Ausflüge ins All:Operation Enterprise

Der Amerikaner Burt Rutan baut im Auftrag des Milliardärs Richard Branson ein Raumschiff für Ausflüge ins All. 300 Privatleute haben bereits einen Trip gebucht.

Andreas Oldag

Ist einem der Erfindergeist in die Wiege gelegt? Bei Burt Rutan sieht es ganz danach aus. Jedenfalls erprobte er seine Modellflugzeuge schon als kleiner Schuljunge in einer Art Windkanal.

Ausflüge ins All: Beschreibt sich selbst als unkonventionellen Denker und Praktiker, der das Risiko nicht scheut:  Raumschiffkonstrukteur Burt Rutan.

Beschreibt sich selbst als unkonventionellen Denker und Praktiker, der das Risiko nicht scheut: Raumschiffkonstrukteur Burt Rutan.

(Foto: Foto: AFP)

Dabei handelte es sich um das Familienauto. Der kleine Burt bettelte seine Mutter, die am Steuer saß, an, bitte schneller auf dem Highway zu fahren. Dann hielt der junge Erfinder sein Bastelobjekt aus dem Fenster, um dessen Standfestigkeit im Gegenwind zu testen.

Heute beschäftigt sich Burt Rutan mit etwas größeren Projekten: Der Amerikaner konstruierte die Raumfähre Enterprise. Mit dem raketengetriebenen Fluggerät will der britische Unternehmer Richard Branson Weltraumtouristen befördern.

40 bis 50 Raumschiffe geplant

300 Interessenten haben bereits das 200.000 Dollar teure Abenteuer gebucht. Rutan und Branson planen eine Flotte von 40 bis 50 Raumschiffen, die künftig von einem für 300 Millionen Dollar gebauten Weltraumbahnhof im US-Bundesstaat New Mexico starten sollen.

Vor kurzem haben Rutan und Branson die neue Enterprise in der kalifornischen Mojave-Wüste der Öffentlichkeit präsentiert. Der Stolz war dem Konstrukteur anzusehen. "Wir brechen in eine neue Ära der kommerziellen Weltraumfahrt auf", meinte der 66-Jährige. Zwei Jahre hat der Mann mit dem markanten Backenbart an dem 18 Meter langen Gefährt gewerkelt, das Platz für sechs Passagiere und zwei Piloten bietet.

Die Konstruktion basiert auf dem Space Ship One. Dies hatte 2004 als erstes privat gebautes Raumschiff einen All-Flug in 100 Kilometer Höhe absolviert.

Unkonventionell

Gewiss hat Rutan in Branson einen idealen - und vor allem mit den nötigen finanziellen Mitteln ausgestatteten - Geschäftspartner gefunden. Der Raumschiffkonstrukteur beschreibt sich selbst als unkonventionellen Denker und Praktiker, der das Risiko nicht scheut.

Es ist kein Zufall, dass er für die staatliche Raumfahrtagentur NASA kaum freundliche Worte findet. Diese sei Ausdruck einer bürokratisierten Welt, in der Unternehmer- und Erfindergeist unterdrückt würden, so Rutan. Er ist überzeugt davon, dass die Weltraumfahrt aus ihren staatlichen Fesseln befreit werden muss, um sie kommerziell erfolgreich zu machen.

Ähnlich unkonventionell lebt der Pionier auch privat: Er wohnt in einem selbst konstruierten Energiesparhaus in der Mojave-Wüste, das die Form einer Pyramide hat.

Zu den Bewohnern gehört ein Papagei, der das Bellen eines Hundes und das Miauen einer Katze täuschend ähnlich nachmachen kann. Rutan ist ein Freigeist, der sich in kein Schema einordnen lässt. Den von Wissenschaftlern unterstellten Zusammenhang zwischen Klimaerwärmung und von Menschen verursachten Emissionen lehnt er übrigens ab.

Zweistündige Kurztrips

Rutans Begeisterung für die Weltraumfahrt wurde bereits in den fünfziger Jahren geweckt. Damals schaute er sich einen Film über den Raketenkonstrukteur Wernher von Braun an.

Später studierte er Ingenieurwissenschaften an der California State Polytechnic University. 1986 sorgte er für Schlagzeilen mit dem von ihm konstruierten Langstreckenflugzeug Voyager. Und nun soll Raumschiff Enterprise bald abheben. Zwar nicht zu fernen Galaxien, aber immerhin zu zweistündigen Kurztrips in den Weltraum.

© SZ vom 31.12.2009/pak
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