Autohersteller: Wut in ItalienFiat fühlt sich bei Opel ausgetrickst

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Fiat ist bei der Opel-Übernahme nicht zum Zuge gekommen. Jetzt ist der Zorn groß - weil der Bund für den Kontrahenten Magna einen Kredit von 300 Millionen Euro übernimmt.

Der italienische Fiat-Konzern ist weiter daran interessiert, den angeschlagenen Autobauer Opel zu übernehmen. Sollten die Verhandlungen mit Magna scheitern, sei man bereit, wieder über den Einstieg zu reden, hieß es in Firmenkreisen. Regierungsvertreter empfingen noch nach der Einigung mit Magna Vertreter der chinesischen Holding BAIC zu Gesprächen über eine Übernahme von Opel.

Es ist Fiat nicht gelungen, Opel zu übernehmen. Nur wegen 300 Millionen Euro?
Es ist Fiat nicht gelungen, Opel zu übernehmen. Nur wegen 300 Millionen Euro? Foto: Reuters

Das weiter bestehende Interesse von Fiat an der deutschen General-Motors-Tochter Opel habe der Unternehmensberater Roland Berger, der dem Aufsichtsrat von Fiat angehört, am Wochenende auch Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg mitgeteilt. In Regierungskreisen wurde dies bestätigt.

Chinesen bieten weiter

Auch der chinesische Autohersteller BAIC gehöre weiter zum Bieterkreis. Sein Angebot lasse noch viele Fragen offen. Eine BAIC-Delegation hatte sich am Dienstag mit Vertretern des Wirtschaftsministeriums und des Kanzleramts in Berlin getroffen.

Fiat fühlt sich im Nachhinein bei den Verhandlungen in der vorigen Woche ausgetrickst. Man sei sehr verärgert, hieß es, dass die Bundesregierung am Dienstag einen Notkredit von 300 Millionen Euro an Opel angewiesen habe, den ursprünglich Magna übernehmen sollte.

Wegen dieser zusätzlichen 300 Millionen Euro, die von den Investoren verlangt worden seien, sei man in der vorigen Woche aus den Verhandlungen ausgestiegen, hieß es bei Fiat. Es sei seltsam, dass nun die Bundesregierung die Zahlung übernommen habe.

"Diese Lösung hätten wir auch bieten können." Offenbar sei in den Verhandlungen mit "gezinkten Karten" operiert worden. Der Fiat-Darstellung, der italienische Konzern sei bei den Verhandlungen über den Tisch gezogen worden, wurde in Regierungskreisen vehement widersprochen. Nicht der Bund, sondern General Motors (GM) habe Fiat aussortiert, hieß es.

"Stadium eines Vorvertrags"

Grund sei, dass Fiat anders als Magna und der amerikanische Finanzinvestor Ripplewood Opel vollständig von GM habe lösen und den Konzern auf dessen Heimatmarkt Nordamerika gemeinsam mit dem amerikanischen Konkurrenten Chrysler habe attackieren wollen. Das könne naturgemäß nicht im Interesse von GM sein.

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm verteidigte die Entscheidung, die erste Tranche des 1,5-Milliarden-Kredits in Höhe von 300 Millionen Euro, die am Dienstag bei Opel einging, bereits vom Konsortium aus der Staatsbank KfW und den Förderinstituten der Bundesländer mit Opel-Standorten auszahlen zu lassen.

Vergangene Woche sei nicht absehbar gewesen, dass dies möglich sei, weil wegen des verlängerten Pfingst-Wochenendes die Übertragung der notwendigen Sicherheiten nicht gewährleistet erschien. In der vergangenen Woche hatte die Firma Magna angeboten, die von GM geforderten 300 Millionen Euro zur Aufrechterhaltung des Opel-Betriebs vorzustrecken.

Ein Sprecher des Finanzministeriums sagte, auch Magna hätte dafür einen Kredit aufnehmen müssen, dessen Kosten höher gewesen wären, als die Kosten, die jetzt für den Kredit des Konsortiums anfallen.

Auch rechtlich sei diese Variante besser gewesen, da es beihilferechtliche Einwände hätte geben können. Wilhelm betonte, dass eine Verschlechterung der Verhandlungsposition der Bundesregierung und der Länder "nicht festzustellen" sei. Auch eine Benachteiligung von Fiat sehe er nicht, zumal der Verkaufsprozess weiter für alle Bieter offen sei. Mit Magna sei man lediglich "im Stadium eines Vorvertrags".

Aus volkswirtschaftlicher Sicht hielten im übrigen die Experten des Bundeswirtschaftsministeriums eine Liquidation von Opel für die beste Lösung, also die vollständige Auflösung des Unternehmens. Sie führe "zu einem Abbau der signifikanten Überkapazitäten und zu einer entsprechenden Marktbereinigung", heißt es in einem Papier für das Spitzentreffen im Kanzleramt, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

Für den Einstieg bei Opel muss Magna möglicherweise einen höheren Preis zahlen als angenommen. Kunden stellen nun ihre Geschäftsbeziehungen zu dem kanadisch-österreichischen Konzern auf den Prüfstand. Nach SZ-Informationen droht Magna der Verlust bedeutender Aufträge wichtiger Autohersteller.

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