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Bahnstreik:Industrie fürchtet Schäden in Millionenhöhe

Lokführerstreik

Auch Güterzüge wie diese sollen fast eine Woche lang stillstehen.

(Foto: dpa)
  • Der tagelange Streik bei der Bahn könnte in der Industrie zu Schäden über Hunderte Millionen Euro führen, schätzen Wirtschaftsforscher.
  • Besonders betroffen seien die Stahl-, Chemie- und Automobilindustrie.
  • Für andere hingegen ist der Streik ein Glücksfall: Fernbusanbieter und Autovermieter bereiten sich auf einen Kundenansturm vor.

Eine Woche lang wird die Deutsche Bahn wegen des Streiks deutlich weniger Passagiere und Güter transportieren. Das freut alternative Reiseanbieter wie Fernbusbetreiber und Autoverleiher angesichts der vielen Pendler, die ohne Bahn an ihr Ziel kommen müssen. Und es verärgert die Industrie: Sie fürchtet Verluste in Höhe von Hunderten Millionen Euro.

"Ab vier Tagen wird es teuer"

Fast ein Fünftel des gesamten Güterverkehrs in Deutschland läuft über die Schiene, etwa zwei Drittel davon entfallen auf die Deutsche Bahn. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) fasst die Wirkung eines Bahnstreiks deshalb so zusammen: "Ab vier Tagen wird es teuer." Kurze Streiks könne die deutsche Industrie noch verkraften, sagen die Kölner Forscher. Doch bei durchgängigen Streiks von mehr als drei Tagen sei zu erwarten, dass die Produktion unterbrochen werden müsse. Die Schäden könnten dann "schnell von einstelligen Millionenbeträgen auf über 100 Millionen pro Tag ansteigen".

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, geht in einer Schätzung sogar noch weiter: "Alles in allem drohen Streikkosten von einer halben Milliarde Euro."

Besonders wichtige Güter will die Bahn weiter transportieren

Besonders betroffen seien Stahl-, Chemie- und Automobilindustrie, schätzt der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI): "Die Folge sind leere Lager, unterbrochene Wertschöpfungsketten und Produktionsausfälle in zahlreichen Industriebranchen." Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) erwartet massive Auswirkungen auf die wichtige deutsche Industriebranche. Störungen im Schienengüterverkehr hätten weitreichende Auswirkungen auf die Branche und Kunden, heißt es vom Verband. Länger andauernde Streiks bedeuteten, dass es in in der Versorgung mit Rohstoffen zu Engpässen kommt.

Branchenübergreifend sind Firmen in ganz Deutschland darauf angewiesen, dass Rohstoffe und Teile von Zulieferern pünktlich geliefert werden. Während des Streiks biete die Bahn ihren Logistikkunden ein reduziertes Angebot und priorisiere Güterzüge, die für Unternehmen besonders wichtig sind, heißt es von der Logistik-Sparte des Konzerns.

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Fernbus-Unternehmen stocken Flotte auf

Zwei Drittel der 805 Züge im Fernverkehr fallen aus, im Regionalverkehr sind je nach Region bis zu drei Viertel aller Züge nicht im Einsatz. Das bedeutet: Bahnreisende brauchen Ersatz. Den bieten beispielsweise Fernbusse, sie profitieren enorm vom Streik: Deutschlands größter Anbieter Meinfernbus-Flixbus verzeichnet nach eigenen Angaben auf seiner Website bis zu fünfmal mehr Zugriffe als an normalen Tagen.

Um den erwarteten Ansturm der Passagiere zu bewältigen, kann Meinfernbus-Flixbus seine Flotte von regulär etwa 600 Bussen kurzfristig aufstocken und auf besonders gefragten Routen doppelstöckige Busse einsetzen. Möglich ist auch, dass statt einem zwei Reisebusse eine Verbindung fahren. Für die Unternehmen ist der Streik eine Art kostenlose Werbung: Sie können bei der Gelegenheit Bahnfahrer vom Verkehrsmittel Fernbus überzeugen.

Sixt verlagert Autos an Bahnhöfe

Im November hat Sixt mit dem Gewerkschaftschef Claus Weselsky geworben - als "Mitarbeiter des Monats". Erfahrungsgemäß profitieren Autovermieter wie Sixt von den Streiks, sagt ein Sprecher. Das Unternehmen reagiert bereits und verlagert Teile seiner Fahrzeugflotte an wichtige Knotenpunkte wie Bahnhöfe oder Flughäfen. Sollten die Autos knapp werden, kann Sixt die Ausmusterung von Autos verzögern oder neue Fahrzeuge schneller einsetzen.

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