Emoji-Kennzeichen "Wie schreibt man ein Nummernschild mit einem Emoji auf?"

So könnten die Nummernschilder in Queensland demnächst aussehen.

(Foto: AFP)
  • Im australischen Bundesstaat Queensland dürfen Fahrer sich künftig Emojis auf ihr Nummernschild packen.
  • Erlaubt sind aber nur fröhliche Versionen.
  • Juristen machen sich Sorgen wegen Unklarheiten, zum Beispiel, wie man bei einem Unfall ein Autokennzeichen aufschreibt.
Von Christoph Gurk

Dass Autos weit mehr sind, als reine Fortbewegungsmittel, dürfte wohl jedem klar sein, der sich schon mal im Schritttempo durch den Feierabendverkehr geschoben hat, begleitet vom sonoren Blubbern eines kantigen Sportwagens, dessen Fahrer sehr viel Geld für sehr viel PS ausgegeben hat, am Ende aber auch nicht schneller ans Ziel kommen wird als man selbst.

Dem Besitzer dürfte das egal sein, genauso wie sich ein Harley-Fahrer nicht um Hörprobleme schert und auch eine noch so angespannte Parkplatzsituation hippe Bewohner von Innenstadtvierteln nicht davon abhält, sich einen sperrigen Land-Rover-Geländewagen zu kaufen. Ihnen geht es ja nicht darum, von A nach B zu kommen. Es geht um die Message, die Botschaft, die man im Straßenverkehr mit einem Fahrzeug sendet. Und wenn man die dann noch mit einem einschlägigen Kennzeichen unterstreichen kann, umso besser.

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Deutsche Autofahrer sind hier nicht unkreativ: Auf der Autobahn kann es sein, dass man einem schwarzen SUV mit verdunkelten Scheiben und dem Berliner Kennzeichen "B-AD" ganz unaufgefordert die Spur freimacht. Bei dem Fahrer aus der Städteregion Aachen mit dem Nummernschild "AC-DC" weiß man mit ziemlicher Sicherheit, was gerade durch die Anlage röhrt und wenn der "M-AX" aus München der Bambergerin mit dem Kennzeichen "BA-BY" auf der Landstraße begegnet, wüsste man schon gerne, ob verführerische Blicke fielen. Kurzum: Vieles ist möglich, vieles aber auch nicht, denn am Ende schränkt der Wohnort in Deutschland die Fantasie doch stark ein. Wer sich außerhalb von Bad Segeberg "SE-XY" fühlt, muss sehen, wie er diese Botschaft auf die Straße bringt.

Längst gibt es Kennzeichen mit Logos von Rugbyvereinen und sogar mit Tieren

Andernorts bieten Zulassungsstellen da mehr Service. In Finnland, Belgien und vielen anderen Ländern kann man die Zeichenkombination des Nummernschildes frei wählen oder auch ganz auf Zahlen verzichten. In den USA und Australien können Autofahrer dann noch speziell designte Nummernschilder erstehen. Neben Buchstaben und Nummern sind zum Beispiel Sonnenuntergänge oder Tiere auf ihnen zu sehen. Es gibt Kennzeichen mit den Logos von Rugbyvereinen, und im australischen Bundesstaat Queensland haben Autofahrern nun auch noch eine weitere Möglichkeit. Sie können Emojis auf ihr Wunschnummernschild packen.

Ab 1. März können Autofahrer über das Unternehmen "Personalised Plates Queensland" zwischen fünf Emojis auswählen, die dann zusammen mit zwei Nummern und drei Buchstaben auf das Kennzeichen gedruckt werden: Zwinker-Smiley, Sonnenbrillen-Smiley, Herzchenaugen-Smiley, "Laughing Out Loud"-Smiley und Lach-Smiley.

Weltweit, sagt das Unternehmen, ist das Angebot bislang einzigartig. Die Reaktionen sind indes gemischt: Auf der Facebookseite des Unternehmens regnete es Herzchen-Emojis, gleichzeitig gibt es auch Kritik. Einigen geht das Angebot nicht weit genug. Sie wünschen sich böse Emojis genauso wie das Symbol für die Aubergine, das ob seiner Form meist nicht nur für das Gemüse steht, sondern auch, nun ja, für das männliche Geschlechtsorgan. Rein kommunikativ ist das recht deutlich, Juristen machen sich hingegen Sorgen wegen Unklarheiten: "Wie schreibt man bei einem Unfall ein Nummernschild mit einem Emoji auf?", fragte Bill Potts, Präsident der Queensland Law Society, unlängst in der Brisbane Times.

Von solchen Fragen abgesehen werden die Kennzeichen bis zu umgerechnet 300 Euro kosten. Ein Teil des Geldes kommt dabei immerhin der staatlichen Transportbehörde von Queensland zugute, die das Geld in den Ausbau von Verkehrssicherheit steckt. Um es mit Emojis zu sagen: Daumen hoch!

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