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Autoindustrie:VW will mit voller Härte gegen streikende Zulieferer vorgehen

Volkswagen AG Chief Executive Officer Matthias Mueller Holds News Conference After Meeting Automobile Assembly Line Workers At VW Headquarters

Autoproduktion im Stammwerk von VW in Wolfsburg. Viele Fahrzeuge laufen wegen des Streiks zweier Zulieferer nicht mehr wie gewohnt vom Band.

(Foto: Krisztian Bocsi/Bloomberg)
  • Weil zwei Autozulieferer den VW-Konzern bestreiken, rollen mehrere Modelle nicht mehr wie gewohnt vom Band. Die Golf-Produktion muss voraussichtlich sogar für mehrere Tage komplett gestoppt werden.
  • Etwa 20 000 Beschäftigte mussten zudem bereits oder müssen voraussichtlich bald in Kurzarbeit gehen.
  • VW will mit voller Härte gegen die Zulieferer vorgehen und kann sogar Gerichtsvollzieher losschicken, um die Ware beschlagnahmen zu lassen.

An Wirtschaftskrimis mangelt es wirklich nicht bei Volkswagen. Heute die Abgas-Affäre, früher der Rotlicht-Skandal. In Wolfsburg, dem Sitz des Konzerns, ist immer etwas los. So einen Fall wie jetzt hat es aber selbst bei VW noch nicht gegeben, und auch sonst nicht in der Autoindustrie.

Weil zwei Zulieferbetriebe Sitzbezüge und Getriebeteile nicht liefern, kommt die Produktion gleich in vier Werken teilweise zum Stillstand. Etwa 20 000 Beschäftigte in Emden, Kassel, Zwickau und Wolfsburg sind entweder bereits oder bald in Kurzarbeit. Mehrere Modelle laufen nicht mehr wie gewohnt vom Band, die Golf-Produktion muss voraussichtlich sogar vom 20. bis 29. August komplett gestoppt werden.. Das hat VW nach der immens teuren Abgas-Affäre gerade noch gefehlt.

Gefallen lassen will sich das der Konzernvorstand um Matthias Müller allerdings nicht. Volkswagen kündigte am Donnerstag an, mit voller Härte zu reagieren. Man sei dazu gezwungen, die "zwangsweise Durchsetzung der Belieferung vorzubereiten". Zu diesem Zweck werde VW alle Mittel nutzen, die laut Gesetz möglich seien. "Dazu gehören Ordnungsgeld, Ordnungshaft, Beschlagnahme, die über das Gericht beantragt werden." Parallel dazu bemühe man sich weiterhin, wie bisher schon, um "eine gütliche Einigung". Darauf deutete zuletzt allerdings immer noch nichts hin, obwohl Volkswagen in beiden Fällen bereits vor dem Landgericht Braunschweig vorläufig obsiegt hat.

VW kann nun Gerichtsvollzieher losschicken und die Ware eintreiben lassen

Volkswagen wartet seit Tagen vergeblich auf Sitzbezüge der Firma Car Trim aus Plauen und auf Getriebeteile von ES Automobil Guss aus Schönheide, beides in Sachsen gelegen. Car Trim begründet den Lieferstopp laut Gericht damit, dass man noch Geld von VW bekomme. Allein im VW-Werk in Emden sind inzwischen schon knapp 8000 Beschäftigte in Kurzarbeit.

Ein Zulieferstreik in der deutschen Autoindustrie, das ist genauso ungewöhnlich wie die juristische Lage in diesem Fall. Beim Landgericht Braunschweig hat VW zwei Verfügungen erwirkt. Car Trim und ES Guss müssten ihre für die Produktion bei Volkswagen dringend nötigen Teile jetzt herbeischaffen, tun dies aber nicht. Nach Angaben der Braunschweiger Justiz hat VW nun das Recht, Gerichtsvollzieher loszuschicken. Die könnten dann die Sitzbezüge und Getriebeteile pfänden und von Sachsen zu den VW-Werken schaffen lassen.

Zu diesem oder einem ähnlichen Mittel will der Wolfsburger Autokonzern nun in der Tat greifen und all das beschlagnahmen lassen, was gebraucht wird, damit Kunden nicht vergeblich auf den Golf und andere Modelle warten. Vielleicht fahren demnächst also Gerichtsvollzieher mit Lkw-Kolonnen in Sachsen vor. Gerichtsvollzieher, die dann gleich eine ganze Firmen-Produktion pfänden anstatt wie sonst üblich Schmuck und Gemälde, oder Möbel und Fernseher. Das klingt so, als ob einem Krimiautor die Fantasie durchginge. Doch so ist nun einmal die juristische Lage in diesem Fall, in dem es so aussieht, als sei VW das Opfer.