Folgen der Pandemie:Azubis haben Zukunftsängste

12.02.2020, Remscheid, Nordrhein-Westfalen, Deutschland - Auszubildende in Metallberufen hier beim Schweissen, Berufsbil

Junge Berufseinsteiger sehnen sich nach festen Zusagen.

(Foto: Rupert Oberhäuser/Imago)

Die Corona-Krise durchkreuzt die Pläne von Berufseinsteigern. Nun fürchten mehr als die Hälfte der Auszubildenden schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, zeigt eine Befragung.

Von Helena Ott

Die Ausbildung ist eine Episode der Unsicherheit - das war sie immer schon. Man bedient die Fräse zum ersten Mal, kennt sich mit dem IT-System nicht aus und weiß nicht, wen man für die Mittagspause fragen kann. Es passieren Fehler. Man strengt sich doppelt und dreifach an und weiß nicht, ob man hinterher übernommen wird.

Es wird wohl niemand freiwillig mit gerade 16, 19 oder 24-Jährigen tauschen wollen. Deren Ausbildungen mit Kurzarbeit, Home-Office und Maske begonnen haben. Sogar in der Metallbranche sagen 43 Prozent der Auszubildenden ihnen fehle der Praxisbezug. Gerade dort wo das Lernen an der Werkbank und von Kollegen besonders wichtig ist. Gemeinsam mit Volkswirt und Jugendforscher Simon Schnetzer hat die Gewerkschaft IG Metall bis März 3229 Auszubildende befragt.

Die Ergebnisse zeugen von verbreiteten Zukunftsängsten. Mehr als jeder Zweite befürchtet, dass sich seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt durch die Pandemie verschlechtert haben. Deshalb wendet sich Christiane Benner, zweite Vorsitzende der IG Metall, nun direkt an Ausbildungsbetriebe: "Tut alles, was möglich ist. Nutzt die Ausbildungsprämie". Gemeint ist der Zuschuss der Bundesregierung von bis zu 6000 Euro. Das Geld erhalten Betriebe, wenn sie keine Lehrstellen abbauen oder zusätzliche schaffen. Benner erinnert daran, dass Betriebe für die anstehende "Transformation" - wie Klimawende und Digitalisierung - dringend Fachkräfte brauchen werden.

Junge Berufseinsteiger fühlen sich psychisch belastet

Die berufliche Unsicherheit hat die jungen Berufseinsteiger mürbe gemacht. 61 Prozent empfinden, dass sich ihre psychische Gesundheit während der Pandemie verschlechtert habe. Sie quälen Ängste, Unsicherheit und die fehlenden Kontakte. Jeder zweite gab sogar an, das Gefühl zu haben, das eigene Leben nicht mehr kontrollieren zu können.

Neben der individuellen Sorgen sieht die IG-Metall eine Bedrohung für die Branche von zwei Seiten. Wenn in den nächsten Jahren immer mehr Angestellte der Boomer-Generation in Rente gehen, verschärft sich der Mangel an qualifizierten, erfahrenden Mitarbeitern. Gleichzeitig können unterbrochene Bildungs-Biografien durch die Krise zu immer mehr Jugendarbeitslosigkeit führen. Die ungenutzten Potentiale der Jugendlichen heute, sind die Fachkräfte, die in fünf Jahren zusätzlich fehlen.

© SZ
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