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Automobil:Politik schaltet sich in die Opel-Krise ein

Sowohl Bundeswirtschaftsminister Clement als auch der hessische Wirtschaftsminister sorgen sich um den Standort Rüsselsheim.

Berichte über die drohende Streichung von 10.000 Stellen bei den GM-Töchtern Opel und Saab haben bei der Bundesregierung und der hessischen Landesregierung die Alarmglocken schrillen lassen.

Der hessische Wirtschaftsminister Alois Riehl.

(Foto: Foto: AP)

Auch Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hat sich in die Sanierungsbemühungen bei Opel eingeschaltet.

"Es finden Gespräche statt", bestätigte eine Sprecherin Clements dem Berliner Tagesspiegel (Freitagausgabe). Der hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) erklärte, er wolle für die Rettung des Opel-Werks in Rüsselsheim alle Hebel in Bewegung setzen.

Rhiel erklärte, er sei besorgt über die Einschätzung des Standorts Rüsselsheim in der Führung von General Motors (GM).

Sanierungsplan kommt früher als geplant

Bei den Gesprächen Clements gehe es dem Minister darum, sich zu informieren, meldete der Tagesspiegel. Der Minister habe auch schon Gespräche mit dem Management des Autokonzerns geführt.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (Donnerstagausgabe) hatte zuvor berichtet, bei den europäischen GM-Töchtern seien mehr als 10.000 Stellen in Gefahr.

Nach dem Zeitungsbericht will GM bereits Ende Oktober - und damit etwas früher als ursprünglich vorgesehen - einen neuen Sanierungsplan für die europäischen Marken Opel, Saab und Vauxhall vorlegen. Geplant sei eine erhebliche Kürzung der Fertigungskapazitäten.

GM will ab 2007 aus Kostengründen alle Mittelklassemodelle in Europa in nur noch einem Werk fertigen. Damit würde entweder das Rüsselsheimer Opel-Werk oder die Saab-Fabrik im schwedischen Trollhättan nicht mehr gebraucht.

Die "FAZ" berichtete außerdem, dass die schwedische Regierung derzeit ein Rettungspaket schnüre, das "sehr attraktiv" sei und der GM-Führung am 1. November präsentiert werden solle. Hessens Ministerpräsident Roland Koch sei deshalb "äußerst alarmiert".

"Hinter den Kulissen tobt längst nicht mehr nur ein Tauziehen der Mitarbeiter und Manager. Da tobt auch ein Tauziehen der Regierungen", zitierte die Zeitung einen nicht näher genannten Informanten. "Wir müssen alles daran setzen, um die Stärken des Standorts Rüsselsheim und der Mitarbeiter im Opel-Werk den Entscheidungsträgern deutlich zu machen", sagte der hessische Wirtschaftsminister.

Dazu zähle die moderne Technik im Opel-Stammwerk, eine ausgezeichnet qualifizierte Belegschaft sowie die optimale Verkehrsanbindung des Rhein-Main-Gebiets weltweit.

Rhiel erklärte, er führe seit Wochen mit Konzernvertretern in dieser Sache Gespräche. Das Land stehe zudem im ständigen Kontakt mit der Bundesregierung.

"Keinerlei Beschlüsse"

Opel wollte die Medienberichte über einen möglichen Stellenabbau nicht kommentieren. "Es gibt hierzu keinerlei Beschlüsse", erklärte das Unternehmen am Donnerstag. GM Europa habe bekannt gegeben, bis Ende November weitere Restrukturierungsmaßnahmen zu beschließen.

Die Zeit bis dahin solle für weitere Analysen sowie für Gespräche mit der Arbeitnehmervertretung genutzt werden. Eine früher als zunächst geplante Vorlage des Sanierungskonzepts wurde nicht ausgeschlossen.

Man sollte nicht den Fehler begehen, die in dem Artikel genannte Zahl von 10.000 gefährdeten Stellen auf die Werke in Rüsselsheim oder Trollhättan herunterzurechnen, hieß es bei Opel.

Diese Zahl würde sich relativieren, da sie GM Europa beträfe und deswegen gegebenenfalls im gesamteuropäischen Zusammenhang gesehen werden müsse.