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Autoindustrie:VW kippt Pläne für Werk in der Türkei

Finanzielle Interessen oder politische Verantwortung? Die Corona-Pandemie nimmt VW die Entscheidung ab.

Von Angelika Slavik

Der Autohersteller Volkswagen wird nun doch kein neues Werk nahe der türkischen Stadt Izmir bauen. Das bestätigte das Unternehmen am Mittwoch. "Hintergrund ist der durch die Corona-Krise erfolgte Einbruch der globalen Automobilnachfrage", hieß es in Wolfsburg. Das Projekt war wegen der politischen Lage in der Türkei umstritten. Nach ersten Verzögerungen hatte Volkswagen zunächst bis zum Anfang dieses Jahres eine Entscheidung treffen wollen. Mehrfach hatte es geheißen, man sei in "finalen" Gesprächen. Das Unternehmen gründete auch bereits eine türkische Tochtergesellschaft. Die Firma wurde ins Handelsregister eingetragen und mit einem Kapital von umgerechnet rund 164 Millionen US-Dollar ausgestattet. Geplant war ursprünglich, dass 4000 Arbeitsplätze in der Westtürkei entstehen sollen. Allerdings wurde die Kritik an den Plänen immer lauter, vor allem wegen der türkischen Politik in Nordsyrien sowie der Menschenrechtslage im Land. Zuvor stand VW bereits in der Kritik, weil der Konzern an einem Werk in der chinesischen Provinz Xinjiang festhielt, trotz der Berichte über Verletzungen der Menschenrechte an den Uiguren in der Region.

Bei dem Werk in der Türkei nahm nun die Coronavirus-Pandemie den VW-Managern die Entscheidung zwischen ökonomischen Interessen und politischem Verantwortungsgefühl ab: Der Aufbau zusätzlicher Kapazitäten ist nun nicht mehr notwendig, weil die Nachfrage nach Autos weltweit eingebrochen ist.

© SZ vom 02.07.2020

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