ZollstreitWie die deutschen Autohersteller einen Deal mit Trump erreichen wollen

Lesezeit: 3 Min.

„Der Volkswagen-Konzern will in den USA weiter investieren“, sagt VW-Chef Oliver Blume. Und hofft damit auf Entgegenkommen bei den Zöllen.
„Der Volkswagen-Konzern will in den USA weiter investieren“, sagt VW-Chef Oliver Blume. Und hofft damit auf Entgegenkommen bei den Zöllen. Friso Gentsch
  • Die deutschen Autohersteller suchen nach Lösungen im Handelskonflikt mit den USA, da die aktuellen Importzölle von 25% auf Autos und 50% auf Aluminium und Stahl ihre Gewinne erheblich belasten.
  • Neben offiziellen EU-Verhandlungen führen die Konzerne auch eigene Gespräche mit US-Verantwortlichen, wobei sie unterschiedliche Strategien verfolgen: BMW und Mercedes betonen ihre Exporte aus den USA, VW hebt seine Investitionen hervor.
  • Die Autobauer setzen auf Unterstützung durch lokale US-Politiker und hoffen, dass die USA die wirtschaftliche Bedeutung der deutschen Firmen erkennen und in den Verhandlungen mit der EU Milde walten lassen.
Von der Redaktion überprüft

Dieser Text wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Die US-Zölle sind ein riesiges Problem für die deutschen Autobauer. Offiziell verhandelt die EU mit der US-Regierung. Dennoch wollen sich die deutschen Autobosse nicht nur darauf verlassen.

Von Christina Kunkel

Sie wollen alle das Gleiche, aber irgendwie auch nicht. Eine Lösung im Handelskonflikt mit den USA ist für die deutschen Autohersteller aktuell die wohl dringlichste Aufgabe. Nur wie man diese am schnellsten erreicht und wie ein solcher Auto-Deal aussehen sollte, darin sind die Manager der einzelnen Autokonzerne in einigen Punkten durchaus unterschiedlicher Ansicht. Und auch das Vertrauen in die EU-Kommission scheint nicht überall besonders ausgeprägt zu sein.

Dass für die deutsche Autoindustrie die aktuellen Importzölle der USA ein riesiges Problem darstellen, ist unbestritten. Da sind die 25 Prozent Aufschlag auf Autos, die woanders gebaut, aber in den USA verkauft werden. Zudem hat die US-Regierung die Abgaben auf importiertes Aluminium und Stahl gerade noch einmal verdoppelt – auf nun 50 Prozent. Und dann steht da noch die Drohung von Donald Trump im Raum, die Zölle auf Autos von Juli an noch einmal nach oben zu schrauben, ebenfalls auf 50 Prozent.

Für die deutschen Autohersteller bedeutet das erhebliche finanzielle Risiken. Mercedes rechnete vor, dass bereits ein Zollaufschlag von zehn Prozent die Gewinnmarge um etwa ein Prozent drücken würde. Bei den jetzt geltenden 25 Prozent wären das 2,5 Prozent Marge. Bei BMW ging man zuletzt davon aus, dass die Zölle den Hersteller rund zehn Millionen Euro pro Tag kosten dürften. In der Gesamtprognose für dieses Jahr rechnen die Münchner mit einem Rückgang der Gewinnmarge um rund 1,5 Prozent durch den Handelskonflikt – allerdings sind das nur vorsichtige Schätzungen, da sich die Zölle ja ständig ändern können.

Die EU muss verhandeln, doch selbst reden schadet auch nicht

Offiziell heißt es bei allen deutschen Herstellern, die EU sei der Verhandlungspartner mit der US-Administration. Auf dieser Ebene müsse eine Lösung gefunden werden, die für die heimische Autoindustrie mitsamt ihren weltweiten Zulieferern möglichst positiv ausfällt. Doch hinter den Kulissen positionieren sich die einzelnen Konzerne auch selbst im Austausch mit US-Verantwortlichen. Dass VW-Chef Oliver Blume öffentlich sagte, er verhandle neben gemeinschaftlicher Initiativen auch nur für den VW-Konzern und Porsche mit dem US-Handelsminister, kam bei den anderen deutschen Autobauern nicht besonders gut an.

Doch auch BMW und Mercedes sind nach SZ-Informationen im regen Austausch mit Ansprechpartnern in den USA. Der Münchner Autobauer gab sich schon in den vergangenen Wochen besonders zuversichtlich, dass die Autozölle schon bald wieder sinken werden. BMW-Chef Zipse sagte auf der Hauptversammlung Mitte Mai selbstbewusst, man befinde sich in einer „sehr soliden Verhandlungsposition“. Zuvor hatte bereits Finanzvorstand Walter Mertl gesagt, dass der Autobauer mit einer Reduzierung der Zölle bis Anfang Juli rechne. In anderen deutschen Autokonzernen wunderte man sich über diesen optimistischen Ausblick – einige fürchten gar, dass man mit solch einer Aussage Donald Trump erst recht dazu reize, das Gegenteil davon zu machen.

Einen Deal für ein einzelnes Unternehmen wolle zwar keiner aushandeln, heißt es unisono aus Wolfsburg, München und Stuttgart. Doch welche Punkte dem jeweiligen Autobauer besonders wichtig sind, das könne man in Gesprächen auf bilateraler Ebene durchaus herausstellen – klassische Lobbyarbeit eben. So sind sich etwa Mercedes und BMW einig, dass die Verrechnung von Exporten und Importen doch eine sehr gute Sache im Rahmen eines allgemeinen Deals für die gesamte Industrie sein könnte. BMW baut in den USA pro Jahr rund 400 000 Fahrzeuge, etwa die Hälfte davon gehen in den Export. Auch Mercedes betont bei jeder Gelegenheit, dass ein großer Teil der Autos, die in Amerika gebaut werden, in andere Länder verschickt werden.

Mit solch einer Bilanz kann VW dagegen nicht auftrumpfen. Die Wolfsburger bauen zwar auch Autos in den USA, allerdings hauptsächlich für den dortigen Markt. Dagegen werden sämtliche Fahrzeuge der Marken Porsche und Audi bislang importiert. Deshalb bemüht sich die VW-Chefetage besonders darum, die hohen Investitionen des Konzerns in den USA herauszustellen. VW baut dort gerade ein Werk für seine neue Marke Scout, zudem wird der Hersteller insgesamt 5,8 Milliarden US-Dollar in eine Partnerschaft mit dem US-Auto-Start-up Rivian investieren. All die Gelder, die man zukünftig in Werke und Joint Ventures in den USA stecken will, sollen nach Wunsch der Wolfsburger bei einem möglichen Zolldeal berücksichtigt werden.

Nicht zuletzt setzen die deutschen Autobauer auch auf Unterstützung aus der lokalen Politik. In den Staaten, in denen die Werke von VW, BMW und Mercedes stehen, haben die jeweiligen Gouverneure bereits versucht, der US-Administration klarzumachen, wie wichtig die deutschen Firmen für die lokale Wirtschaft sind. Oft hängen mehrere Zehntausend Arbeitsplätze in der Region an der Präsenz der deutschen Konzerne.

Was aber auch aus Kreisen der deutschen Autohersteller zu hören ist: Das alleinige Vertrauen in das Verhandlungsgeschick der EU ist eher wenig ausgeprägt. Schließlich habe man dort schon bei den Zöllen auf E-Autos aus China nicht auf die deutschen Interessen geachtet, heißt es. Zudem reden auf EU-Ebene auch andere Autobauer mit, etwa Renault oder Stellantis. Eine einheitliche Verhandlungsposition in Sachen USA lässt sich da nicht finden. Deshalb läuft nun das Werben der deutschen Hersteller in den USA auf Hochtouren. Die Hoffnung: Die Amerikaner erkennen, wie wichtig BMW, Mercedes und VW für die eigene Wirtschaft sind – und lassen dann in den Verhandlungen mit der EU etwas Milde walten.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Interview mit VW-Chef Oliver Blume
:„Wir haben uns zu lange auf Erfolgen ausgeruht“

VW-Chef Oliver Blume spricht über die Probleme des Autokonzerns beim Umstieg auf die Elektromobilität, Beharrungskräfte in Wolfsburg – und bestätigt direkte Gespräche mit der US-Regierung über den Zollstreit.

SZ PlusInterview von Caspar Busse, Christina Kunkel und Angelika Slavik

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: