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Autoindustrie:Kater nach der Party

Alles auf den Schrottplatz: Das Wirtschaftsministerium will den Neuwagenkauf mit fünf Milliarden Euro ankurbeln.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Das Beispiel Frankreich zeigt, dass eine Staatsprämie für Autokäufe an der Börse nicht viel Begeisterung auslöst.

Irgendeine Staatsförderung wird die deutsche Autoindustrie in den kommenden Monaten schon bekommen, das war absehbar am Montagnachmittag, obwohl die Regierungskoalition zum Redaktionsschluss noch diskutierte. Zu sehr haben die Automanager und die Landespolitiker in den "Autoländern" Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen dafür geworben und haben Bilder gezeichnet von einem massiven Stellenabbau bei Deutschlands Vorzeigeindustrie wegen der Corona-Krise. Das wird nicht ungehört bleiben, auch wenn sich die Bevölkerung gegen eine solche Hilfe ausgesprochen hat und auch etliche Wirtschaftswissenschaftler.

Just zum Koalitionstreffen von SPD, CDU und CSU etwa das Ifo-Institut: Abwrackprämien kurbeln zwar kurzfristig die Autoverkäufe an, mittelfristig wird aber kaum mehr abgesetzt, das zeige eine Metaanalyse von 15 Abwrackprogrammen in den USA, Spanien, Deutschland und anderen Ländern. Auf die Party folge der Kater, sagt Ifo-Wissenschaftler Felix Rösel. Die Verbraucher hätten Autokäufe vorgezogen, die ohnehin geplant waren. Was zudem anderswo geschadet habe: "Wer den Autokauf vorzieht, hat in dem Moment weniger Geld für Möbel", sagt Rösel. Das Plus der Autobranche könne deshalb schnell zum Minus anderswo werden.

Die Anleger scheinen das mit dem Strohfeuer-Effekt zu ahnen, wie man in Frankreich ablesen kann. Dort hat Präsident Emmanuel Macron für die Autoindustrie in der vergangenen Woche einen "historischen Plan für eine historische Situation" vorgelegt. Darunter eine Milliarde Euro als Kaufförderung: Wer ein E-Auto erwirbt, bekommt bis zu 7000 Euro vom Staat; Hybridfahrzeuge werden mit 2000 Euro gefördert. Einkommensabhängig gibt es Zudem eine Förderung beim Umstieg von einem Alt- auf ein Neufahrzeug, unabhängig von der Motorisierung.

Ein schönes Programm zum Ankurbeln, eigentlich. Doch die beiden wichtigsten Autopapiere in Frankreich, Renault und Peugeot, stiegen im Umfeld der Nachricht nicht so sehr - und sind noch weit entfernt von den Werten vom vergangenen Jahr. Wichtiger war, dass Renault die Zusammenarbeit mit seinen japanischen Partnern Nissan und Mitsubishi vertiefen will und damit Kosten senken könnte. Nicht unwahrscheinlich also, dass deutsche Autowerte auch verhalten auf den staatlichen Anschub reagieren werden. Die sind auch ab Mitte Februar bis Mitte März enorm abgestürzt, zwischen 40 Prozent (BMW, Volkswagen) und 50 Prozent (Daimler). Aber seit Mitte März, seit in China die Geschäfte wieder anliefen und in Deutschland der große Lockdown begann, sind sie wieder deutlich im Aufschwung. Auch ohne Prämienprogramm.

© SZ vom 02.06.2020

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