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Deutsche Bahn:Gewerkschaft fordert Gehaltsstopp für Bahn-Manager

Stadtansicht Berlin - Potsdamer Platz

Im Bahntower am Potsdamer Platz in Berlin sitzen viele Manager des Konzerns. Auch sie sollen nun auf Gehaltserhöhungen verzichten, fordern Gewerkschafter.

(Foto: Soeren Stache/dpa)

Nach den Mitarbeitern soll jetzt auch die Führung des Staatskonzerns zurückstecken. Die größte Bahngewerkschaft EVG setzt dem Vorstand eine Frist.

Von Markus Balser, Berlin

Wie schwer die kommenden Monate für die Bahn werden? Neue Zahlen machen das schon heute klar. Weil die Deutschen in der Corona-Krise weniger reisen, bleiben viele Fernzüge leer. Bei nur noch 35 Prozent liegt die Auslastung der ICEs und ICs des Staatskonzerns. Und es könnte noch schlimmer kommen: Sollten Kanzlerin und Ministerpräsidenten am Mittwoch schärfere Maßnahmen beschließen, würden wohl noch mal weniger Passagiere einsteigen.

Die Belegschaft der Bahn hat auf die Misere bereits mit Zugeständnissen reagiert. Im kommenden Jahr fällt für weite Teile der Mitarbeiter die erhoffte Gehaltserhöhung aus. Nach einem Tarifvertrag mit der größten Gewerkschaft EVG sollen die Gehälter auf Druck des Managements auch 2020 nur leicht steigen. Das Management blieb bislang außen vor. Nur Boni drohten wegen der schwachen Zahlen schlechter auszufallen.

Doch nun wächst der Druck auf die Bahn-Führungskräfte massiv, selbst ein Zeichen zu setzen. Die einflussreiche EVG fordert vom Bahn-Management einen strikten zweijährigen Gehälterstopp. "Wir fordern vom Bahnvorstand für die Jahre 2021 und 2022, auf jegliche Gehaltserhöhungen für Führungskräfte, Vorstände und leitende Angestellte zu verzichten", sagt der designierte EVG-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel der Süddeutschen Zeitung. Hommel ist derzeit EVG-Vizechef und soll im Dezember zum neuen Vorsitzenden gewählt werden.

Im Arbeitnehmerlager wächst schon länger der Unmut über die Bahn-Spitze. Denn schon seit einigen Monaten warten Gewerkschafter auf ein entsprechendes Signal des Managements. Die Mitarbeiter seien bereits in Vorleistung gegangen, sagt Hommel. "Jetzt muss das Management zeigen, dass es in der Krise ebenfalls zum Verzicht bereit ist. Wir fordern das schon seit dem Frühjahr. Nun wollen wir Taten sehen." Hommel setzt der Bahn-Spitze nun eine letzte Frist. "Bei der nächsten Aufsichtsratssitzung im Dezember wird das auf der Tagesordnung stehen. Eine Spaltung der Belegschaft können wir uns in dieser Krise wahrlich nicht leisten." Hommels Wort hat bei der Bahn Gewicht. Denn der 63-Jährige gehört nicht nur dem Aufsichtsrat an. Er ist auch dessen Vizechef.

Die EVG kündigt an, im Aufsichtsrat ein neues Vergütungssystem vorzuschlagen

Auch der Gehaltsverzicht soll allerdings nur der erste Schritt sein. Aus der Belegschaft werden Forderungen nach einer generellen Reform der Managerbezahlung bei der Bahn laut. Die EVG macht sich im Aufsichtsrat für das Aussetzen aller bestehen Leistungsbezugssysteme für Vorstände, Führungskräfte und leitende Angestellte stark. Das System müsse umgebaut werden, heißt es aus der EVG. Wichtig seien Verständlichkeit, einheitliche Regelung, Transparenz, Gleichbehandlung der Vorstände, von Führungskräften und leitenden Angestellten in der Bahn-AG und allen mit ihr verbundenen Unternehmen. Das bisherige System sei in Notlagen wie dieser nicht für schnelle Reaktionen geeignet. Die EVG kündigt an, im Aufsichtsrat ein neues Vergütungssystem vorzuschlagen.

Dass der Druck auf das Management wächst, hat auch wirtschaftliche Gründe. Denn längst wächst auch intern die Sorge, dass die Corona-Krise die Bahn noch härter treffen kann als gedacht. Die Krise drohe noch größer zu werden, warnt Hommel. "Wir laufen auf einen neuen möglichen Lockdown zu." Die EVG erwarte, "dass uns der Vorstand in der nächsten Aufsichtsratssitzung am 9. Dezember einen Plan vorlegt, wie er darauf reagiert. Denn wir müssen weitere massive wirtschaftliche Schäden befürchten."

Im August hatten sich die Deutschen Bahn und die EVG verständigt, eine Lohnerhöhung im kommenden Jahr ausfallen zu lassen und 2022 die Tarife nur um 1,5 Prozent anzuheben. Wegen der Corona-Krise hatten beide Seiten die Tarifverhandlungen vorgezogen. Der aktuelle Vertrag lief eigentlich bis Februar 2021. Die EVG vertritt fast 190 000 der rund 300 000 Bahn-Beschäftigten. Die Konkurrenzgewerkschaft GDL lehnt eine ähnliche Einigung bislang ab. Sie ist in ein Tarif-Schlichtung mit der Bahn gestartet.

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