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Mehrwertsteuersenkung:Langstrecken-Pendler müssen auf Preissenkung warten

Regionalzug

"Verkehrsverbünde müssen jetzt überall in Deutschland die Ticketsysteme umbauen", sagt Jörg Sandvoß, Vorstandschef von DB Regio. "Das ist sehr komplex, denn viele Gremien müssen ihre Zustimmung geben."

(Foto: dpa)
  • Dank einer Mehrwertsteuersenkung zu Jahresbeginn sind die Ticketpreise für Bahnstrecken ab 50 Kilometer günstiger geworden - formell zumindest.
  • Die DB Regio räumte jetzt allerdings Umstellungsprobleme bei den Tarifen ein.

Am 1. Januar ist die Mehrwertsteuersätze für Bahnfahrten ab 50 Kilometer zwar gesunken - trotzdem werden viele Pendler wohl noch Monate lang zu viel für ihre Tickets zahlen. Die DB Regio, Deutschlands größter Anbieter von Regionalverkehren wie S-Bahnen, räumte am Dienstag Umstellungsprobleme bei den Tarifen ein. Zwar profitieren die Passagiere des Bahn-Fernverkehrs schon seit Anfang des Jahres von den von 19 auf sieben Prozent gesunkenen Mehrwertsteuersätzen für Bahntickets, sie machen Fahrten rund zehn Prozent günstiger. Die Käufer von Nahverkehrstickets in Verkehrsverbünden, die ebenfalls mehr als 50 Kilometer fahren, profitieren aber noch nicht. Sie zahlen noch immer die höheren Preise - obwohl die Steuersenkung auch für sie gilt.

Die Bahn begründet das mit langwierigen Abstimmungsprozessen in Computersystemen. "Verkehrsverbünde müssen jetzt überall in Deutschland die Ticketsysteme umbauen", sagt Jörg Sandvoß, Vorstandschef von DB Regio. "Das ist sehr komplex, denn viele Gremien müssen ihre Zustimmung geben. Wir machen Druck, dass das schnell klappt." Doch auch die Regionaltochter der Bahn erwartet, dass die Preissenkung erst Mitte des Jahres erfolgt: "Wir gehen davon aus, dass bis zum Fahrplanwechsel am 14. Juni alle Systeme in Deutschland umgestellt sind."

Regionalzüge etwas pünktlicher

DB Regio betreibt im Auftrag so genannter Besteller, etwa von Verkehrsverbünden also, Regionalstrecken. Die Bahn-Tochter setzt die Preise damit nicht selbst. Das tun die jeweiligen Verbünde. Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte die zögerliche Umstellung bereits. Weil lediglich sieben Prozent abgeführt, aber 19 Prozent Steuer erhoben würden, hätten die Verkehrsverbünde in der Zwischenzeit zusätzliche Einnahmen. Die sollten dem Kundenangebot zugutekommen.

Den Angaben von DB Regio zufolge waren Regionalzüge in Deutschland vergangenes Jahr etwas pünktlicher. Der Anteil pünktlicher Züge stieg um 0,3 auf 94,3 Prozent. Im Fernverkehr kommen derzeit nur drei Viertel aller Züge rechtzeitig an. Insgesamt befördert die Bahn im Regionalverkehr täglich fast sieben Millionen Menschen, jährlich sind es 2,5 Milliarden Fahrgäste. Der Anteil der Bahn an den Regionalverkehren in Deutschland ist mit 64 Prozent auch 25 Jahre nach der Liberalisierung der Bahn hoch.

Wegen des Wachstums der großen Städte in Deutschland geht DB Regio davon aus, dass die Zahl der Fahrten in einigen Jahren um eine weitere Milliarde steigt. Helfen soll dabei ein automatisierter Betrieb von Zügen im dichteren Takt. Tests dafür laufen derzeit in Stuttgart und Hamburg an.

© SZ vom 22.01.2020/hgn
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