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Mobilität:Auto im Abo

Ein Elektroauto von VW lädt an einer Zapfsäule für Strom. (Themenbild, Symbolbild) Köln, 02.03.2021 *** An electric car

E im Abo: Unter den angebotenen Fahrzeugen sind häufig Elektroautos. Für manche eine Möglichkeit, die neue Technik mal auszuprobieren.

(Foto: Christoph Hardt/imago images/Future Image)

Start-ups, Autovermieter und jetzt auch noch ein Kaffeeröster: Mehr und mehr Firmen bieten Autos im Abo an. Wie attraktiv sind die Preise?

Von Jan Schmidbauer, München

Manchmal zeugen kleine Nachrichten davon, dass aus einem Nischenthema mehr wird. Das Hamburger Unternehmen Tchibo verkauft zwar schon lange mehr als nur vakuumierten "Privat-Kaffee". Doch wenn man ein Auto braucht, war der Kaffeeröster bislang nicht der erste Anlaufpunkt und sicher auch nicht der zweite oder dritte.

Das will man offenbar ändern. Auch Tchibo steigt, gemeinsam mit dem Anbieter like2drive, ins Autogeschäft ein, genauer gesagt in das Geschäft mit Auto-Abonnements. Ab 279 Euro pro Monat sollen Kunden einen Fiat 500 in der Elektro-Variante mieten können, wahlweise für zwölf oder 24 Monate. Für knapp 800 Euro (umgerechnet etwa 300 Cappuccini) gibt es einen Tesla Model 3 mit 261 PS, die zwar nicht zum Porscheüberholen reichen, aber locker, um den stolzen Abteilungsleiter im Audi A6 das Fürchten zu lehren.

Autovermieter wie Sixt, Start-ups wie Cluno oder Vive la Car und jetzt auch noch Tchibo: Mehr und mehr Firmen scheinen ein großes Geschäft darin erkannt zu haben, Autos im Abo an die Kunden zu bringen, anstatt die Fahrzeuge für drei, vier Jahre per Leasing zu verleihen oder sie gleich zu verkaufen.

Auto-Abos haben mit dem Leasing viel gemein, unterscheiden sich aber in einem wichtigen Punkt: Die Laufzeiten sind meist deutlich kürzer. Oft werden die Fahrzeuge für sechs oder zwölf Monate verliehen. Bei manchen Modellen können Kunden das Auto auch für vier Wochen bekommen und es danach schon wieder zurückgeben. Und Dinge wie die Versicherung oder die passende Bereifung sind meist auch schon im Preis inbegriffen.

Diese Flexibilität hat natürlich einen Preis. 500 Euro für einen 1er BMW bei Sixt, 650 Euro für einen 5er Touring beim Anbieter Cluno. 800 Euro für einen Tchibo-Tesla. Klingt jetzt nicht gerade nach Schnäppchen. Zumal man etwa einen Tesla Model 3 beim Hersteller schon ab etwa 400 Euro pro Monat leasen kann (für 36 Monate inklusive staatlicher Umweltprämie).

Nach Ansicht des Branchenexperten Stefan Bratzel haben viele Abo-Modelle dennoch ihre Berechtigung. Wenn man den Wertverlust, die Versicherung, die Steuer und all die anderen Dinge einkalkuliere, seien die Angebote durchaus "wettbewerbsfähig", sagt er.

Bratzel rechnet damit, dass Abo-Modelle weiter Marktanteile gewinnen werden. "Nach meiner Einschätzung könnte es in die Größenordnung 15 bis 20 Prozent gehen", sagt er, wenngleich sich diese Entwicklung über Jahre hinziehen werde.

Bei vielen Angeboten sind die Kilometer begrenzt

Dass Auto-Abos beliebter werden, hängt seiner Meinung nach vor allem damit zusammen: Autos haben für viele Kunden einen geringeren Stellenwert als früher. "Das Auto als Statussymbol, an dem man jeden Samstag rumpoliert, das nimmt bei vielen ab." Und so hätten viele Kunden auch schlicht keine Lust mehr, sich ständig um ihr Auto zu kümmern. Reifenwechsel, neue Zündkerzen, solche Dinge.

Für wen sich ein Abo lohnt, lässt sich pauschal allerdings nicht sagen, das hängt schon sehr vom Einzelfall ab. So muss bei vielen Anbietern zunächst eine Startgebühr gezahlt werden, die bei kurzen Mietdauern entsprechend ins Gewicht fallen kann. Einen weiteren Haken kann bei vielen Angeboten die Kilometerbegrenzung darstellen. So können Abo-Kunden beim Autovermieter Sixt meist nur 500 Kilometer im Monat fahren ohne draufzuzahlen, nicht gerade viel. Wer mehr fährt, muss - ähnlich wie bei den Mietwagenangeboten des Unternehmens- einen fixen Betrag für jeden Kilometer draufzahlen. Auch beim Tchibo-Abo sind nur 10 000 Kilometer pro Jahr inklusive.

Autofahren war eben noch nie billig. Daran werden auch die Abomodelle nichts ändern. Es ist vielleicht ein bisschen so wie mit dem Pauschal-Urlaub. Kann auch ein bisschen teurer sein, aber für viele ist es eben sehr beruhigend, wenn man sich um kaum etwas zu kümmern braucht.

© SZ
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