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Autobranche:BMW und Daimler wieder getrennt

Autonomes Fahren: Konzerne entwickeln doch nicht gemeinsam

BMW und Daimlers Pkw-Tochter Mercedes-Benz haben ihre Entwicklungskooperation für hochautomatisiertes Fahren vorerst abgebrochen. Nach intensiver Prüfung seien sie zu dem Ergebnis gekommen, dass jetzt wegen des hohen Aufwands für eine gemeinsame Technologie und angesichts der konjunkturellen Rahmenbedingungen nicht der richtige Zeitpunkt dafür sei, teilten BMW und Daimler mit. Beide Unternehmen wollten eigene Entwicklungspfade verfolgen. Eine spätere Zusammenarbeit sei aber möglich.

Im Februar 2019 hatten die rivalisierenden Autobauer ihr geplantes Bündnis bekannt gegeben und im Juli einen Vertrag über die langfristig gedachte Zusammenarbeit unterschrieben. Ziel war die gemeinsame Entwicklung der nächsten Technologiegeneration für Fahrassistenzsysteme und automatisiertes Fahren auf Autobahnen sowie automatisierte Parkfunktionen. Von 2024 an sollten entsprechende Systeme in Pkw für Privatkunden verfügbar sein. BMW und Daimler wollten sich die milliardenschweren Entwicklungskosten teilen und der Google-Tochter Waymo die Stirn bieten, die hier einen technischen Vorsprung hat.

Schon vor der Corona-Krise war in der Branche wegen der hohen Kosten Ernüchterung über die teure Technologie eingezogen. Nun hat die Pandemie das Geschäft einbrechen lassen. Andere Gemeinschaftsprojekte wollen BMW und Daimler fortsetzen, hieß es weiter. So besitzen sie mit anderen Partnern den Navigationsdaten-Spezialisten Here. Anfang vorigen Jahres legten sie ihre Mobilitätsdienste im Joint Venture Now zusammen.

Bei Konkurrent Volkswagen steht derweil nach monatelanger Vorbereitung die eigene Software-Einheit vor dem Start: Zum 1. Juli soll die Entwicklung einer eigenen Digital-Plattform für alle Marken im Konzern beginnen. Diese bildet den Kern eines Betriebssystems, das bis 2024 voll ausgearbeitet sein soll. VW will die "komplette Fahrzeugarchitektur" inklusive Elektronik selbst kontrollieren, wie Digitalvorstand Christian Senger erklärte. Man bleibe aber offen für Partnerschaften, Joint-Ventures oder Beteiligungen.

Die steigende Bedeutung von Software macht die Industrie abhängiger von den IT-Konzernen - viele Unternehmen versuchen daher, ihre Kompetenz zu erweitern und das Fachpersonal entsprechend aufzustocken. Die "Car-Software"-Organisation bei VW soll nach bisherigen Plänen bis zum Jahr 2025 mehr als 10 000 Experten umfassen, bis zum Ende des laufenden Jahres könnten es schon 5000 Mitarbeiter sein. Ziel ist es, mehr Systeme in Eigenregie zu programmieren und so die Wertschöpfung zu vergrößern.

© SZ vom 20.06.2020 / DPA, Reuters
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