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Ausstand im öffentlichen Dienst:Verdi setzt Warnstreiks fort

Kitas, Krankenhäuser und Müllabfuhr sind betroffen: Am zweiten Tag der Warnstreiks im öffentlichen Dienst legen Tausende Beschäftigte in Norddeutschland die Arbeit nieder. Verdi-Chef Bsirske verteidigt die Forderungen der Gewerkschaft - und beharrt auf dem geplanten Streik in Hannover während der Cebit.

Die Warnstreikwelle im öffentlichen Dienst hat vor allem den Norden Deutschlands erfasst. Beschäftigte von Bund und Kommunen legten in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg aber auch in Baden-Württemberg ihre Arbeit nieder. In Kiel blieben nach Angaben einer Sprecherin der Gewerkschaft Verdi zahlreiche Kitas geschlossen. Auch die Stadtwerke, Krankenhäuser und die Müllabfuhr wurden bestreikt.

Warnstreik im oeffentlichen Dienst

Im Rahmen des Tarifstreits im öffentlichen Dienst rufen die Gewerkschaften die Beschäftigten zu Warnstreiks auf.

(Foto: dapd)

Man sei mit der Beteiligung zufrieden, hieß es bei Verdi in Kiel. "Die Stimmung ist gut", sagte Susanne Schöttke von der Streikleitung. In Hamburg haben laut Veranstalter etwa 2000 Menschen für höhere Gehälter demonstriert. Die Kundgebung ging mit dem Warnstreik in der Hansestadt einher. An dem Ausstand beteiligten sich Mitarbeiter der Stadtreinigung, von Kitas und verschiedener Ämter. Den Anfang der Streikwoche hatten am Montag Beschäftigte in Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland gemacht. Insgesamt waren laut Verdi mehr als 10.000 Menschen an den Aktionen beteiligt.

Verdi-Chef Frank Bsirske verteidigte unterdessen die Forderungen der Gewerkschaft. Der öffentliche Dienst habe in den vergangenen Jahren nicht mit der Lohnentwicklung in der Privatwirtschaft Schritt gehalten. "Das ist fatal für die Beschäftigten, und das ist auch fatal für die Attraktivität des öffentlichen Dienstes - so geht es nicht weiter", sagte Bsirske dem Sender NDR Info.

Die Gewerkschaft fordert für die bundesweit gut zwei Millionen Beschäftigten eine Gehaltsanhebung um 6,5 Prozent - mindestens soll am Ende aber ein Plus von 200 Euro stehen.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sieht die Streikenden im Recht: In den letzten Jahren sei massiv gespart worden, insbesondere beim Personal, sagte Gabriel im Bayerischen Rundfunk. Der öffentliche Dienst habe bei der Entwicklung der Reallöhne in den vergangenen zehn Jahren an drittletzter Stelle gestanden.

Aus Sicht der Arbeitgeber, die noch kein Angebot vorgelegt haben, sind die Forderungen der Gewerkschaft jedoch überzogen. Besonders in der Kritik steht der Plan von Verdi, am kommenden Donnerstag auch den Nahverkehr in Hannover zu bestreiken. Dort findet derzeit die weltgrößte IT-Messe Cebit statt. Der Ausstand würde die An- und Abreise der Cebit-Besucher stark behindern. Bsirske verteidigte die Pläne der Gewerkschaft: Den geplanten Streik in Hannover sieht er als "Zeichen der Ernsthaftigkeit".