Autoverkehr So machen es die anderen

Singapur ist Vorreiter bei der Citymaut, und auch Mailand geht energisch gegen Staus in der Stadt vor. Ein Überblick.

Nicht nur in London wird für Pkw-Fahrer eine Maut fällig. Auch in anderen Ländern gibt es Städte, in denen Autofahrer Eintritt zahlen müssen. Ein Überblick.

Singapur

Singapur war 1975 die erste Stadt der Welt, die eine Citymaut einführte. Der kleine asiatische Staat ist nur etwa so groß wie Hamburg, hat aber dreimal so viele Einwohner. Dazu kommen jedes Jahr noch elf Millionen Touristen. Dass es dennoch nicht täglich zu einem Autokollaps kommt, liegt vor allem an einer rigorosen Transportpolitik, mit der die Stadtoberen schon vor mehr als 40 Jahren begonnen haben, den Verkehr einzuschränken und zu steuern. Wer in Singapur ein Auto kaufen will, muss bereit sein, für diesen Luxus viel Geld auszugeben. Schon die Zulassungen können so viel kosten wie der Pkw selbst. Fahrer eines Privatwagens können sie ohnehin nur dann erwerben, wenn das nötige Zertifikat durch Verschrottung eines alten Autos wieder auf den Markt kommt. Dazu kommen Steuern beim Kauf und natürlich der Listenpreis des Wagens. Wer dann noch in die Innenstadt von Singapur fahren möchte, muss dafür gleich noch einmal bezahlen. Die Preise dafür variieren je nach Strecke, Tageszeit und vor allem Verkehrsaufkommen. Wer in der Rushhour in die Innenstadt möchte, zahlt schnell das Doppelte oder Dreifache der Mautgebühr außerhalb der Stoßzeiten. Abgerechnet wurde früher mit einem einfachen Aufkleber an der Windschutzscheibe. Heute gibt es stattdessen einen Funksensor, der automatisch die Gebühren abrechnet. Bald soll dieses System durch GPS-Sender ersetzt werden, die dann sogar auf den Meter genau abrechnen können.

Schweden

In Stockholm gibt es die Maut seit 2006. Sie gilt als Erfolg. Die anfängliche Ablehnung durch die Mehrheit der Bürger legte sich sehr schnell. Nach Ende des sechsmonatigen Probelaufs stimmte die Mehrheit in einem Referendum für die Einführung der Maut im Jahr 2007. Die Maut hatte die Zahl der Autos im Probelauf um 20 bis 25 Prozent gesenkt, ein Teil der Fahrer war auf öffentliche Verkehrsmittel umgestiegen, andere hatten Fahrgemeinschaften gebildet. 2016 wurde die Maut zum ersten Mal erhöht, seither zahlt man zur Rushhour zwischen halb Acht und halb Neun für jede Fahrt in die Innenstadt 35 Kronen (3,50 Euro), am Tag jedoch nie mehr als insgesamt 105 Kronen. Kameras zeichnen die Nummernschilder automatisch auf, man bekommt am Monatsende eine Rechnung zugestellt. Seit 2015 zahlen auch ausländische Autos. Kostenlos ist es zwischen halb Sieben Uhr abends und halb Sieben Uhr morgens, am Wochenende und im Ferienmonat Juli. Von der Maut ausgenommen sind Busse, Rettungsfahrzeuge, die Autos von Personen mit Behindertenausweis sowie Fahrzeuge, die mit Batterie oder Gas betrieben werden, aber nur, wenn sie vor Ende 2012 zugelassen wurden. Neuere E-Autos müssen bezahlen.

Italien

Die Mailänder entschieden sich vor sieben Jahren per Volksentscheid für die Einführung einer City-Maut. Seither kommen nur noch saubere E-Autos gratis in das acht Quadratkilometer große Zentrum. Alle anderen benötigen ein Tagesticket für 5 Euro, um in die sogenannte Area C rund um den Mailänder Dom und die Scala zu gelangen. Anwohnern werden zum Jahresbeginn 40 Fahrten kostenlos auf ihre Karten geladen, danach zahlen sie zwei Euro pro Tag. Alte Dieselautos bis zur Abgasnorm Euro 4 dürfen seit 2012 überhaupt nicht mehr in die Innenstadt. 43 Kameras überwachen die Zufahrten.

Das Resultat: Der Verkehr in der Mailänder Innenstadt nahm um 30 Prozent ab, die Nutzung der Sharing-Angebote sowie die Anschaffung von E- und Hybridautos stiegen an. "Unser Ziel ist eine Reduzierung der Zahl der Privatfahrzeuge", sagte Bürgermeister Beppe Sala kürzlich. Und da sind die Mailänder auf dem richtigen Weg. Kamen 1993 noch 65 Autos auf 100 Einwohner, so fiel die Zahl inzwischen auf 51. Sala setzt auf das Angebot von attraktiven Alternativen. Der Erfolg spornt zum Ansteuern neuer Ziele an. Mailand nahm sich vor, bis 2025 Italiens erste Diesel-freie Stadt zu werden. Im Februar wurde ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge der Abgasnormen Euro 0, 1, 2 und 3 eingeführt. Es gilt wochentags von 7.30 Uhr bis 19.30 Uhr praktisch im gesamten Stadtgebiet und betrifft 97 Prozent der Einwohner.Auch die neueren Diesel der Norm 4 und 5 werden folgen.