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Axel Springer:Rückzug nach 35 Jahren

Axel Springer und Friede Springer

Der Verleger Axel Cäsar Springer und Ehefrau Friede an seinem 70. Geburtstag im Jahr 1982. Sie kam als Kinderpflegerin in den Verlag und lernte ihn dort kennen.

(Foto: Werner Baum/dpa)

Das Medienunternehmen Axel Springer verlässt die Börse - vorerst zumindest.

Für Anleger war die Aktie durchaus ein Geschäft: Anfang 2009 etwa, als gerade die große Finanzkrise die Wirtschaftswelt erschütterte, notierte das Papier des Berliner Medienunternehmens Axel Springer bei unter 15 Euro, heute liegt es bei fast 63 Euro, das ist immerhin eine gute Vervierfachung. Jetzt will sich Springer von der Börse verabschieden. Dafür werde ein Antrag bei der Frankfurter Wertpapierbörse gestellt, teilte das Unternehmen gerade mit. Der amerikanische Finanzinvestor KKR, der bereits knapp 45 Prozent der Anteile kontrolliert, werde nun den Aktionären 63 Euro pro Aktie anbieten, damit sie ihre Aktien noch vor dem Rückzug von der Börse verkaufen könnten. Tun sie das nicht, sind sie künftig an einer nicht-börennotierten Firma beteiligt.

Der Börsenrückzug ist so etwas wie das Ende einer Ära. Zum einen war Springer, unter anderem Verleger der Tageszeitungen Bild und Welt, einer der wenigen klassischen Medienunternehmen in Deutschland, die an der Börse notiert sind (Konkurrenten wie Burda, Bertelsmann, Funke, Bauer sind alle in Privatbesitz). Zum anderen geht damit auch eine 35 Jahre währende Börsengeschichte zu Ende. Bereits im Jahr 1985 hatte der Verleger Axel Cäsar Springer das Unternehmen an den Aktienmarkt gebracht, er hatte mit den Schritt lange gezögert. Die Entscheidung fiel im Juni 1985 auf der griechischen Insel Patmos, wo Springer ein Haus hatte. Mit dem Hubschrauber waren der damalige Chef der Deutschen Bank, Friedrich Wilhelm Christians, und der Journalist Ernst Cramer, ein Vertrauter des Verlegers, aus Athen in die Ägäis gereist. Axel Cäsar Springer, der wenige Monate später mit 73 Jahren starb, empfing auf der Terrasse, war bereits schwer krank und konnte die Verhandlungen nur noch im Liegen führen, wie in seiner Biografie nachzulesen ist. Als die Besucher wieder abreisten, war die Sache klar. Die Deutsche Bank sollte das Berliner Verlagshaus möglichst bald an die Börse bringen. 49 Prozent der Aktien wurden angeboten, zehn Prozent davon gingen an den Münchner Filmhändler Leo Kirch.

Es folgte ein langes Auf und Ab und Streitereien mit Leo Kirch. Verlagserbin Friede Springer aber kontrollierte mit den Kindern Springers immer mehr als 50 Prozent. Im vergangenen Jahr dann stieg KKR ein. Friede Springer und Vorstandschef Mathias Döpfner haben gemeinsam noch 45,4 Prozent der Aktien, zwei Springer-Enkel zusammen sechs Prozent. Die Partner wollen das Geschäft weiter entwickeln, ungestört von den meist kurzfristigen Erwartungen der Börse. "Wir können unsere Wachstumsstrategie umsetzen mit einem Partner, der nicht an das nächste Quartalsergebnis denkt", sagte Döpfner dazu. Doch er schließt auch eine Rückkehr an die Börse nicht aus - in einigen Jahren.

© SZ vom 25.01.2020
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