BahngewerkschaftEVG fordert härtere Strafen bei Angriffen auf Zugpersonal – sonst drohen Streiks

Lesezeit: 1 Min.

Die Bahngewerkschaft EVG fordert mehr Sicherheit für Zugbegleiter (Symbolbild).
Die Bahngewerkschaft EVG fordert mehr Sicherheit für Zugbegleiter (Symbolbild).
Imago/Panama Pictures

Das versprochene Gesetz müsse noch in diesem Jahr in den Bundestag, sagt Gewerkschaftschef Burkert und macht deutlich: „Sonst legen wir im Januar den Betrieb lahm.“

SZ bei Google bevorzugen

Die Bahngewerkschaft EVG hat mit bundesweiten Streiks im Regionalverkehr von Januar an gedroht, sollte die Bundesregierung das Strafmaß bei Angriffen auf Zugbegleiter nicht bald verschärfen. „Das versprochene Gesetz für härtere Strafen bei Angriffen auf Zugpersonal muss noch in diesem Jahr in den Bundestag, sonst legen wir im Januar den Betrieb lahm“, sagte der Gewerkschaftschef Martin Burkert der Bild am Sonntag.

„Ein Zugbegleiter wurde vor einem halben Jahr im Dienst getötet, und seitens der Politik gab es betroffene Gesichter und große Worte, aber keine Taten. Die Regierung betreibt Arbeitsverweigerung, die Eisenbahner zahlen dafür mit ihrer Gesundheit oder gar ihrem Leben“, so Burkert. „Die Politiker haben Serkan vergessen. Wir nicht.“ Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums ist eine gesetzliche Regelung allerdings schon in Arbeit. Sie befinde sich gerade in der regierungsinternen Abstimmung, sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur dpa. Vorgesehen sei eine Anpassung des Strafgesetzbuchs. Ziel sei es, diese noch in diesem Jahr durch den Bundestag zu bringen.

Prozess in Zweibrücken
:Er wollte bloß Tickets kontrollieren, dann wird er totgeprügelt

Der Zugbegleiter Serkan Çalar starb, nachdem ein Fahrgast brutal auf ihn eingeschlagen hatte. Zum Prozessauftakt gegen Ioanni V. erscheint die Familie des Toten – sie hat Fotos von ihm dabei.

SZ PlusVon Kathrin Wiesel-Lancé

Anfang Februar war der Zugbegleiter Serkan Çalar in einem Regionalexpress von einem Fahrgast angegriffen und tödlich verletzt worden. Der Fahrgast wurde später wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hatte vor Kurzem erklärt: „Sicherheit im Zug ist kein Randthema. Sie ist eine Grundvoraussetzung für einen funktionierenden öffentlichen Verkehr.“ Bilger kündigte Gespräche in der Regierung darüber an, ob Angriffe auf Zugbegleiter künftig härter bestraft werden können – genauso wie Angriffe auf Rettungskräfte.

Und auch der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats bei DB Regio, Ralf Damde, sagte der Bild am Sonntag: „Es reicht! Statistisch gesehen werden jeden Tag acht Kollegen im Dienst angegriffen. Keiner weiß vor seiner Schicht, ob er wieder gesund nach Hause kommt. Wenn das Gesetz weiter Staub im Ministerium ansetzt, verweigern wir als Betriebsräte die Zustimmung zu den Dienstplänen. Der Politik-Stillstand wird dann zum Zug-Stillstand.“

© SZ/dpa/dta - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Deutsche Bahn
:„Ich kontrolliere keine Tickets mehr, ich will ja lebend nach Hause kommen“

Die meisten Zugbegleiter und Busfahrer haben schon mal einen Übergriff durch einen Fahrgast erlebt. Hier erzählen sie, wie es dazu kam, was es mit ihnen gemacht hat – und was sich ändern muss.

Von Vivien Timmler

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: