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Autohersteller:Daimler streicht weltweit 10 000 Jobs

Daimler - Autofabrik in Russland

Daimler hat seine Sparpläne konkretisiert. Weltweit sollen 10 000 Stellen wegfallen. Im Bild das Mercedes-Benz-Werk im Industriepark Jessipowo bei Moskau.

(Foto: Pavel Golovkin/dpa)

Management einigt sich mit dem Betriebsrat auf Sparpläne, der Konflikt scheint befriedet.

Nach Audi und BMW hat nun auch Daimler innerhalb einer Woche seine Sparpläne konkretisiert: Der Stuttgarter Autohersteller will bis Ende 2022 weltweit mindestens 10 000 Stellen streichen. Wie viele Jobs genau wegfallen sollen, ließ das Unternehmen offen. Es gehe um eine "niedrige fünfstellige Zahl", sagte Personalvorstand Wilfried Porth am Freitag. In den Verhandlungen mit dem Gesamtbetriebsrat haben die Arbeitnehmer inzwischen immerhin eine Forderung der Konzernspitze abgeräumt: Diese hatte verlangt, dass die Angestellten im Jahr 2020 auf ihre Tariferhöhungen verzichten sollen. Davon ist das Management nun abgerückt.

Daimler-Boss Ola Källenius will sein Ziel, konzernweit etwa 1,4 Milliarden Euro Personalkosten einzusparen, nun mit anderen Mitteln erreichen. Dazu gehören die Nichtbesetzung frei werdender Stellen, Ausweitung von Altersteilzeit und ein Abfindungsprogramm für Verwaltungs-Mitarbeiter in Deutschland. Auslaufende Verträge von Zeitarbeitern will Daimler nur sehr restriktiv verlängern, und Mitarbeiter sollen mit Anreizen dazu bewegt werden, ihre Arbeitszeit freiwillig zu reduzieren. "Wir werden die Maßnahmen so sozial verträglich wie möglich gestalten", sagt Personalvorstand Wilfried Porth. In Deutschland sind betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2029 ohnehin ausgeschlossen. Die Details der Spar- und Abfindungsprogramme müssen noch ausgehandelt werden, teilten Unternehmen und Betriebsrat mit.

Der Konflikt zwischen Management und Arbeitnehmervertretern ist damit wieder befriedet, zwischenzeitlich hatte Betriebsratschef Michael Brecht die Forderungen des Konzerns öffentlich kritisiert. Daimler hat derzeit mehrere Baustellen: Zur schwächelnden Konjunktur und anderen externen Faktoren kommen hausgemachte Probleme wie Produktionsschwierigkeiten und Altlasten aus der Dieselaffäre. Auch am Freitag poppte der Dieselskandal wieder auf, angeblich hat Daimler dem Kraftfahrt-Bundesamt zwei weitere Abschalteinrichtungen in kleineren Motoren gemeldet, die teuer werden könnten. All das bescherte dem Unternehmen mehrere Gewinnwarnungen, die Investoren äußern scharfe Kritik. Zuletzt hatten auch die Konkurrenten ihre Sparmaßnahmen veröffentlicht. BMW kommt ohne Stellenstreichungen aus, kürzt aber die Mitarbeiterprämien. Audi will 9500 Stellen bis zum Jahr 2025 abbauen.

© SZ vom 30.11.2019
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