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Axa:Mit der Bank zum Kunden

Wenn Banken und Versicherer kooperieren, geht es fast immer um die Lebensversicherung. Mit einem neuen Angebot will sich der Versicherer Axa zu Nutze machen, dass Bankkunden oft auf ihr Konto sehen.

Von Herbert Fromme, Köln

Banken und Versicherer haben ein Problem: Bei ihrer Zusammenarbeit geht es fast immer nur um eine Sparte. "Wenn Banken sich mit Versicherungen befassen, dann meistens mit der Lebensversicherung", sagt Axa-Deutschlandchef Alexander Vollert. Der Abschluss einer Hausrat- oder Haftpflichtpolice über eine Bank sei in den meisten Fällen "so holprig, dass es keinen Spaß macht".

Das wollen zwei der größten europäischen Anbieter im Finanzsektor ändern. Die Axa hat sich 2018 mit der Bank ING zusammengetan. Jetzt ist die Integration der Angebote fertig und wird für 9,5 Millionen ING-Kunden freigeschaltet.

"Wir haben eine tief integrierte Lösung", sagt Vollert. Wer als ING-Kunde eine Versicherung in seiner App oder über die Webseite abschließen will, soll es sehr viel einfacher haben als bei anderen Online-Anbietern. "Wir haben 80 Prozent weniger Fragen als im Direktkanal." Beispiel Hausrat und Haftpflicht: "Wer bei einem typischen Direktversicherer abschließt, muss über 40 Fragen beantworten", sagt Volker Büttner, der den Bereich namens Digital Bancassurance bei der Axa leitet. "Bei uns sind es acht."

Die Bank befüllt den Fragebogen automatisch mit den Daten, die sie ohnehin hat, vom Wohnort bis zu den Kontodaten. "Das ist unabhängig davon, ob der Kunde die Police über die Webseite oder die App abschließen will."

Angebotsrechnung, Information und Schadenmeldung: Alles soll über die ING laufen. Entsprechend gut sei das Preis-Leistungsverhältnis, behauptet zumindest Vollert. "Darüber hinaus geben wir die Möglichkeit, täglich zu kündigen."

Die Baufinanzierung und die Versicherung von Kreditausfall können ING-Kunden schon seit einigen Monaten über die Seite abschließen. Axa und ING bieten Versicherungen in den Bereichen Hausrat, Haftpflicht, Wohngebäude und Glas. Bald soll eine Cyberdeckung für Privatleute hinzukommen.

Die Unterlagen liegen in der ING-App, ebenso eine Liste der Policen und mögliche Schadenmeldungen. "Wenn der Kunde wegen eines Umzugs seine Versicherung anpasst, bekommt er die neue Police in sein digitales ING-Postfach", sagt Büttner.

Über die Zusammenarbeit will die Axa eines der größten Probleme der Digitalisierung für die Versicherer überwinden: Die Kunden nutzen die vielen Plattformen, Apps und Webseiten nicht, die Versicherer ihnen anbieten. Kein Mensch geht auf seine Versicherungsplattform. Die einzige Ausnahme ist die private Krankenversicherung, bei der Kunden ihre Rezepte und Arztrechnungen über eine Plattform einreichen. Da herrscht Verkehr.

Ansonsten sind die Möglichkeiten der Versicherer, überhaupt in Kontakt mit ihren Kunden zu kommen, sehr beschränkt. Bei den Banken ist das anders: Fast alle Kunden gehen wöchentlich oder sogar täglich auf die Seiten der Geldinstitute. Das will die Axa nutzen, sie will huckepack über die Bank zum Kunden.

Manche Kooperationen funktionieren über Maklermodelle, bei denen die Bank als Versicherungsmakler auftritt und an viele Versicherer vermittelt. Axa und ING haben sich für eine hohe Integration ihrer Systeme entschieden. Die Bank agiert rechtlich gesehen als Versicherungsvertreter der Axa. "Die nahtlose Kundenerfahrung ist für viele Kunden wichtiger als die große Vielfalt", glaubt Vollert. Die Autoversicherung und Krankenzusatzpolicen sollen bald folgen.

Im nächsten Schritt wollen die beiden Seiten die Daten, die sie über die Kunden haben, noch intensiver nutzen. Mit ihrem Einverständnis können Zahlungen analysiert werden. Das Ergebnis könnte ein Angebot für eine günstigere Versicherung sein, wenn ein Rivale eine Prämie abgebucht hat. Oder der Vorschlag für den Gebäudeschutz, wenn ein Haus- oder Wohnungskauf absehbar ist.

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