Zugverkehr:GDL kündigt neuen Bahnstreik an

GDL Union Resumes Railway Strike

Wenn die GDL streikt, stehen viele Züge still.

(Foto: Sean Gallup/Getty Images)

Von Donnerstag bis Dienstag soll im Personenverkehr gestreikt werden. Der Wunsch nach längeren Streikzeiten sei aus der Belegschaft gekommen, sagt GDL-Chef Weselsky. Unbefristete Streiks soll es vorerst nicht geben.

Die Lokführergewerkschaft GDL will den Zugverkehr der Deutschen Bahn ab Mittwochnachmittag erneut lahmlegen. Im Personenverkehr soll der bereits dritte Streik in diesem Jahr am Donnerstag um 2 Uhr beginnen und am Dienstag um 2 Uhr enden und damit der bisher längste sein. Im Güterverkehr soll der Streik bereits an diesem Mittwoch beginnen. Das sagte GDL-Chef Claus Weselsky bei einer Pressekonferenz in Frankfurt. Unbefristete Streiks stünden nicht zur Debatte.

Außer weiteren Desinformationen habe man bislang nichts von der Bahn vorgelegt bekommen, so Weselsky. Aus diesem Grund müsse es weitere Arbeitskampfmaßnahmen geben. Die Lokführerinnen und Lokführer würden daher in den dritten Ausstand im Jahr 2021 treten. Bei der Bahn handele es sich um einen Arbeitgeber, der sich erdreistet, Steuergeld zu verbrennen, da er die GDL in einen neuen Arbeitskampf treibe. Damit werde dem Gewerkschaftschef zufolge ein "enormer Wasserkopf" finanziert. Es habe aus der Belegschaft den Wunsch gegeben, länger als bislang am Stück zu streiken. Diesem Wunsch komme man nun nach. "Das ist eine der längsten Arbeitskampfmaßnahmen, die wir durchführen, und zwar absichtlich", sagte Weselsky. Irgendwann begreife das Management, dass man "einen Krieg mit den eigenen Beschäftigten" nicht gewinnen könne.

Es liege nun am Vorstand der Bahn, ein verbessertes Angebot auf den Tisch zu legen, damit die GDL an den Verhandlungstisch zurückkehre. Bloße Wiederholungen des Bekannten reichten dafür nicht aus.

DB-Personalvorstand Martin Seiler nannte die erneuten Streiks "völlig überzogen". Diese sei "durch nichts" gerechtfertigt. Man habe zwei Angebote vorgelegt, doch darüber habe die GDL seit Mai nicht verhandeln wollen. Es liege an der Gewerkschaft, an den Verhandlungstisch zurückzukommen. Man liege lediglich bei der Laufzeit auseinander. Die Bahnkunden würden zu "Opfern von Machtinteressen" gemacht. Die Bahn stelle sich mit Ersatzfahrplänen auf die Streikmaßnahmen ein.

Die GDL hat zuletzt bereits zweimal gestreikt. Sie setzt sich für eine höhere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten ein. Dabei will die GDL auch im Konkurrenzkampf mit der zweiten Bahn-Gewerkschaft EVG punkten.

Der jüngste Streik war in der Nacht zum Mittwoch vergangener Woche zu Ende gegangen. Nach Zahlen der Bahn hatten sich insgesamt knapp 8500 Beschäftigte an dem Ausstand beteiligt. Die GDL sprach von mehr als 10 000 Streikenden während des gesamten Zeitraums des Arbeitskampfes. Der Notfahrplan habe in den Streiktagen stabil funktioniert, teilte die Bahn mit. Seit Montagmorgen seien etwa 30 Prozent der Fern- und 40 Prozent der Nahverkehrszüge gefahren.

Es ist bislang keine Annäherung zwischen Deutscher Bahn und GDL in Sicht. Zuletzt hatte Bahnchef Richard Lutz Weselsky vorgeworfen, mit Falschbehauptungen die Belegschaft zu spalten. Er machte deutlich, dass es zunächst kein neues Tarifangebot des Konzerns geben werde. Weselsky wiederum hatte angekündigt, ohne neues Angebot werde erneut gestreikt.

Die Bahn will zwar die Löhne und Gehälter wie von der GDL gefordert um 3,2 Prozent erhöhen. Umstritten ist jedoch, zu welchen Zeitpunkten die einzelnen Stufen greifen sollen und wie lange der neue Tarifvertrag gelten soll. Auch eine Corona-Prämie für dieses Jahr hat die Bahn angeboten, ohne sie jedoch zu beziffern. Die GDL fordert 600 Euro. Gerungen wird auch um die Betriebsrenten; hier haben sich beide Seiten noch nicht aufeinander zubewegt.

Mit dem nun angekündigten fünftägigen Streik im Personenverkehr überzieht die Lokführergewerkschaft aus Sicht des Fahrgastverbands Pro Bahn. "Es gibt gewisse Rechte im Grundgesetz, aber ich muss damit auch sehr behutsam umgehen", sagte der Ehrenvorsitzende des Vereins, Karl-Peter Naumann. "Das ist, glaube ich, nicht mehr der Fall." Mit der Streikwelle schade die GDL dem Ruf der Eisenbahn und der angestrebten Verkehrswende. "Ich kenne genügend Leute, die sagen: Wenn das so weitergeht, dann war's das mit Bahnfahren."

© SZ/dpa/Reuters/saul/jael/rroi/bix
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