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Bahn - Angermünde:Streckenausbau: In 90 Minuten von Berlin nach Stettin

Angermünde
Reisende steigen in einen Regionalexpress nach Angermünde. Foto: Jörg Carstensen/dpa (Foto: dpa)

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Angermünde (dpa/bb) - Bahnreisende sollen künftig 20 Minuten schneller von Berlin in die polnische Großstadt Stettin reisen können. Die Deutsche Bahn will mit dem fast eine halbe Milliarde Euro teuren Streckenausbau 2021 beginnen, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. 2026 soll die Strecke durchgehend zweigleisig und elektrifiziert sein. Bahnreisende sollen dann innerhalb von 90 Minuten von der deutschen Hauptstadt nach Stettin nahe der Ostsee reisen können. Der Bund stellt für das Projekt rund 380 Millionen Euro zur Verfügung, Berlin und Brandenburg steuern insgesamt 100 Millionen Euro bei.

"Das wird eine leistungsfähige, attraktive Verbindung, die beide Metropolregionen und auch die Kommunen und Menschen an der Strecke enger zusammenrückt", sagte der Infrastruktur-Vorstand der Deutschen Bahn, Ronald Pofalla. Am Donnerstag wurde das Projekt gemeinsam mit Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne), Brandenburgs Infrastrukturminister Guido Beermann (CDU) und der Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, Tamara Zieschang (CDU), in Angermünde (Uckermark) vorgestellt.

In einem ersten Schritt soll die Strecke von Angermünde bis Passow von 2021 bis 2025 ausgebaut werden. Auf dem rund 19 Kilometer langen Abschnitt in der Uckermark sollen nach Bahnangaben unter anderem die bereits vorhandenen Gleise für höhere Geschwindigkeiten erneuert werden - künftig sollen Züge die Strecke mit Tempo 160 befahren können und damit 40 Kilometer pro Stunde schneller als bisher. Auch Überholgleise soll es geben. Der zweite 30 Kilometer lange Abschnitt von Passow bis zur deutsch-polnischen Grenze soll von 2024 bis 2026 laufen. Ein zweites Gleis soll gebaut und fünf Bahnhöfe in der Uckermark modernisiert werden.

Während der Bauphase seien vorübergehende Einschränkungen im Bahnverkehr unvermeidbar, heißt es auf der Seite der Deutschen Bahn AG. Für den zweiten Bauabschnitt müsse die Strecke voraussichtlich voll gesperrt werden. Ein Ersatzverkehr mit Bussen sei vorgesehen.

Man schließe mit dem Projekt eine große Lücke im transeuropäischen Eisenbahnnetz, so Grünen-Politikerin Günther. Beermann sagte, mit dem Ausbau würden auch die Potenziale für die Uckermark gestärkt. "Außerdem setzen wir einen wichtigen Akzent für mehr Klimaschutz, denn mit dem Streckenausbau kann mehr Personen- und Güterverkehr von der Straße auf die Schiene verlagert werden", so der CDU-Politiker.

Auch die IHK Ostbrandenburg begrüßte das Projekt. "Leistungsfähige Verkehrswege zwischen den Ländern stärken die europäische Wertegemeinschaft", so Hauptgeschäftsführer Gundolf Schülke. Deshalb müsse die Strecke zwischen Berlin und Gorzow, die sogenannte Ostbahn, genauso dringend wie dieses Projekt realisiert werden.

Direkte und schnelle Verbindungen fehlen oft im Bahnverkehr zwischen Deutschland und Polen. Nach der EU-Osterweiterung hatten die beiden Länder den Ausbau der grenzüberschreitenden Schienenverbindungen vereinbart. Ende 2018 ging die 55 Kilometer lange Verbindung zwischen Knappenrode bei Hoyerswerda in Sachsen und der polnischen Grenze bei Horka in Betrieb. Der zweigleisige, elektrifizierte Ausbau hatte Bund, EU und Sachsen mehr als 500 Millionen Euro gekostet.

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