Autovermieter Sixt verdient gut

Lange Schlangen an den Schaltern – der Autoverleiher Sixt will das Vermieten mit der neuen App unkomplizierter machen.

(Foto: Christian Charisius/dpa)

Der Autovermieter wettert gegen die Behörden - das Geschäft läuft weiterhin glänzend.

Von Dieter Sürig

Wenn Autovermieter Erich Sixt zur Quartalsbilanz lädt, dann sind die Zahlen meist Nebensache. Der 74-Jährige hat auch am Donnerstag für die ersten drei Monate des Jahres "gewohnt" gute Zahlen verkündet, wie er gerne kokettiert. Nach der üblichen Tour d'Horizon über sein Unternehmen nutzt er dann ebenso gerne die Gelegenheit, um über die Volten der Bürokratie zu schimpfen, die sein Unternehmen mal wieder Millionen gekostet haben. Ob es Rundfunkgebühren sind, die er für jedes Fahrzeug zahlen muss ("nicht nachvollziehbar") oder nun neue Regelungen der Bilanzrichtlinien IFRS ("verrückt").

Verkürzt gesagt, geht es im IFRS-Standard 16 darum, dass Leasingverträge seit Jahresbeginn in der Bilanz anders bewertet werden müssen als früher. Das bedeutet für Sixt, Tausende Verträge analysieren zu müssen, was Kosten "im mittleren einstelligen Millionenbereich" verursache. Diesmal wetterte Sixt also über die "Kleingeister in London". Damit meinte er das Gremium IASB, das für diese Regelung verantwortlich ist. "Theoretiker, die von der Realität keine Ahnung haben", so Sixt. Eine "weitere Bilanz-Unklarheit" sei die Folge.

Umso deutlicher machte Sixt klar, dass sein Unternehmen seine Marktposition auch nach dem Rekordjahr 2018 weiter ausbauen will. Der Inlandsumsatz stieg im ersten Quartal um 9,4 Prozent, die Gesamtbranche sei dagegen nur um ein Prozent gewachsen, so Sixt. Im Ausland habe man sogar um 26 Prozent zugelegt. Beim Gesamtumsatz verzeichnet Sixt ein Plus von 14,2 Prozent (620 Millionen Euro), beim Konzernergebnis vor Steuern (EBT) mit 47,1 Millionen Euro ein leichtes Minus. Im Vorjahr (244,2 Millionen Euro) war allerdings auch der Verkauf der Drive-Now-Anteile an BMW enthalten.

Zum Umsatz hat auch die neue App Sixt One beigetragen, die das Unternehmen Ende Februar gestartet hat, um Autovermietung, Carsharing und Taxivermittlung zu kombinieren. Sixt Share gibt es bereits in Berlin und Hamburg, Ende Mai auch in München. In den USA laufen erste Tests, 2020 sollen auch dort erste Stationen Carsharing bieten. Auch sonst ist Sixt mit der Entwicklung in den USA zufrieden. Besonders stolz ist er über eine neue Station im Terminal von Orlando/Florida. Das potenzielle Vermietvolumen an dem Flughafen liege bei 900 Millionen Dollar - "das sind Österreich und die Schweiz zusammen".

Sixt bleibt bei seinem Ausblick: ein deutlich steigender operativer Konzernumsatz und ein stabiles Konzernergebnis - abzüglich der Drive-Now-Erlöse. Die Aktie sank trotzdem um 1,2 Prozent. Sixt hält übrigens daran fest, dass die Nachfrage nach E-Autos "nicht da" sei. Dafür vermiete er noch 40 Prozent Dieselfahrzeuge. Diese seien günstiger und produzierten weniger CO₂ als Benziner, sagte er.