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Autonomes Fahren:Digitale Kolonne

Projekt zur digitalen Lkw-Kolonne

Lkw-Fahrer mit digitaler Brille. Tests für das Fahren im Konvoi laufen schon. Beim sogenannten Platooning heften sich in kürzeren Abständen Lkw an das erste Fahrzeug. Es gibt Richtung und Tempo für den Konvoi vor.

(Foto: Soeren Stache/dpa)

Kann ein Lkw automatisch dem Laster vor sich folgen? Das wurde getestet - mit gemischten Ergebnissen.

Sie trugen Mützen, gespickt mit Sensoren, und digitale Brillen: Die Testpiloten des Projekts fuhren in den vergangenen Monaten 35 000 Kilometer über die A9 in Bayern und wurden dabei streng überwacht. Forscher wollten erfahren, wie Lkw-Fahrer auf eine Arbeitsweise reagieren, die in einigen Jahren Realität werden könnte: das Fahren auf der rechten Autobahnspur im digitalen Konvoi. An den ersten Lkw heftete sich mit kurzem Abstand ein zweiter und folgte wie ferngesteuert. Denn Richtung und Tempo gibt bei dem so genannten Platooning allein das erste Fahrzeug an. Die Logistikunternehmen versprechen sich von solchen Fahrsystemen und vernetzten Lastwagen, dass der Transport günstiger wird. Heute fehlen den Unternehmen Fahrer. Zudem wären automatisierte Fahrzeuge nicht an Zwangspausen und Ruhezeiten gebunden, könnten also länger fahren und schneller ans Ziel kommen. Und auch der Treibstoffverbrauch soll sinken. Allerdings fiel der Vorteil bei den Tests überschaubar aus. Rund drei bis vier Prozent weniger Sprit verbrauchten Lkws unter den Testbedingungen, teilten der Logistikkonzern Schenker, eine Tochter der Deutschen Bahn, sowie der Lkw-Hersteller MAN und die Hochschule Fresenius bei einer Bilanz mit. Erhofft hatte man sich eine Einsparung von rund acht bis zehn Prozent. MAN-Chef Joachim Drees glaubt aber, dass im Praxisbetrieb höhere Spriteinsparungen möglich sind. Im Test habe es Auflagen gegeben, die den Verbrauch erhöht hätten.

Ende vergangenen Jahres hatte die Uni mit den Konzernen die Technik auf der Teststrecke in Bayern erprobt. Platooning gilt als einer der Entwicklungsschritte auf dem Weg zu selbstfahrenden Lastwagen. Den Konzernen zufolge erwies sich die Technik als einsatzbereit. Nur alle 2000 Kilometer habe der Fahrer eines folgenden Lastwagens in die automatische Technik eingreifen müssen. Als Problem erwiesen sich die kurzen Abstände zwischen den Lkws. Gefährliche Fahrsituationen meldeten die Testfahrer beim Einscheren von Pkws. Praxisreif in Serie gehen könnte das Platooning nach Einschätzung von Bahnvorstand Alexander Doll Mitte oder Ende des nächsten Jahrzehnts. Andere Konzerne bleiben skeptisch. Daimler zog sich kürzlich aus der Technik zurück. Der Konzern setzt auf automatische Fahrzeuge, die auch ohne Kolonne unterwegs sein können.