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Autonome Autos:Hoffen auf die Roboter

Key Speakers At The SMMT Connected 2017 Connected And Autonomous Vehicles (CAVs) Event

Dieses selbstfahrende Auto präsentierte Oxbotica bei der Konferenz in London. Die Firma hat ein Betriebssystem für Roboterfahrzeuge entwickelt.

(Foto: Chris Ratcliffe/Bloomberg)

Die britische Regierung fördert die Entwicklung selbstfahrender Autos. Doch Deutschland liegt bei dem Thema vorne - nicht zuletzt wegen neuer Gesetze.

Von Björn Finke, London

Draußen vor dem Konferenzzentrum parken drei futuristisch aussehende Autos in Londons seltener Märzsonne. An ihrer Karosserie sind Kameras montiert. Der Wagen in der Mitte, klein wie ein Smart, dreht sonst in einem Wissenschaftspark bei Oxford seine Runden. Der Fahrer greift bei diesen Tests nur in heiklen Situationen ein, meistens steuert der Bordcomputer das Auto von Oxbotica. Diese Firma ist eine Ausgründung der Universität Oxford; sie hat ein universell einsetzbares Betriebssystem für Roboterautos entwickelt.

Im Queen Elizabeth II Conference Centre, direkt gegenüber des Parlaments und des Blumenmeers zum Andenken an die Opfer des Terroranschlags, fand am Donnerstag eine Tagung über Roboterautos statt. Die britische Regierung erhofft sich viel von dieser Technik. Im Januar stellte Premierministerin Theresa May ihre neue industriepolitische Strategie vor. Und selbstfahrende Autos sowie Elektroautos gehören zu jenen Bereichen, welche die Politik besonders fördern will. Das Land solle hier im internationalen Wettbewerb ganz vorne mitspielen, verkündet London. Die Unternehmensberater von Roland Berger untersuchen regelmäßig, welcher Staat die besten Chancen hat, von dem erwarteten Boom bei Autos ohne Fahrer zu profitieren. Im jüngsten Ranking der Münchner teilen sich Deutschland und die USA den Spitzenplatz, unter anderem wegen der jeweiligen Stärke der Autoindustrie. Und die Deutschen gehen bei der entsprechenden Gesetzgebung voran: Am Donnerstag hat der Bundestag mit den Stimmen der Großen Koalition ein Roboterauto-Gesetz verabschiedet, das vor allem Haftungsfragen regeln soll. Sofern der Bundesrat zustimmt, dürfen Autonutzer künftig etwa ausdrücklich im Internet surfen, während der Computer pilotiert. Großbritannien wiederum landet in der Beraterstudie hinter Schweden und vor Japan auf Rang vier. Das ist nicht schlecht für ein Land, dessen Autobranche erst seit Kurzem wieder prosperiert, nach einem langen und schmerzhaften Niedergang.

Doch Wirtschaftsminister Greg Clark hat ehrgeizigere Ziele. Bei diesem Zukunftsmarkt solle das Königreich führend sein, sagte er auf der Konferenz. Schon früher hatte die Regierung versprochen, 100 Millionen Pfund in Teststrecken für Roboterautos zu investieren. Clark sagte, das Geld werde dazu beitragen, "ein Exzellenzcluster" zwischen London, Oxford und Birmingham zu schaffen. Das heißt: Diese englische Region mit ihren vielen Forschungsinstituten und Autowerken soll der Technik zum Durchbruch verhelfen.

Als der Autoindustrie-Verband SMMT das Datum für die Konferenz wählte, war nicht klar, dass May einen Tag vorher den EU-Austritt beantragen wird. Die Branche ist besorgt. Einigen sich London und Brüssel nicht auf ein Freihandelsabkommen, fallen auf Autos Zölle von zehn Prozent an. Zollkontrollen in Häfen würden zudem den steten Nachschub von Zulieferteilen gefährden. Diese sehr konkreten Risiken überschatten jede blumige Diskussion über die Chancen von Zukunftstechnik. SMMT-Chef Mike Hawes griff das leidige Thema darum direkt zum Start auf: Dass es einen Handelsvertrag mit der EU gebe, dem größten Exportmarkt und Heimat vieler Investoren, sei "natürlich wichtig".

Die Unsicherheit könnte auch Investitionen in Elektroautos kosten - also ausgerechnet in eines jener Produkte, die London fördern will. BMW etwa muss sich in diesem Jahr entscheiden, in welcher Fabrik die Strom-Version des Mini gebaut wird. Und das Stammwerk der Marke in Oxford gilt wegen der Ungewissheit über die Exportbedingungen nicht mehr als gesetzt.

© SZ vom 31.03.2017
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