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Bahn - Südermarsch:Schotteraustausch auf der Marschbahn: Ein Baustellenbesuch

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Mit Hilfe eines Gleisbauzuges wird das Schotterbett saniert und der Unterboden verbessert. Foto: Carsten Rehder/dpa (Foto: dpa)

Husum (dpa/lno) - Mit etwa 80 Metern pro Stunde bewegt sich "Katharina die Große" vorwärts. Unermüdlich hebt der mehrere hundert Meter lange Bauzug Schottersteine aus dem Gleisbett der Marschbahnstrecke zwischen Husum und Friedrichstadt. Aktuell wird auf einem etwa fünf Kilometer langen Teilstück das Schotterbett der wichtigen Bahnstrecke zwischen Hamburg und Westerland auf Sylt saniert.

"Wir müssen alle 30 bis 40 Jahre die Gleise erneuern", sagt Sönke Kreft von der DB Netz AG bei einer Baustellenbesichtigung am Dienstag. Die Sanierung des Schotterbetts mit dem etwa 700 Meter lagen Bauzug ist dabei der erste Arbeitsgang.

"Sie müssen sich das vorstellen, wie Zahnräder, die ineinandergreifen", erklärt Kreft. Die Schottersteine halten Schienen und Schwellen in Lage. Doch mit der Zeit werden die Steine rund und können ihre Funktion nicht mehr erfüllen. Es wird Zeit für "Katharina die Große". Auf dem Bauzug fällt der hochgehobene Schotter auf ein Förderband, wo er sortiert wird. Die meisten Steine - in der Regel etwa 60 bis 70 Prozent - werden durch das Aneinanderschleudern wieder scharfkantig. Sie wandern nach hinten und werden später an Ort und Stelle wieder verwendet.

Die anderen Steine wandern über das Förderband an den Anfang des Zuges, wo sie auf Waggons gekippt werden. Sie werden zunächst auf einen Abbunkerplatz nach Friedrichstadt gebracht. Je nach Belastung kommen sie später auf eine Sondermülldeponie oder werden im Straßenbau wiederverwendet, wie Kreft sagt.

Noch bis zum 27. April - unterbrochen von den Ostertagen - wird der Abschnitt zwischen Heide und Husum saniert. In den Sommermonaten ruhen die Arbeiten, im September geht es weiter. Insgesamt will die Deutsche Bahn in diesem Jahr auf der Strecke zwischen Hamburg und Westerland auf Sylt rund 52 Kilometer Gleise und mehrere Weichen erneuern. Die Investitionssumme beläuft sich auf 50,7 Millionen Euro. Allein bis zur Sommerpause werden rund 47,6 Kilometer Schienen und etwa 25 200 Tonnen Schotter ausgetauscht sowie gut 39 200 Schwellen erneuert.

Die Arbeiten sind Teil eines rund 160 Millionen Euro schweren Investitionsprogramms der Bahn für die Grundsanierung der Strecke bis 2022. Die Marschbahn wird auf ihrem letzten Teilstück vom Festland nach Sylt täglich von vielen tausend Pendlern genutzt. Für sie ist die Bahn die einzige Möglichkeit, zu ihrem Arbeitsplatz auf der Insel zu kommen. In den vergangenen Jahren gab es wegen defektem Zugmaterial und Personalmangel, aber auch wegen der schlechten Infrastruktur immer wieder Probleme auf der Strecke.

"Katharina die Große" arbeitet sich indes Stück für Stück voran. Beim Gang am Bauzug entlang sieht man, wie ein Stück Vlies verlegt wird, darauf kommt eine 30 bis 40 Zentimeter dicke Schicht aus Kies. Diese soll die Einwirkungen des Untergrunds auf die Gleise verringern, sagt Kreft. Anschließend kommt der Schotter wieder in sein Bett.

Später wird ein Umbauzug in einem weiteren Arbeitsgang die Schienen und Schwellen tauschen. "Und dann haben wir wieder 30 bis 40 Jahre lang Ruhe", sagt Kreft. Von regelmäßigen Instandhaltungsarbeiten einmal abgesehen.

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