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Autoindustrie:Ford streicht jeden fünften Job

Ford Produktion Köln

Fahrzeuge vom Typ Fiesta im Kölner VW-Werk.

(Foto: Oliver Berg/dpa)

Der amerikanische Autobauer spart und trennt sich von sechs der 24 Werke in Europa. Die deutschen Standorte bleiben.

Der in der Krise steckende Autobauer Ford Europa muss sparen und setzt nun harte Maßnahmen um. Insgesamt wird die Tochter des US-Konzerns, die in 50 Ländern Fahrzeuge verkauft, jeden fünften Job in Europa streichen. Es fallen 12 000 der 65 000 Arbeitsplätze weg, auch beim Management wird um 20 Prozent gekürzt. Zudem sollen bis Ende kommenden Jahres sechs von derzeit 24 Werken geschlossen oder verkauft werden, jedoch keines in Deutschland. Das Werk in Saarlouis wird aber die Zahl seiner Arbeitsschichten reduzieren - aufgrund der geringen Nachfrage nach Autos.

Die Trennung von Mitarbeitern und die Schließung von Werken seien "die härtesten Entscheidungen", sagt der erst im April berufene Ford-Europachef Stuart Rowley und betont zugleich gute Gespräche mit der Arbeitnehmerseite, um die Folgen der Jobkürzungen für die Betroffenen zu mildern. Man konzentriere sich "auf den Aufbau einer langfristigen nachhaltigen Zukunft für unser Geschäft in Europa".

Die Werksschließungen standen bereits im Raum, ebenso die Streichung von 5000 Stellen in Deutschland, wo bereits mehr als 3200 Mitarbeiter ausgeschieden sind oder dies tun wollen. Nun liegt ein Gesamtplan für die Europasparte vor, die bei Ford recht eigenständig von der US-Mutter agiert. In den USA ist Ford bekannt und beliebt für den Sportwagen Mustang oder den großen Pick-up F 150. Diese US-Modelle verkaufen sich in Deutschland und Europa jedoch kaum, und so werden von der Ford-Europa-Zentrale in Köln aus exklusiv für den Kontinent eigene Modelle entwickelt: 1,5 Millionen Fahrzeuge; das scheint zu wenig um wirklich nachhaltig profitabel bestehen zu können, zumal in Zeiten technologischer Umbrüche wie dem Roboterfahren, den Elektroantrieben und immer strengeren Abgasvorschriften.

Jeder verkaufte Neuwagen machte zuletzt einen Verlust von durchschnittlich 220 Euro

Auch der drohende Brexit macht zu schaffen. Weil das Pfund vor dem Brexit abgewertet hat, sind vom Festland überführte Autos auf der Insel teurer und unattraktiver geworden. Im vergangenen Jahr war Ford Europa deshalb tief in der Verlustzone, im vergangenen Jahr brachte jeder verkaufte Neuwagen durchschnittlich 220 Euro Verlust. Inzwischen sieht es etwas besser aus, für das Gesamtjahr rechnet das Management mit einer "erheblichen Verbesserung" des Finanzergebnisses. Als Ziel hat Ford-Konzernchef Jim Hackett eine Marge vor Steuer in Höhe von sechs Prozent ausgegeben. Nicht nur der Stellenabbau soll dorthin führen, sondern es werden auch Modelle gestrichen, etwa der sogenannte C-Max und der Ka+. Künftig will Ford das Geschäft in Europa in drei Einheiten betreiben, Lieferwagen und Pkw sollen getrennt vertrieben werden und auch der Import losgelöst ablaufen, der zunehmen soll. Diese Trennung deute auf mögliche Verkaufspläne der Autosparte hin, so die Analyse von Branchenbeobachter Ferdinand Dudenhöffer: "Die neue Organisationsgestaltung lässt Raum, um die Pkw-Sparte weiter herauszulösen, vielleicht mit einem Verkauf an Fiat oder Renault." Auch Opel hatte ein solches Größenproblem - und wurde von der US-Mutter General Motors dann an die französische PSA-Gruppe verkauft.

Vorerst versucht sich Ford jedoch noch an intensiven Kooperationen, wobei dabei eine andere Firma zum Zug kommt. Bei den Lieferwagen und in neuartigen Technologien für Assistenzsysteme setzt man auf eine Zusammenarbeit mit Volkswagen. Auch bei Elektroautos könnte eine Kooperation der beiden großen Autobauer helfen: Es steht im Raum, dass Ford die sogenannte ID-Plattform lizenziert, die VW gerade eben für die kommenden E-Autos entwickelt hat. Welche Auswirkungen es auf das Kundeninteresse haben würde, käme das Herz eines Autos vom direkten Konkurrenten, ist allerdings ungewiss.

Der Verband der europäischen Automobilhersteller (ACEA) blickt unterdessen mit Skepsis auf das laufende Jahr. Er rechne nun mit einem Rückgang um ein Prozent statt mit einem Wachstum von bis zu einem Prozent. Der Gesamtabsatz dürfte im laufenden Jahr bei etwa 15 Millionen Fahrzeugen liegen