Deutsche Bahn:Bahn will die Tochterfirma Schenker verkaufen

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Deutsche Bahn: Ein Mitarbeiter von DB Schenker in einer Lagerhalle des Unternehmens.

Ein Mitarbeiter von DB Schenker in einer Lagerhalle des Unternehmens.

(Foto: Christoph Schmidt/dpa)

Die Logistik-Firma soll versilbert werden, um Milliarden für den Kampf gegen Verspätungen zu erlösen. Doch die Gewerkschaften warnen vor einem fatalen Fehler.

Von Markus Balser, Berlin

Es sind kaum vorstellbare Zahlen: 110 Millionen Sendungen verfrachtet der Logistikkonzern Schenker mit seiner gigantischen Lkw-Flotte jedes Jahr in Europa. Meist klebt auch das DB-Logo des größten deutschen Staatskonzerns mit auf den Lastwagen. Denn einer der weltweit größten Spediteure gehört zur Deutschen Bahn. Wohl nicht mehr lange. Denn nach Angaben aus Regierungskreisen ist der Verkauf der Tochter beschlossene Sache. Schon in den nächsten Wochen könnte der Bahn-Aufsichtsrat die Pläne absegnen.

Viele Ampelpolitiker forcieren den Schritt - allen voran Verkehrsminister Volker Wissing (FDP). Finanzinvestoren umwerben den Konzern schon seit Jahren. Insider schätzen dessen Wert auf zwölf bis 15 Milliarden Euro. Der Bund wolle mit den Einnahmen Investitionen des klammen und hoch verschuldeten Unternehmens in das marode Netz finanzieren, heißt es. Bis 2024 solle der Verkauf oder der Börsengang über die Bühne gehen. Der Bund wolle so auch die Konzentration der Bahn auf den Personen- und Güterverkehr in Deutschland vorantreiben.

Für die Bahn wäre der Verkauf jedoch wirtschaftlich ein harter Schlag. Der Konzern verlöre auf einen Schlag nicht nur ein Drittel seines Umsatzes und 77 000 Mitarbeiter. Los wäre er auch einen Großteil des Gewinns, der bislang die Stabilität des Konzerns garantiert. Das Bahnmanagement wehrte sich deshalb auch lange gegen einen Verkauf. Der Umgang mit der Lkw-Tochter steht auch für ein beispielloses Hin und Her in der Verkehrspolitik. Vor dreißig Jahren hatte die Bahn Schenker schon mal verkauft, dann aber für und 2,5 Milliarden Euro bei der Übernahme des Stinnes-Konzerns vor zwanzig Jahren zurückgekauft. Nun also die neuerliche Wende.

Scharfer Protest im Unternehmen

Auch der bisherige Aufsichtsratschef Michael Odenwald sah einen Verkauf skeptisch. Odenwald hat seinen Posten Ende Juli geräumt, das Vertrauensverhältnis zu Verkehrsminister Wissing galt als gestört. Nachfolger soll Regierungs- und Branchenkreisen zufolge der langjährige Finanzstaatssekretär Werner Gatzer werden, der dem Aufsichtsrat als Regierungsvertreter bereits angehört. Er könnte Ende September zum Chefkontrolleur gewählt werden.

Doch im Unternehmen regt sich scharfer Protest gegen die neue Strategie. Die größte Bahn-Gewerkschaft EVG, die auch im Aufsichtsrat großen Einfluss hat, übt massive Kritik an dem Vorhaben. "Um es klar und deutlich zu sagen: Die Entscheidung ist vollkommen falsch", sagt EVG-Chef und vorübergehende Aufsichtsratschef Klaus-Dieter Hommel der Süddeutschen Zeitung. "Damit stößt der Konzern den einzigen Bereich ab, der kontinuierlich Geld verdient." Hommel sieht darin einen "durch nichts zu rechtfertigender Griff in die Substanz dieses Unternehmens. Der Verkauf wäre unternehmensschädigend. Die Regierung vergreift sich hier am Tafelsilber."

Die Gewerkschaft will Widerstand leisten. "Wir werden dem im Aufsichtsrat nicht zustimmen", kündigt Hommel an. Auch Teile des Managements sehen den Verkauf als Fehler. Ungewöhnlich deutlich greifen Gewerkschaften nun auch Verkehrsminister Wissing an: "Der Beschluss zeigt die verkehrspolitische Unkenntnis der Bundesregierung", sagt Hommel. "Die Ampel-Verkehrspolitik ist ein Totalausfall."

Die Bahn verliere das letzte bedeutsame internationale Geschäft. Der Transport sei aber in Zeiten eines zusammenwachsenden Europas international. Er macht an Grenzen nicht halt. Schenker steht auch für den kombinierten Verkehr auf der Schiene und der Straße. Diesen zu organisieren, werde immer wichtiger, wenn man Güter auf die Schiene verlagern will, so Hommel. "Das ist für die Zukunft der Mobilität entscheidend."

Mit ihren Verkaufsplänen hatte die Bahn bislang wenig Erfolg. Der Versuch, die internationale Nahverkehrstochter Arriva zu verkaufen, hatte ähnliche Gründe. Das Projekt scheiterte jedoch bislang. Die erhofften Erlöse waren nicht zu erzielen.

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