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Ausgleich für höhere Haftpflicht-Kosten:Gesetzliche Krankenkassen unterstützen Hebammen

Mehr Geld pro Geburt: Um die stark gestiegenen Kosten für die Haftpflichtversicherung auszugleichen, erhalten Geburtshelferinnen in Deutschland künftig einen Zuschuss von den gesetzlichen Krankenkassen. Über eine allgemeine Anhebung der Honorare herrscht aber weiterhin Streit.

Nach zähem Ringen haben sich die gesetzlichen Krankenkassen und die Hebammen-Verbände auf einen finanziellen Ausgleich für die Geburtshelferinnen geeinigt. Damit sollen die höheren Kosten durch die stark gestiegenen Prämien zur Berufshaftpflichtversicherung kompensiert werden. Diese würden nun vollständig von den Krankenkassen übernommen, wie der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mitteilte.

Zum 1. Juli waren die Jahresprämien, die Hebammen für ihre Berufshaftpflicht zahlen müssen, von derzeit durchschnittlich fast 3700 Euro um 15 Prozent auf mehr als 4200 Euro gestiegen. Betroffen sind in erster Linie jene rund 3000 freiberuflichen Hebammen, die noch klassische Geburtshilfe anbieten. Sie hatten seit längerem darüber geklagt, dass sie durch die Erhöhung in existentielle Nöte gerieten. Für die Belange der Hebammen hatte sich jüngst auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eingesetzt.

Eine Hebamme bekomme nun zusätzlich für jede von ihr betreute Geburt im Geburtshaus 25,60 Euro und bei einer Hausgeburt 78 Euro. Die Kassen geben damit 1,7 Millionen Euro mehr im Jahr aus, wie der GKV-Spitzenverband weiter erläuterte. Die nun getroffene Vereinbarung gilt rückwirkend zum 1. Juli 2012. Auch für nicht in der Geburtshilfe tätige Hebammen, deren Prämien für die Berufshaftpflichtversicherung leicht gestiegen waren, seien ebenfalls Vergütungspositionen angehoben worden, hieß es weiter.

Der saarländische Gesundheitsminister und Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Andreas Storm (CDU), sprach von einem wichtigen Signal für diese Berufsgruppe. Hebammen und Entbindungshelfer leisteten "einen wesentlichen Beitrag zur Versorgung von Schwangeren, Gebärenden und Wöchnerinnen", erklärte Storm in Saarbrücken.

Die Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen haben bei einer Schwangerschaft Anspruch auf die Hilfe einer - angestellten oder freiberuflichen - Hebamme. In ganz Deutschland hat der Deutsche Hebammenverband rund 18.000 Geburtshelferinnen gezählt - rund 60 Prozent von ihnen arbeiten freiberuflich.

Keine Einigung von Kassen und Hebammen gab es bei der Erhöhung der Honorare insgesamt. Ein Angebot des GKV-Spitzenverbandes von mehr als zehn Prozent hätten die Hebammenvertreterinnen abgelehnt. Sie wollen nach Darstellung der Kassen jetzt die Schiedsstelle anrufen. Die Hebammen hatten 30 Prozent mehr Geld gefordert. An der "seit Jahren völlig unbefriedigenden Vergütungssituation" der Hebammen habe sich noch nichts geändert, erklärten die Vertreter der Berufsgruppe.