Auto VW die Nummer eins

Mit weltweit zehn Millionen verkauften Autos entthront der Wolfsburger Konzern den langjährigen Marktführer Toyota - ausgerechnet jetzt, mitten in der Diesel-Skandal-Krise. Geholfen hat dabei vor allem das gute Geschäft in China.

Von Max Hägler

Sie geben sich betont zurückhaltend bei Volkswagen, obwohl sie endlich mal wieder gute Nachrichten zu verkaufen hätten. "Wir haben im vergangenen Jahr mehr als zehn Millionen Fahrzeuge an unsere Kunden ausgeliefert", erklärt VW-Chef Matthias Müller bloß, das stärke dem Konzern den Rücken auf dem Weg in die Zukunft. Dabei hat das Vielmarkenunternehmen aus Wolfsburg doch noch etwas mehr geschafft als zehn Millionen, was sie selbst auf Nachfrage gar nicht kommentieren wollen: Der VW-Konzern ist mit seinen zwölf Marken der größte Autobauer der Welt, erstmals, vor Toyota aus Japan.

In konkreten Zahlen heißt das: 10,3 Millionen Fahrzeuge haben die Deutschen geliefert (samt ihrer tschechischen oder spanischen Marken wie Skoda oder Seat und inklusive Scania- und MAN-Lastwagen), im Vergleich zu 10,18 Millionen Fahrzeugen aus Japan; der Abgasskandal scheint die Kunden also bislang wenig abzuhalten von VW-Autos.

Man kann davon ausgehen, dass diese Rechnerei vor nicht allzu langer Zeit noch groß gefeiert worden wäre. Vor gut zwei Jahren hatte Martin Winterkorn, der damalige Konzernchef, noch ausgegeben, dass er unbedingt an die Spitze möchte: "Wir setzen jetzt zum Überholmanöver an!" Von Platz zwei auf eins, das war sein Ziel. Jetzt ist das Ziel erreicht.

Gut läuft vor allem das Geschäft in China

Aber vieles ist anders nun: Winterkorn ist weg, weil mittlerweile aufgeflogen ist, dass sie bei VW - vielleicht mit seinem Wissen - zum Wohle des Absatzes Schummelsoftware in Dieselmotoren einbauten. Staatsanwälte und Rechtsanwälte verfolgen deswegen das Unternehmen, und die Halter der elf Millionen betroffenen Autos sind wohl zum Großteil weiterhin recht empört. In diesen Zeiten gibt man sich nicht triumphierend. Oder wie Müller nüchtern mitteilen lässt: "2016 war ein sehr anspruchsvolles Jahr für uns. Wir haben die Auf- und Abarbeitung der Diesel-Krise vorangetrieben." Und dabei habe man das Geschäft "stabilisiert".

In Deutschland, dem Heimatland, musste Volkswagen einen Rückgang von gut zwei Prozent verzeichnen. Wobei die Zahl natürlich interpretierbar ist: Trotz des Dieselskandals nur zwei Prozent verloren - das ist jedoch sicher eine zulässige Lesart. Ausgeglichen wurde dieser Rückgang durch einen Erfolg in Asien: In China hat der Konzern zwölf Prozent mehr Fahrzeuge ausgeliefert; vielleicht ist das auch der Tatsache geschuldet, dass in dieser Region kaum Dieselautos ausgeliefert werden und damit auch der Dieselskandal dort kaum ein Thema ist. Unklar ist indes in allen Regionen noch, wie sehr besondere Rabatte beim Verkauf mithalfen.

Toyota hatte sich seit dem Jahr 2008 als Weltmarktführer behauptet und die Position nur im Jahr 2011 nach dem verheerenden Tsunami kurzfristig an General Motors (GM) abgegeben. Die Japaner spielten die Bedeutung des ersten Platzes beim Absatz herunter: "Wir bei Toyota sind nicht darauf fokussiert, nach Volumen zu jagen", hieß es aus dem Konzern. Ziel sei es vielmehr, die Nummer eins bei den Kunden mit der technischen Entwicklung und Produktion immer besserer Autos zu sein. Der US-Autobauer GM wiederum hat noch keine Absatzzahlen vorgelegt, dürfte sich jedoch mit dem Hersteller Renault-Nissan um Platz drei streiten: Der französisch-japanische Konzern hat 2016 8,78 Millionen Autos ausgeliefert; beide Marken steigerten dabei ihren Absatz. Und das, obwohl die Franzosen ebenfalls im Ruch stehen, in einigen ihrer Dieselmodelle gesundheitsschädliche Motorsteuer-Software verbaut zu haben.