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Automobilindustrie:Notstopp fürs Fließband

So schlechte Zahlen verzeichnete das Ifo-Institut in der Automobilbranche seit Anfang der neunziger Jahre nicht mehr. "Hier wirken jetzt zwei Umstände zusammen", sagt Volkswirt Abberger. "Zum einen der zurückgehende Auslandsabsatz sowohl in den USA, aber auch in vielen europäischen Ländern, in denen die Auswirkungen der Banken- und Immobilienkrise deutlich zu spüren sind. Und zum anderen die anhaltenden Diskussionen um das Thema Energie."

US-Hilfspaket

Was man mit 700 Milliarden Dollar finanzieren könnte

Rettungspaket für amerikanische Autohersteller

Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch der Verband der Automobilindustrie (VDA): Bereits im August und damit noch vor der Zuspitzung der Finanzkrise lag der Pkw-Absatz 16 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Dies sei auf die "sich weiter abschwächende Konjunktur" sowie deutlich gestiegene Verbraucherpreise zurückzuführen.

Insbesondere die Autoverkäufer in den stark von der Krise gebeutelten Ländern Großbritannien (minus 19 Prozent), Italien (minus 26 Prozent) und Spanien (minus 41 Prozent) registrierten starke Rückgänge.

In den USA will die Regierung nach der Finanzbranche nun auch den strauchelnden Autoherstellern unter die Arme greifen. Am Mittwoch stimmte das US-Repräsentantenhaus einem Entwurf zu, der zinsgünstige Kredite von 25 Milliarden Dollar für die Hersteller vorsieht.

Der größte Lastwagenproduzent Daimler wertet das Hilfspaket als einen Hinweis dafür, wie schlecht es der amerikanischen Autobranche geht. "Das ist ein Zeichen, dass die US-Hersteller nicht weiterkönnen", sagte der Chef der Daimler-Nutzfahrzeugsparte, Andreas Renschler.

"Verzerrung im internationalen Wettbewerb"

Deutsche Hersteller kritisieren die Finanzspritze: "Das bringt eine Verzerrung im internationalen Wettbewerb", sagte VDA-Chef Matthias Wissmann. Der Autoteilehersteller Bosch begrüßte hingegen das Vorhaben der US-Regierung: Nach der Hunderte Milliarden Dollar teuren Rettung des Finanzsystems sehe sich der amerikanische Staat nun in der Pflicht, auch für die darbende Autobranche einzuspringen, was nun den - auch für Bosch wichtigen - US-Markt stabilisieren könnte, erläuterte Bosch-Chef Franz Fehrenbach weiter.

Wie lange dieser Optimismus währt, ist allerdings fraglich. Denn auch wenn die Branche sich mit den Krediten etwas erholen sollte, so brauchen die Autohersteller weltweit vor allem zahlungsfreudige Käufer. Und diese haben zurzeit häufig wohl eher das Bedürfnis nach finanzieller Sicherheit, als nach einem neuen Auto.