Auswirkungen der Krise Sparen beim Essen

Die Deutschen geben nicht gerne Geld für Essen aus. Davon profitieren vor allem Billiganbieter wie Aldi und Lidl.

Von Silvia Liebrich

Die sich verschärfende Wirtschaftskrise wird auch Auswirkungen auf die Ernährungsgewohnheiten der Deutschen haben. Wenn die Arbeitslosigkeit zunimmt und mehr Beschäftigte in Kurzarbeit gehen, stehe vielen Haushalten weniger Geld zur Verfügung, sagte Nestlé-Deutschland-Chef Gerhard Berssenbrügge am Wochenende der Süddeutschen Zeitung.

Schon jetzt knausern die Deutschen beim Essen: Nur elf Prozent ihrer Haushaltsbudgets geben sie für Nahrungsmittel aus. In anderen Ländern sind es bis zu 20 Prozent.

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Er erwarte, dass auch beim Essen gespart werde. "Es werden Abstriche gemacht", ergänzte er. Schon jetzt sei beispielsweise ein deutlicher Rückgang bei Gaststättenbesuchen festzustellen.

Zugleich verwies er jedoch darauf, dass die Deutschen im Durchschnitt nur elf Prozent ihrer Haushaltsbudgets für Nahrungsmittel ausgeben und damit im Vergleich mit vielen anderen europäischen Ländern und auch den Vereinigten Staaten deutlich günstiger wegkommen. Bis zu 20 Prozent geben die Konsumenten in einigen Industrieländern aus.

Insgesamt seien durch die Wirtschaftskrise in der Lebensmittelbranche jedoch keine gravierenden Umsatzeinbrüche zu erwarten, ergänzte Berssenbrügge. "Der Einfluss auf die Nahrungsmittelindustrie wird sich in engen Grenzen halten, die Menschen müssen sich ernähren", sagte er.

Hersteller von Markenartikeln müssen mit Verlusten rechnen

Diese Einschätzung teilt auch der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner. Die Lebensmittelindustrie werde der Krise trotzen, erklärte er wenige Tage vor Beginn der Grünen Woche in Berlin, der größten Ernährungs- und Landwirtschaftsmesse weltweit (16. bis 25. Januar). Veränderungen im Einkaufsverhalten, schlossen aber weder Berssenbrügge noch Sonnleitner aus.

Vor allem die Hersteller von teureren Markenartikeln, zu denen auch Nestlé gehört, dürften nach Einschätzung von Branchenexperten Marktanteile an die Anbieter von billigeren No-Name-Produkten verlieren. Davon profitieren vor allem Billiganbieter wie Aldi und Lidl, die bereits in den vergangenen zehn Jahren deutlich dazugewonnen haben und inzwischen mit einem Marktanteil von etwa 50 Prozent den gesamten deutschen Einzelhandel stark unter Druck setzen. Die Dominanz der Discounter gilt auch als Hauptgrund dafür, dass Lebensmittel hierzulande so günstig sind.

Die größten deutschen Billigketten Aldi und Lidl erhoffen sich von der weltweiten Wirtschaftskrise Impulse für ihr Geschäft. Sie forcieren derzeit vor allem die Expansion im Ausland, wo der Marktanteil von Billiganbietern häufig deutlich niedriger ist als in Deutschland und damit die Wachstumschance entsprechend hoch sind. Aldi Süd plant in diesem Jahr nach Informationen der Lebensmittelzeitung erstmals die Eröffnung von mehreren neuen Filialen in New York City - ein teures Pflaster, das der Billiganbieter bei seiner bisherigen Expansion in den Vereinigten Staaten gemieden hatte - sicher auch, weil Ladenmieten dort besonders hoch sind, und auch die Nachfrage seitens der etwas betuchteren Kundschaft als nicht so hoch eingeschätzt wurde.

Doch mit der schlimmsten Wirtschaftsrezession in den USA seit einigen Jahrzehnten sind viele Amerikaner gezwungen, bei Nahrungsmitteln deutliche Abstriche zu machen. Das trifft auch die Beschäftigten der ins Trudeln geratenen Finanzbranche hart, die bisher überdurchschnittlich gut verdient haben. Die Nachfrage nach billigen Lebensmitteln nimmt vor diesem Hintergrund zu und Wal-Mart, der größte US-Billiganbieter, verzeichnet deutliche Umsatzzuwächse. Aldi unterhält bereits mehr als 1000 Filialen in den Vereinigten Staaten.

Lidl folgt derzeit seinem Konkurrenten Aldi in die Schweiz. Der zur Neckarsulmer Schwarz-Gruppe gehörende Discounter will in diesem Jahr erstmals mehrere Standorte im Nachbarland eröffnen. Aldi ist seit 2005 in der Schweiz präsent und stieß anfangs bei vielen Konsumenten auf große Ablehnung, die sich inzwischen allerdings etwas gelegt hat.