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Ausmisten:Gerümpel oder Kunst?

Roof, Chateau de Saint-Projet, Midi-Pyrenees

Auf Dachböden sammelt sich im Lauf der Zeit vieles an. Wer ausmistet, kann oft noch ein bisschen Geld verdienen.

(Foto: Mauritius Images/United Archives)

Wer alte Sachen wegwirft, macht womöglich teure Fehler. Experten und das Netz helfen, Schätze zu erkennen.

Die Witwe, die den Karton mit dem Elektroschrott in Kalifornien zur Verwertung brachte, ahnte nicht, dass sie da ein echtes Sammlerstück entsorgen wollte. In der Kiste, die ihrem Mann gehört hatte, befand sich unter anderem ein originaler Apple I - der erste Personal Computer, 1976 vom Apple-Mitgründer Steve Wozniak gebaut. Die Entsorgungsfirma verkaufte den Überraschungsfund im Mai 2015 für 200 000 Dollar an einen Sammler.

Wer also mal wieder gründlich ausmisten möchte, sollte auch ein wenig Arbeit in die Recherche stecken. Sicher, was alt und kaputt ist, kann in vielen Fällen auch weg. Doch bei allem, was noch in ordentlichem Zustand ist, lohnt es sich, sie online oder auf Flohmärkten anzubieten oder für einen guten Zweck zu spenden.

Generell gilt: Es gibt keine fixen Preise für Sachen aus zweiter Hand. Ihr Wert bemisst sich danach, was ein Käufer dafür zahlen will. Liebhaber oder Sammler etwa, die nach einem bestimmten Stück suchen, messen Gegenständen einen anderen Wert bei als Menschen, die sonntags über den Flohmarkt bummeln.

Die meisten kaufen gebraucht, weil sie sparen wollen. Aber auch Überzeugung spielt eine Rolle

In einer Umfrage des Statistikportals Statista sagten fast 80 Prozent der Befragten, dass sie Dinge aus zweiter Hand vor allem online kaufen. Etwa 40 Prozent gehen dafür auf Flohmärkte, 23 Prozent in Secondhand-Läden. Hauptgrund für den Gebrauchtkauf ist, dass die Menschen Geld sparen möchten, immerhin einem Fünftel geht es darum, Ressourcen zu sparen.

Wer nur ein paar Dinge loswerden möchte, ist gut beraten, sich selbst darum zu kümmern. Muss ein kompletter Haushalt aufgelöst werden, lohnen sich professionelle Helfer. Aufs Entrümpeln und Auflösen spezialisierte Unternehmen hinterlassen die Räume besenrein. Der Bundesverband deutscher Auktionatoren empfiehlt aber, vorab Expertise von jemandem einzuholen, der nicht als Käufer auftritt. Auktionatoren etwa seien nicht daran interessiert, die Preise zu drücken, schließlich berechnet sich ihre Provision danach. Daher schätzen sie zunächst den Wert, erklärt die Berliner Auktionatorin Monika Beier: "Was sich verwerten lässt, wird mit den Räumungskosten gegengerechnet. Je nach Erfolg bleibt den Besitzern noch ein Sümmchen übrig oder sie kommen zumindest bei plus/minus Null heraus."

Sinnvoll sei es, ein paar Fotos von Gegenständen, die man für wertvoll halte, vorab ans Auktionshaus zu schicken oder sich über den Verband einen Ansprechpartner vermitteln zu lassen. Gleiches gilt für Antiquitätenhändler, auch sie bieten an, den Wert einzelner Artikel zu schätzen. Als Antiquität gelten Dinge aber erst, wenn sie mindestens hundert Jahre alt sind. Die Wahrscheinlichkeit, beim Ausmisten echte Preziosen zu finden, ist aber trotz Anekdoten wie der vom Apple I gering. Vieles von dem, was man selbst im Keller hat oder im Internet findet, sind gebrauchte Massenartikel in unterschiedlich gutem Zustand.

Am häufigsten werden sie über die Online-Auktionsplattform Ebay und deren Schwester-Seite Ebay-Kleinanzeigen angeboten. Hier gibt es von Möbeln über Elektrogeräte, Kleidung und Spielzeug bis hin zu Autos und Wohnungen so ziemlich alles. Eine weitere Möglichkeit ist die Website Gebraucht.de, auf der sich ebenfalls kostenlos Inserate schalten lassen. Das Portal bietet einen zusätzlichen Schutz, denn die Plattform wickelt die Zahlungen selbst ab und gibt das Geld erst an den Verkäufer weiter, wenn dessen Paket beim Käufer angekommen ist. Die Plattformen sind, wie auch der Amazon Marketplace, zudem interessant, um ein erstes Gefühl zu entwickeln, ob ein Gegenstand noch Geld bringt.

Re-Commerce-Händler wie Rebuy, Wirkaufens oder Momox kaufen Bücher, CDs, DVDs, Computerspiele, Technik, oft auch Kleidung zurück. Per App oder über die Websites können Kunden für ihre aussortierten Stücke einen Preis ermitteln. Sind sie mit dem Wert einverstanden, schicken sie die Artikel kostenlos an den Anbieter oder lassen sie abholen. Momox etwa überweist den Gegenwert aufs Konto, wenn die Produkte vollständig und in gutem Zustand sind. Das Unternehmen stellt so sicher, dass die angekauften Sachen aufbereitet und weiterverkauft werden können - und tut genau das auf den Plattformen Ubup (für Kleidung) und Medimops (für Bücher und mehr).

Auch alte Schallplatten haben durchaus noch einen Wert. Auf der Website Popsike können Besitzer prüfen, welche Preise LPs bei Internet-Versteigerungen, vor allem auf Ebay, eingebracht haben. Umfangreicher ist die Musikdatenbank Discogs, auf der LPs und CDs mit ihren Daten wie Jahr des Erscheinens, Label, Trackliste, erfasst sind - von Fans für Fans. An- und Verkauf ist über die verbundene Plattform möglich, zu jedem Artikel gibt es außerdem Statistiken über bisher erzielte Preise und die Zahl der Angebote und Gesuche.

Bei Kunstobjekten ist es schwieriger, einen Preis zu schätzen. Je bekannter der Maler, desto wertvoller - aber ist das Bild echt? "Bei Bildern ist das anhand von Fotos schwer zu sagen", erklärt Auktionatorin Monika Beier, "die muss man anfassen und mit der Lupe anschauen, um zu sehen, ob es tatsächlich Pinselstriche sind oder nur Rasterpünktchen. Letzteres deutet auf einen Druck hin."

Möbel aus der Gründerzeit gehen gerade nicht so gut

Auch Porzellan, Schmuck oder Möbel sind Dinge, die Fachleute gern sehen und berühren, bevor sie einen Preis nennen. Allgemein kann man sagen, dass bekannte Marken und auch besondere Materialien ein höheren Wert ergeben. Bei Porzellan-Sets aus Manufakturen wie Meissner oder Fürstenberg etwa kommt es auf Markenzeichen und den jeweiligen Jahrgang an. Möbelstücke aus Hölzern wie Kirsch oder Mahagoni können ebenfalls mehr Geld bringen. Sie unterliegen aber Trends, die den Weiterverkauf erschweren. "Was gut geht, sind Designer- oder schwedische Möbel", so Beier. "Modelle aus der Gründerzeit dagegen gehen gerade nicht so gut."

Online ist Catawiki eine Alternative für speziellere Fundstücke. Die niederländische Website bietet etwa Auktionen für moderne und zeitgenössische Kunst, Uhren, Schmuck, Briefmarken und Münzen, aber auch Militaria oder Oldtimer. Gewünscht sind Objekte in Premiumqualität, die von Experten begutachtet und erst dann für eine Versteigerung eingeplant werden.

Egal, ob auf dem Flohmarkt oder dem Online-Marktplatz, der Verkauf macht Arbeit. Eine schöne Alternative ist es deshalb, Dinge zu spenden. Alte Mobiltelefone werden oft von Umwelt- oder Sozialverbänden zurückgenommen, um die enthaltenen Materialien wiederzuverwerten. Wohlfahrtsverbände, Obdachlosenhilfen und Flüchtlingsnetzwerke freuen sich ebenfalls über Kleidung, Möbel und Spielzeug in gutem Zustand. Wichtig ist aber, vorher telefonisch oder per Mail nachzufragen, was die Initiativen derzeit benötigen. Deren Lagerflächen sind meistens knapp, daher sind gut gemeinte Spenden ohne Rücksprache oft eher Belastung als Hilfe.

© SZ vom 11.02.2019
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