Handy-Empfang:Bahn verspricht lückenloses Mobilfunknetz

Hannover Deutschland 14 03 2017 Hinweis auf den Ruhebereich in einem ICE Fernzug der Deutschen Ba

Viele Funklöcher: Auch außerhalb des Ruhebereichs kann man im ICE nicht immer telefonieren.

(Foto: Norbert Schmidt/imago)

Funklöcher gelten schon seit Jahren als Riesenärgernis für Bahnkunden. Nun wollen Bahn und Telekom schnelles Surfen garantieren - allerdings erst von 2026 an.

Von Markus Balser und Benedikt Müller-Arnold, Berlin/ Düsseldorf

Abgebrochene Handygespräche, Internetprobleme beim Arbeiten an Bord: Bahnfahrende in Deutschland wissen, wie mühsam die Suche nach Anschluss in einem ICE sein kann. Hoch oben in den Büros der Bahn am Berliner Hauptbahnhof wollte Telekom-Chef Tim Höttges am Mittwoch auf einer Pressekonferenz zusammen mit Bahnchef Richard Lutz und Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) erklären, wie Deutschlands größter Mobilfunkanbieter das leidige Funklochproblem lösen will. Doch erst mal machte Höttges klar, wie unangenehm ihm das Thema ist: "Wir sind spät dran, das räume ich ein", sagte er. In Österreich und der Schweiz klappe das schon besser.

Der Empfang entlang von Bahnstrecken gilt als eine der größten Schwachstellen des Mobilfunks in Deutschland, und das schon seit Jahren. Der Bund hatte den Netzbetreibern bereits 2015 in einer Frequenz-Versteigerung vorgeschrieben, dass sie den Empfang an Hauptverkehrswegen verbessern müssen. Das sollte eigentlich bis Ende 2019 geschehen. Doch die Unternehmen hinken hinterher. Zuletzt konstatierte die Bundesnetzagentur, dass die Anbieter nur "zwischen 94,4 und 98,2 Prozent" der Hauptschienenwege in Deutschland mit den geforderten Bandbreiten versorgen. Demnach fehlen in Deutschland etwa 550 Antennenstandorte in der Nähe von Bahnstrecken.

Am Mittwoch kündigten Bahn und Telekom an, dass es nun wirklich besser werden soll. Kunden sollen im Netz der Telekom von 2026 an lückenlos surfen und telefonieren können. Dass es weitere fünf Jahre dauert, die restlichen Funklöcher zu schließen, nannten Bahn und Telekom eine "radikale Verbesserung". Die Telekom werde in den kommenden Jahren etwa 800 neue Mobilfunkstandorte in Betrieb nehmen sowie die Kapazität an mehreren Hundert Standorten erweitern, kündigte Höttges an. Die 7800 Kilometer Hauptverkehrsstrecken will die Telekom bis 2024 mit einer Datenrate von mindestens 200 Megabit pro Sekunde versorgen, was einem Kabelanschluss entspricht. Weitere 13 800 Kilometer vielbefahrener Trassen sollen bis Ende 2025 mit der gleichen Rate folgen. Davon würden nicht nur Passagiere mit Telekom-Vertrag profitieren. Auch Fahrgästen mit Handys der Telekom-Konkurrenten Vodafone, Telefónica und 1&1 käme das zugute. Sie können das Wlan an Bord der Züge nutzen, das ebenfalls über das Netz der Deutschen Telekom läuft.

Fehlende Grundstücke und Baugenehmigungen

Die Bundesnetzagentur prüft indes von Fall zu Fall, ob die Mobilfunkfirmen wirklich genug für ein besseres Netz tun, ob sie beispielsweise zu spät mit der Planung begonnen haben, oder ob rechtliche Gründe den Masten im Weg stehen. Oft beklagen die Anbieter etwa, dass sie lange auf Baugenehmigungen warten müssen. Sie finden auch längst nicht immer Grundstücke für neue Funktürme in der Nähe der Schienen.

Doch auch die Netzanbieter klagen über Probleme. Zum einen wegen der Tunnel: Mobilfunkanbieter können ihre meterhohen Masten unmöglich in die Röhren bauen. Stattdessen müssen sie entweder kleine Antennen vor den Tunneleinfahrten installieren oder sogenannte Repeater in der Röhre, die das Signal von außen aufnehmen und verbreiten. So will etwa Vodafone allein in diesem Jahr den Empfang in 189 Tunneln von ICE-Strecken verbessern. Ein zweites Problem betrifft die Hülle der Züge: Diese lässt nur einen Teil der Mobilfunk-Signale ins Innere durch. Um das zu ändern, müsste die Bahn entweder die massiven Fensterscheiben ihrer ICEs älterer Generationen austauschen. Oder aber sie bringt Repeater in ihren Zügen auf den neusten Stand der Technik.

Und dann sind da noch die Frequenzen. So berichtet Vodafone, dass der Konzern an fast einem Viertel seiner Antennenstationen in Deutschland bestimmte Frequenzen nicht nutzen kann, die recht gut in Züge oder Gebäude eindringen könnten. Das Problem: Die Wellen könnten sich mit dem Zugfunk der Generation GSM-R beißen. Vodafone hofft, die Frequenzen von 2023 an auch in der Nähe von Bahnstrecken freischalten zu dürfen.

Die Bundesnetzagentur sieht insgesamt vorsichtigen Grund zur Hoffnung. Fehlende Antennenstandorte seien immerhin "schon geplant und die entsprechenden Verfahren weitestgehend eingeleitet", schreibt die Behörde. Auch die Telekom-Konkurrenten Vodafone und Telefónica betonen, dass sie in konstruktiven Gesprächen mit der Bahn ständen. "Nervige Geschäftsabbrüche sollen künftig der Vergangenheit angehören", sagt Guido Weissbrich, Netzchef von Vodafone in Deutschland. Allerdings betont Telefónica, dass die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen seien und zwar "aufgrund einiger offener technisch-finanzieller Fragen", so das Unternehmen. Die Netzagentur dürfte das Thema noch länger begleiten. Der Bund hat den Netzbetreibern in der jüngsten Frequenz-Auktion 2019 erneut Auflagen zur Versorgung entlang von Hauptverkehrswegen vorgeschrieben und höhere Geschwindigkeiten für die kommenden Jahre gefordert.

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