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Autoindustrie:Unruhe im Autoland

Volkswagen Automobile Production At Wolfsburg Plant

Dämmerung in Wolfsburg: Nach schlechten Konjunkturzahlen aus Asien fielen die Kurse von VW und den anderen deutschen Autobauern.

(Foto: Getty Images)

Maue Aussichten in China und Kartellvorwürfe: Die Aktien der Autoindustrie fallen.

Gerade saßen alle Automanger noch auf dem Autosalon in Genf zusammen, die Stimmung war durchaus nicht miserabel. Es ging um die Zukunft, um Elektroautos, Robotertechniken und Allianzen. Doch zum Ende der Woche dreht sich die Laune. Die Kurse der Autokonzerne und ihrer Zulieferer sind deutlich nach unten gerutscht: Zu den größten Dax-Verlierern zählten die Aktien des Reifenherstellers Continental mit einem Abschlag von zeitweise vier Prozent. Titel von Volkswagen Daimler und BMW notierten um bis zu drei Prozent tiefer.

Vor allem macht China zu schaffen. Der dortige Automarkt war lange der Wachstumsmotor der Branche. Nach mehr als zwei Jahrzehnten des Aufschwungs gingen die Verkäufe dort zuletzt aber zurück. Und es ist höchst ungewiss, ob sich die Lage bald entspannt. Angesichts des Handelskrieges mit den USA sind die Exporte aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt im Februar um mehr als ein Fünftel gefallen. Analysten hatten mit einem Minus von nur etwa fünf Prozent gerechnet. Auch die Importe in das Land sanken deutlich. "Egal wohin man schaut, die Weltwirtschaft kühlt sich deutlich ab", sagte Fondsmanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. "Die Anleger werden wieder vorsichtiger. Und das aus gutem Grund."

Wobei es derer noch mehr gibt. Bei Volkswagen werden mal wieder schwerfällige Strukturen offenbar, und es sollen einige Tausend der etwa 650 000 Stellen wegfallen. Die Anleger sorgen sich vor drohenden Reibereien zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.

Und schließlich nehmen die Ermittlungen wegen möglicher Kartellverstöße offenbar weiter Konturen an. Die EU-Kommission erwägt dem Spiegel zufolge Strafen in Höhe von je bis zu einer Milliarde Euro gegen die deutschen Autobauer Volkswagen, Daimler und BMW wegen illegaler Absprachen bei der Abgastechnik. Seit etwa zwei Jahren ermitteln die Kartellwächter wegen des Vorwurfes, die Autobauer hätten sich bei der Größe von Harnstoff-Tanks für Stickoxid-Katalysatoren in Dieselautos abgesprochen. Außerdem hätten die Hersteller vereinbart, keine Partikelfilter gegen Feinstaub in Benzinautos einzubauen. In den kommenden Wochen könnte das Verfahren nun mit entsprechenden Bescheiden enden.

Am härtesten könnte es dabei BMW treffen, denn die anderen beiden Hersteller hatten sich selbst angezeigt, um eine Art strafmildernden Kronzeugenstatus zu erlangen. Allerdings beharrt man in München darauf, die Vorwürfe nicht nachvollziehen zu können. So habe man seit je die größten Harnstoff-Tanks verbaut. Dem Vernehmen nach würde sich BMW deshalb gegen ein Bußgeld zur Wehr setzen.