WeltwirtschaftWelche Probleme Australien nach der Wahl nun lösen muss

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Chatswood im Norden von Sydney: Der Anteil an Zuwanderern aus Asien ist hier in den vergangenen Jahren besonders stark gestiegen.
Chatswood im Norden von Sydney: Der Anteil an Zuwanderern aus Asien ist hier in den vergangenen Jahren besonders stark gestiegen. IMAGO
  • Die Labor-Partei von Premierminister Anthony Albanese gewann die Wahl in Australien, wobei der schwache Wahlkampf der Opposition als Hauptgrund gilt.
  • Trotz leichtem Wirtschaftswachstum und abflauender Inflation kämpft Australien mit hohen Lebenshaltungskosten, insbesondere auf dem Immobilienmarkt.
  • Das verfügbare Einkommen australischer Haushalte sank laut OECD-Daten zwischen Mitte 2022 und Ende 2024 um 6,7 Prozent, während es im OECD-Durchschnitt um 6 Prozent stieg.
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Die Labor-Partei hat die Wahl in Australien gewonnen – auch wegen der Schwäche der Konservativen. Doch das Land steht vor einigen Herausforderungen: Trumps Zölle schmerzen auch Down Under.

Von Thomas Hahn, Sydney

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Der Vorort Chatswood im Norden von Sydney bietet auch nur einen Ausschnitt der australischen Wirklichkeit nach dem Wahlsieg der Labor-Partei von Premierminister Anthony Albanese am vergangenen Samstag. Allerdings einen, den man sich durchaus einmal anschauen kann. Der Anteil an Zuwanderern aus Asien ist hier in den vergangenen Jahren besonders stark gestiegen. In und um die Läden am Bahnhof hat man das Gefühl, mehr Mandarin als Englisch zu hören. Bei einer Erhebung der zuständigen Lokalverwaltung gaben 2021 über 42 Prozent der rund 25 000 Menschen im Quartier an, chinesische Wurzeln zu haben.

In den Wahlkreisen Bennelong und Bradfield, deren gemeinsame Grenze durch Chatswood läuft, hatten die china- und zuwanderungskritischen Konservativen der Liberal Party einen schweren Stand. Den Sitz für Bennelong verloren sie überraschend deutlich, ihre traditionelle Hochburg Bradfield verteidigten sie nach Stand der Dinge knapp. Und in der Gaststätte „Tasty China“ in der Victoria Avenue erzählt der Mann an der Kasse von den hohen Lebenshaltungskosten. Er nennt sich Jason, ist 35, Chinese und sagt: „Milch zum Beispiel hat vor drei Jahren nur einen Australien-Dollar pro Liter gekostet, jetzt zwei oder drei.“ Auch die Miete für die Einzimmerwohnung, die er mit seiner Frau teilt, sei zu hoch. Sein Wunsch an die Regierung? „Ich hoffe, die Preise gehen runter.“

Alle im Land hoffen das, inklusive des wiedergewählten Albanese. Labors Erfolg über die sogenannte Coalition aus Liberal Party und deren kleiner Dauerpartnerin National Party wirkte wie ein 5:1 im Fußball. Ganze Städte und Regionen erfasste eine rote Welle. Aber bei aller Freude war der Labor-Spitze klar, dass einer der wichtigsten Gründe für den Triumph nicht die eigene Brillanz war. Sondern der schwache Wahlkampf des Oppositionsführers Peter Dutton. Finanzminister Jim Chalmers sagte im TV-Sender ABC über seine Landsleute: „Sie haben uns nicht gewählt, weil sie denken, dass wir alle Herausforderungen in Wirtschaft oder Gesellschaft gelöst haben. Sondern weil sie denken, dass wir besser aufgestellt sind.“

Auch einzelne Branchen zittern

Einen sanften Aufschwung hatte Australien zuletzt zu verzeichnen, 0,6 Prozent Wachstum. Auch die Inflation flaute ab. Und US-Präsident Donald Trump hat Canberra milder mit Zöllen bestraft als andere. Aber das kann nicht von den Schwierigkeiten ablenken. Trumps Zölle schmerzen auch Down Under. Vor allem, weil Australiens wichtigster Handelspartner besonders darunter leidet: China. Finanzminister Chalmers sagt: „Die aktuellen Entwicklungen, insbesondere zwischen den USA und China, werfen einen Schatten auf die Weltwirtschaft.“

Auch einzelne Branchen zittern. Seit Trump Zölle von 100 Prozent auf im Ausland produzierte Filme angekündigt hat, kursiert in der erfolgreichen Filmindustrie an der Gold Coast im Bundesstaat Queensland die Angst. Sollten sie kommen, würden sie einen Wirtschaftszweig mit 6000 Arbeitsplätzen gefährden, der laut der Filmförderagentur Screen Queensland jedes Jahr umgerechnet 285 Millionen Euro erwirtschaftet.

Aber Australiens Hauptproblem sind die Lebenshaltungskosten, vor allem der teure Immobilienmarkt. Für junge Familien, so sagen viele, ist es fast unmöglich geworden, ein Eigenheim zu erwerben. Die Gründe dafür sind vielfältig. Steuergesetze begünstigen Hauskäufe und Investitionen mehr als den Hausbau. Wohnungsbauprojekte treffen auf Widerstand von Nachbarn oder Lokalpolitik, weil sie die australische Idylle so unverändert wie möglich lassen wollen. Dass reiche Leute sich Immobilien als Wertanlage leisten, überhitzt den Markt zusätzlich. Und wegen erhöhter Leitzinsen sind Schulden teurer geworden.

Das hat konkrete Folgen für viele Australier. Der Sender ABC veröffentlichte nach der Wahl Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), nach denen das verfügbare Einkommen australischer Haushalte zwischen Mitte 2022 und Ende 20024 um 6,7 Prozent gesunken sei; im OECD-Durchschnitt stieg es um sechs Prozent. Schon im November sagte der unabhängige Ökonom Chris Richardson in der Zeitung The Australian, der Rückgang des Lebensstandards seit 2022 sei „größer als alles, was wir seit 1959 erlebt haben“.

Lösungen müssen her – sonst wackelt vielleicht irgendwann der Frieden im Einwanderungsland. Wenn die Wohnungsnot so weitergeht, könnten Einheimische bald die Schuld bei den Chinesen von Chatswood oder anderen Ausländer-Gemeinden suchen. Längst grummeln Wirtschaftsexperten, dass die Investitionen zur Zuwanderung fehlten. „Wenn man mehr Menschen anwirbt, ihnen aber nicht die gleichen Produktionsmittel zur Verfügung stellt wie den übrigen, also keine zusätzlichen Maschinen, Häuser, Straßen, öffentlichen Verkehrsmittel, Schulen und Krankenhäuser, sinkt der Lebensstandard aller“, schreibt der Buchautor Ross Gittins.

Und die wohlhabenden Rechten bleiben angriffslustig. Gina Rinehart, Bergbau-Magnatin und reichste Frau Australiens, überließ der Daily Mail Australia einen offenen Brief zur Wahlnachlese. Darin warf sie den „linken Medien“ vor, „viele in der Liberal Party von jeglicher Politik à la Trump abgeschreckt“ zu haben. Sie warb für einen „gesunden Menschenverstand“, wie ihn auch die ultrarechten Regierungen Argentiniens, Italiens und Ungarns verfolgten. Die Milliardärin Rinehart hatte im Wahlkampf den Oppositionsführer Dutton unterstützt. Vermutlich wegen ihres Einflusses wirkte Dutton zwischendurch wie ein Westentaschen-Trump, der als solcher allerdings schlecht ankam im menschenfreundlichen Australien.

Drei Jahre dauert eine Legislaturperiode in Australien. Drei Jahre mehr haben Anthony Albanese und seine Labor-Partei nun also, um die Probleme zu beheben. Das ist nicht viel Zeit, der Druck ist groß. Jason von der China-Gaststätte in Chatswood kann das auch aus Sicht des Wirts bestätigen. „Besonders dieses Jahr ist das Restaurant-Business nicht gut“, sagt er. Zu viele Leute können es sich gerade nicht leisten, chinesisch essen zu gehen.

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