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Bafin:Mann zweier Welten

Mark Branson

Hat sich den Fragen des Bundesfinanzausschusses gestellt: der künftige Bafin-Chef Mark Branson.

(Foto: Peter Klaunzer/Keystone/dpa)

Mark Branson hat bei der UBS gearbeitet und die Schweizer Finanzaufsicht geführt. Als künftiger Bafin-Chef möchte er die Finanzkriminalität besser bekämpfen.

Von Markus Zydra, Frankfurt

Die Erwartungen an Mark Branson sind riesig. Der designierte Chef der deutschen Finanzaufsicht Bafin soll seiner 2700 Frauen und Männer starken Truppe "mehr Biss" verpassen, so die Forderung von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD). Doch wie reformiert man eine Behörde, die im Fall Wirecard und bei anderen Gelegenheiten eher einen verschlafenen Eindruck hinterlassen hat? Branson, der sich am Mittwoch den Fragen des Bundestagsfinanzausschusses stellte, macht sich keine Illusionen. "Ich kenne keine Organisation mit über 50 Leuten, wo es keine Silos gibt, in denen wichtige Informationen stecken bleiben und nicht nach oben weitergegeben werden", sagte der studierte Mathematiker und Betriebswirt. Eine neue, "proaktive" Kultur zu etablieren, brauche Zeit. Und sie müsse von oben vorgelebt werden: Branson sagte, er werde intern und extern nach guten Führungskräften suchen. "Auch in der Bafin gibt es sicher tolle und großartige Leute."

Branson, der mit britisch-schweizerdeutschem Akzent spricht, folgt dem glücklosen Felix Hufeld, der in der Wirecard-Affäre eine denkbar schlechte Figur abgegeben hatte. In Zürich leitete Branson sechs Jahre lang die Schweizer Finanzaufsichtsbehörde Finma. Branson kennt beide Welten, die Welt der Großbanken und die der Aufseher. Er findet es wichtig, dass Kontrolleure diese Erfahrungen in der privaten Finanzwirtschaft machen, erzählte er den Mitgliedern des Finanzausschusses. Und in der Tat: Wie sonst lernt man seine Pappenheimer und deren Kniffe besser kennen als durch eigene Anschauung? Bafin-Chef in spe Branson möchte künftig, wie er sagte, die Finanzkriminalität und Geldwäsche besser bekämpfen.

Branson hat vor seiner Finma-Zeit in leitenden Positionen bei der Schweizer Großbank UBS gearbeitet. Im Internet findet man bis heute die Aufzeichnung einer Sitzung des Untersuchungsausschusses im US-Senat, mit ihm als Zeugen. Es war der 4. September 2009, die UBS musste sich rechtfertigen, weil sie US-Bürgern viele Jahre lang Steuerschlupflöcher geboten hatte. Branson, damals Finanzvorstand der UBS, stand sichtlich unter Stress angesichts der drängenden und insistierenden Fragen des Ausschussvorsitzenden. Die UBS assistierte damals durch das Führen entsprechender Konten auch deutschen Steuerhinterziehern. Das Landgericht Bochum verhängte 2014 in dieser Causa eine Strafe von 300 Millionen Euro.

Branson verließ die UBS 2010 und begann seine Karriere bei der Schweizer Finanzaufsicht, deren Chefposten er 2014 übernahm. Je nachdem, wen man fragt, changiert das Urteil über sein Wirken. Den einen war er ein strenger Aufseher, den anderen weniger. Branson sei "sicher nicht jemand, der sich einen Namen als großer Aufräumer und Organisator gemacht hatte", kritisiert Rudolf Elmer, jener Whistleblower, der einst die Offshore-Geschäfte der Schweizer Privatbank Julius Bär offenlegte. Auch in der Schweiz gab es immer wieder Finanzskandale. So droht der Credit Suisse durch die Geschäfte mit dem Hedgefonds Archegos ein Milliardenverlust. Wo waren da strenge Aufseher der Finma, die rechtzeitig eingegriffen haben?

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