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Außenhandel:"An Dramatik kaum zu überbieten"

World's Largest Container Ship Arrives at Port of Hamburg

Einfahrt in Hamburg: Die Import-Werte deuten darauf hin, dass Deutschland besser als manche Handelspartner durch die Krise kommt.

(Foto: Krisztian Bocsi/Bloomberg)

Im April fielen die deutschen Exporte um mehr als 30 Prozent.

Die deutschen Exporte sind in der Coronakrise so stark eingebrochen wie noch nie. Darin spiegelt sich insbesondere auch die Rezession bei wichtigen Handelspartnern wie den USA und Frankreich wider. Im April verkauften die deutschen Unternehmen Waren im Wert von nur noch 75,7 Milliarden Euro ins Ausland und damit 31,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Dies ist der größte Rückgang seit Beginn der Datenerhebung 1950, wie das Statistische Bundesamt an diesem Dienstag mitteilte.

"Der Exporteinbruch ist an Dramatik kaum zu überbieten", sagte der Außenhandelschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. Trotz wieder geöffneter Grenzen und anziehender Konjunktur in vielen Ländern droht den Exporteuren auch im Gesamtjahr 2020 ein beispielloser Einbruch. Der DIHK und der Industrieverband BDI erwarten ein Minus von 15 Prozent.

Die Ausfuhren nach China sanken im April vergleichsweise moderat um 12,6 Prozent. Die Exporte in die von der Corona-Pandemie besonders betroffenen Staaten nahmen dagegen überdurchschnittlich stark ab. Für Frankreich melden die Statistiker minus 48,3 Prozent, für Italien minus 40,1 Prozent und für die USA minus 35,8 Prozent.

"Zwar dürfte der April den Tiefpunkt markiert haben und die Ausfuhren seit Mai wieder aufwärtsgerichtet sein", sagte der Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Stefan Kooths. "Die Erholung ist aber noch zu kraftlos, um die krassen Einbrüche schnell wieder aufzuholen."

Darauf deutet auch die Entwicklung der Aufträge in der exportabhängigen Industrie hin. Die Bestellungen aus dem Ausland brachen im April im Rekordtempo von 28,1 Prozent zum Vormonat ein, da sich wichtige Abnehmerländer wie der Exportkunde Nummer eins, die USA, wegen der Corona-Krise in einer Rezession befinden und weniger Waren aus der Bundesrepublik nachfragen.

Die deutschen Importe brachen im April mit 23,6 Prozent zum Vorjahresmonat auf 72,2 Milliarden Euro so stark ein wie seit der globalen Finanzkrise 2009 nicht mehr. Im Vergleich zum März fielen sie sogar in Rekordtempo. "Der im Vergleich zu den Ausfuhren deutlich schwächere Rückgang der Importe zeigt, dass Deutschland insgesamt noch besser durch die Krise kommt als seine Handelspartner", sagte IfW-Ökonom Kooths.

Der im Ausland viel kritisierte deutsche Exportüberschuss schmolz im April auf nur noch 3,5 Milliarden Euro ab, weil die Ausfuhren stärker abnahmen als die Einfuhren. "Damit wurde der niedrigste Exportüberschuss Deutschlands seit Dezember 2000 nachgewiesen", erläuterten die Statistiker. Vor einem Jahr lag er noch bei fast 18 Milliarden Euro.

© SZ vom 10.06.2020 / Reuters

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