mit qualifizierten Bewerbern zu besetzen. Auch Quereinsteiger könnten zunehmend für den Job als Lokführer gewonnen werden. Zuletzt hatte die Landesregierung noch einmal sechs Millionen Euro für Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel bei der Bahn bereitgestellt.

Pünktlichkeit bleibt auf niedrigem Niveau

Ein weiteres Thema ist die Pünktlichkeit der Züge - die habe sich „auf recht niedrigem Niveau“ stabilisiert, hieß es. 78,1 Prozent der Züge erreichten ihr Ziel mit höchstens vier Minuten Verspätung - das war eine minimale Verbesserung im Vergleich zu 2022.

Vor allem bei Regionalexpress-Zügen gab es aber Probleme: Weil sie oft durch mehrere störungsanfällige Knotenpunkte in Ballungsräumen fahren, kamen nur 72,0 Prozent der RE-Züge pünktlich ans Ziel.

Nachhaltige Verbesserungen seien in diesem Bereich erst zu erwarten, wenn in einigen Jahren umfangreiche Bauarbeiten am teils maroden Schienennetz in Nordrhein-Westfalen abgeschlossen seien. Doch bis dahin werde die hohe Zahl an Baustellen sich eher negativ auf die Zuverlässigkeit der Züge auswirken, stellt der Bericht klar.

Der Bahnverkehr in NRW verbindet auf 101 Linien insgesamt 775 Bahnhöfe. Das größte Verkehrsunternehmen im Schienen-Regionalverkehr in NRW bleibt die Deutsche Bahn mit einem Marktanteil von 52,0 Prozent, dahinter folgen National Express (17,1), Eurobahn (13,5) und Transdev (7,6).

© dpa-infocom, dpa:240606-99-293091/3

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