Tarifverhandlungen bei der Bahn Für dieses Jahr sind Streiks vom Tisch

Chaos auf den Bahnsteigen wegen ausfallender Züge? Das wollte die Bahn so kurz vor Weihnachten nicht noch einmal riskieren.

(Foto: dpa)
  • Die Deutsche Bahn einigt sich mit der größten Gewerkschaft EVG im Tarifstreit auf 6,1 Prozent mehr Lohn.
  • Mit der Lokführergewerkschaft GDL schwelt der Streit weiter.
  • Streiks sind dennoch bis Jahresende ausgeschlossen.
Von Markus Balser, Berlin

Der Druck war zuletzt stark gestiegen. Neue Warnstreiks ausgerechnet im wichtigen Reisezeitraum kurz vor Weihnachten wollte die Deutsche Bahn im Tarifstreit mit den Gewerkschaften auf jeden Fall verhindern. Es galt, das wichtige Geschäft nicht zu gefährden - und auch den ohnehin bei Passagieren ramponierten Ruf nicht noch mehr zu strapazieren. Und so gab der Konzern in der Nacht zum Samstag den wichtigsten Forderungen der großen Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG statt. Man habe einen Tarifabschluss erreicht, teilten die EVG und die Bahn am Samstagmorgen mit. Die EVG habe in sehr schwierigen Verhandlungen fast alle ihrer 37 Forderungen durchgesetzt, erklärte ein EVG-Sprecher.

Die Bahn stand nach den Warnstreiks vom Montag unter Zugzwang. Die EVG hatte im morgendlichen Berufsverkehr bundesweit Züge lahmgelegt. Davon waren Millionen Pendler betroffen. Am Samstagvormittag stellten Bahn und EVG die Einigung in Berlin vor. Demnach haben sich beide Seiten auf eine Lohnerhöhung von insgesamt 6,1 Prozent in zwei Stufen geeinigt. Mit dem Abschluss steigen die Löhne in zwei Stufen um 3,5 Prozent zum 1. Juli 2019, danach um 2,6 Prozent zum 1. Juli 2020.

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Es gebe einen Abschluss, bestätigten beide Seiten am Samstagmorgen. Weitere Warnstreiks seien damit abgewendet. Der Streit mit der Lokführergewerkschaft GDL geht jedoch noch weiter.

Außerdem gewährt die Bahn für die Zeit von Oktober 2018 bis zur Tariferhöhung im Sommer 2019 eine Einmalzahlung von 1000 Euro. Zudem sollen die Mitarbeiter erneut die Möglichkeit bekommen, statt der zweiten Stufe der Gehaltserhöhung mehr Urlaub oder eine Arbeitszeitverkürzung zu wählen. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 29 Monaten bis Ende Februar 2021.

Streit mit GDL bleibt ungelöst

Weiter ungelöst ist jedoch der Tarifstreit mit der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL), der zweiten wichtigen Bahngewerkschaft. Sie hatte die Verhandlungen am Freitag erneut für gescheitert erklärt. Gewerkschaftschef Claus Weselsky begründete dies damit, dass die Bahn einen ausverhandelten Vertrag nicht unterschreiben wolle. Die GDL warf der Bahn deshalb Taktiererei vor.

Der Konzern strebt für beide Gewerkschaften die gleichen Abschlüsse an. Das allerdings könnte nun schwer werden. Die GDL hatte nach dem Scheitern Nachbesserungen der Bahn gefordert. Während die EVG das stationäre Personal vertritt, steht die GDL vor allem für das fahrende Personal. Um einige Bereiche - rund 36 000 der 160 000 DB-Mitarbeiter - liefern sich die Gewerkschaften einen Konkurrenzkampf: Lokführer, Zugbegleiter, Bordgastronomen oder Disponenten.

Streiks bei der Bahn sind nach der Einigung mit der EVG in diesem Jahr aber erst mal abgewendet. Die GDL darf zu einem Streik nach geltender Vereinbarung erst nach dem Ende einer Schlichtung aufrufen. Die ist aber noch nicht eingeleitet.

Bei der Bahn, die wegen hoher Schulden und wegen nötiger Investitionen wirtschaftlich schweren Zeiten entgegengeht, verschärft der Abschluss die Probleme. Man habe immerhin eine noch höhere Lohnerhöhung verhindert, hieß es aus dem Konzern. Die EVG hatte ebenso wie die GDL ursprünglich 7,5 Prozent mehr Lohn gefordert. Doch auch die gefundene Einigung belastet die Bahn nach Angaben aus Konzernkreisen mit rund 500 Millionen Euro zusätzlich. Bahn-Vorstand Martin Seiler formulierte es am Samstag so: "Der Abschluss ist ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung für unsere Belegschaft und ein großer Schritt in eine noch modernere Tarif- und Arbeitswelt."

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