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Bahn:Pünktlicher  dank Digitalisierung

Die Bahn rüstet zehn Stellwerke bis Ende 2021 für eine halbe Milliarde Euro um. Ausfälle der analogen Stellwerke sorgen häufig für Verspätungen im ganzen Netz. Auch soll die Digitalisierung aller Trassen schneller vorankommen.

Von Markus Balser, Berlin

Damit Züge pünktlicher fahren, wollen die Deutsche Bahn und die Bahnindustrie Stellwerke in Deutschland modernisieren. Bereits bis Ende 2021 sollen die ersten zehn Stellwerke digital umgerüstet sein, kündigte der bundeseigene Konzern am Mittwoch an. Ausfälle und Störungen von analogen Stellwerken, die häufig für Verspätungen im gesamten Netz sorgen, sollen so seltener werden. Der Bund stellt für den Umbau 500 Millionen Euro zur Verfügung. Das gesamte Netz der Bahn soll zudem früher als bislang geplant in den komplett digitalen Betrieb umgeschaltet werden. Statt im Jahr 2040 sollen Züge auf den gesamten 33 000 Netzkilometern der Bahn nun bereits 2035 digital und damit auch automatisch fahren können.

Am Mittwoch unterzeichneten der Konzern, der Verband der Bahnindustrie in Deutschland (VDB) sowie das Eisenbahn-Bundesamt eine Erklärung, in der sie sich auf das Vorhaben verständigten. "Wir vereinbaren, die Abläufe für Planung, Genehmigung, Finanzierung sowie für die Umrüstung der Technik im bestehenden Bahnnetz zu beschleunigen", sagte der Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn, Ronald Pofalla, bei der Unterzeichnung der Erklärung in Berlin.

Mit der Digitalisierung der Trassen will die Bahn ihr größtes Problem lösen: Engpässe im Schienennetz. Denn schon heute sind viele Trassen überlastet. Neue Strecken aber kann die Bahn kaum realisieren.

Der Konzern will mit der zunehmenden Automatisierung des Zugverkehrs die Züge in kürzeren Abständen fahren lassen. Je nach Strecke sollen so zehn bis 35 Prozent mehr Züge auf dem gleichen Netz unterwegs sein können. Nur so lässt sich das Ziel von Konzern und Bundesregierung erreichen, die Fahrgastzahlen bis 2030 zu verdoppeln.

Allerdings ist bislang nur die Übernahme eines Teils der Kosten klar geregelt. Insgesamt rund 32 Milliarden Euro soll die Digitalisierung des Bahnnetzes kosten. Der Bund stellt bis zum Jahr 2026 gut acht Milliarden Euro zur Verfügung. Über die weiteren Finanzierungsrunden müssen dann die nächsten Bundesregierungen entscheiden. Die Gesamtkosten der Umstellung fallen allerdings sogar noch größer aus. Denn neben den Trassen müssen auch Tausende Züge auf die neue Technik umgerüstet werden. Bislang verkehren lediglich ICEs auf wenigen Neubautrassen über digitale Technik.

© SZ vom 03.09.2020

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