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Automobilindustrie:Dieselskandal? BMW will lieber über die Zukunft reden

Konzernchef Krüger lächelt vor einem Elektroauto und präsentiert Rekordzahlen. Doch die Razzia vom Vortag wirft Fragen auf.

Von Max Hägler und Jan Schmidbauer

Breite Front, schmale Scheinwerfer - und ohne Kühlergrill. Das Auto, das BMW an diesem Vormittag auf die Bühne gestellt hat, ist ein Konzeptfahrzeug, ein Elektroflitzer namens i4. Aber eigentlich ist dieses Auto mehr als das. Es soll ein Symbol sein für die verheißungsvolle Zukunft des Münchner Autoherstellers. "This is tomorrow. Now" haben sie an die Wand hinter dem Auto geschrieben. Die Zukunft gibt's bei BMW also schon heute. So sehen sie das hier beim Autokonzern, der am Mittwoch seine Bilanz für das vergangene Jahr präsentiert.

Konzernchef Harald Krüger lächelt, als er vor dem Auto posiert. Der 52-Jährige gibt sich selbstbewusst. Er will gleich etwas Grundsätzliches klarstellen: "Ich möchte Ihnen zu Beginn aufzeigen, wie ich die Situation der BMW Group sehe." Seit 26 Jahren sei er nun im Unternehmen. Und stets habe der Konzern sein Geschäft erfolgreich weiterentwickelt.

Blickt man allein auf die Zahlen, läuft es in der Tat gut für BMW. Sehr gut sogar. Der Konzern hat mehr Autos ausgeliefert als im Vorjahr (plus vier Prozent), mehr Umsatz gemacht (plus fünf Prozent) und 10,7 Milliarden Euro Gewinn erzielt (plus zehn Prozent). Es sind vor allem diese Dinge, über die BMW-Chef Krüger auf der Bühne spricht. Der Umsatz soll 2018 noch mal leicht steigen, kündigt er an. Sein Konzern strebe "das neunte Rekordjahr in Folge" an.

Doch während der BMW-Chef über Erfolge und Zukunftsaussichten spricht, bestimmen auch die Neuigkeiten vom Vortag das Geschehen. 100 Ermittler waren am Dienstag im Einsatz, sie durchsuchten Büroräume in der BMW-Konzernzentrale und an anderen Standorten, beschlagnahmten mögliche Beweismittel. Die Abgasaffäre hat nun auch den Münchner Konzern erreicht. Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt eröffnet. Es geht um mögliche Abgasmanipulationen an rund 11 400 Dieselautos.

BMW weist Manipulationsvorwürfe bislang zurück. "Ich möchte noch einmal betonen: Die Fahrzeuge der BMW-Group werden nicht manipuliert", sagte Krüger schon beim Dieselgipfel im vergangenen August. Und nach Ansicht von BMW braucht diese Aussage auch kein Update. Bei den auffälligen Modellen der 5er- und 7er-Reihe sei nicht bewusst manipuliert worden, teilte der Konzern mit. Eine "fehlerhaft zugeordnete Software" sei das Problem.

Es sei ein "menschlicher Fehler" gewesen

Dabei bleibt man auch am Tag der Pressekonferenz. Es sei ein "menschlicher Fehler" gewesen, sagt Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich. BMW habe ihn bei "standardmäßigen Prüfungen" festgestellt und die Behörden aktiv informiert. Am Sachverhalt habe sich nichts geändert: Innerhalb der Software habe es in einer einstelligen Zahl von insgesamt mehreren Tausenden Software-Teilen eine falsche Zuordnung gegeben. Das habe dann die Abgase erhöht - auf der Straße und auf dem Prüfstand.

Was aus Sicht des Konzerns ebenfalls Fortbestand hat: Der Diesel sei sehr sauber und sehr wichtig. Viel mehr wollen sie nicht sagen. Wirklich nicht. Hat BMW da ein Qualitäts- oder ein Organisationsproblem? Welche Wirkungen hat der vermeintliche Fehler für das Image - nachdem sich BMW bislang so komplett sauber gab? Dazu gibt es an diesem Tag keine richtigen Antworten.

© SZ.de/bbr/rus
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